Rhein-Pfalz Kreis Die Stadt voranbringen
«Schifferstadt.»Wenn die Kicker des FSV Schifferstadt dem Ball nachjagen, kann Patrick Poss abschalten. „Auf dem Damm zu stehen, dem Spiel zuzuschauen und vielleicht noch eine Rieslingschorle zu trinken, das ist für mich Entspannung“, sagt der 30-Jährige. Bei fast jedem Spiel feuert er seinen FSV an. „Obwohl er von der Historie her eigentlich der SPD-Verein ist.“ Er grinst. Häufig sei er angesprochen worden, warum er als Christdemokrat nicht dem Phönix die Stange hält. „Ich bin mit dem FSV groß geworden“, erzählt er. „Mein Großvater war hier Jugendwart und hat mich mitgenommen. Aber gespielt habe ich nie.“ Mitglied ist er trotzdem. Und unterstützt, wenn er kann. Beim anstehenden Umbau des Hartplatzes ist er Teil des Planungsteams, kümmert sich mit um die Fördergelder. „Das hat wunderbar geklappt, wir können dieses Jahr anfangen“, sagt er stolz. Mit einem Rasen- statt eines Hartplatzes bleibe der Verein zukunftsfähig. „Ich bin gerne hier“, sagt Poss und blickt über den Platz. Auch ein wenig wehmütig. Sein Großvater, mit dem er oft über die Umgestaltung diskutiert hatte, ist im vergangenen September gestorben. „In der Nacht nach meiner Nominierung zum Bürgermeisterkandidaten.“ Dass er ins Rennen geht, sei so eigentlich gar nicht geplant gewesen. „Aber mir war es wichtig, dass wir als CDU einen Kandidaten stellen.“ Und so wurde es einer der Jüngsten in der Schifferstadter Unionsriege. Seit seinem 16. Lebensjahr ist Poss Parteimitglied, war Vorsitzender der Jungen Union, sitzt im Stadtrat und Kreistag. „Ich wollte zu einer großen Partei. Die Linie der CDU hat mir zugesagt.“ Und irgendwie sei es „ein kleiner Akt der Rebellion gewesen, in eine konservative Partei einzutreten. Auch wenn das eine Art Widerspruch ist“. Er lacht. Seine Mutter und seine Großeltern seien eher sozialdemokratisch geprägt. „Mir hat da die gegensätzliche Linie irgendwie gefallen.“ Dabei beschreibt sich der 30-Jährige eigentlich als friedvollen und entspannten Familienmenschen. „Ich bin fast jeden Tag bei meinen Eltern oder rufe an.“ Er sei gerne unter Menschen, mit Freunden und Familie in der Pfalz unterwegs. In der Stadt engagiert er sich in neun Vereinen – singt beispielsweise beim MGV Klein-Schifferstadt und ist Schriftführer beim VfK. Poss ist Schifferstadter durch und durch. Die Stadt zu verlassen, war nur mal kurzzeitig eine Option. Nach dem Referendariat habe er über Berlin und Vietnam nachgedacht. Hat aber eine Stelle in Schifferstadt bekommen. Der 30-Jährige arbeitet als Lehrer an der Realschule plus und Fachoberschule, die er auch selbst vor dem Abitur am Nikolaus-von-Weis-Gymnasium in Speyer besucht hat. Ein Leben ohne Schifferstadt – „schwierig“, findet er. Die Stadt, die Menschen, das alles liege ihm am Herzen. Mit ein Grund, warum er sie politisch mitgestalten und voranbringen will. Was Ideen bewirken können, sagt er, zeige der Schillerplatz in der Stadtmitte. Einst ein von drei Straßen umringter Platz, sei er nach der Umgestaltung 2001 zu einem richtigen Anziehungspunkt geworden. „Ich erinnere mich noch gut: Als ich Kind war, war es ein grauer Platz, der nicht schön war. Heute ist es ein Ort der Begegnung.“ Solche Veränderungen motivieren – auch zu einer Bürgermeisterkandidatur. „Ich liebe meinen Job, er ist toll“, sagt Poss. Und trotzdem will er an die Stadtspitze. „Ich würde die Schule vermissen, aber so wie es in Schifferstadt zurzeit ist, muss sich etwas ändern.“ Bürger, findet er, sollten mehr in politische Entscheidungen einbezogen, die Ratsarbeit transparenter, Digitalisierung – Technik ist eines seiner Steckenpferde – vorangetrieben werden. Schlechtreden will er die Projekte der vergangenen Jahre nicht. Es sei Gutes auf den Weg gebracht worden. Das Mobilitätskonzept zum Beispiel. „Aber wir müssen schauen, was wir daraus machen und was mehrheitsfähig ist“, findet Poss. Auch eine bessere parteiübergreifende Zusammenarbeit sei sein Wunsch. „Wir brechen uns alle keinen Zacken aus der Krone, wenn wir uns unterstützen. Ich habe mir fest vorgenommen, dass das besser laufen soll.“ Politische Entscheidungen aus dem Bauch heraus zu treffen, sei nicht sein Ding. „Man sollte Dinge immer überprüfen, bevor man etwas ändert.“ Und dann auch klar dahinterstehen. So wie bei der Umgestaltung des Jugendtreffs. „Da muss sich etwas tun“, sagt der 30-Jährige. „Ich habe schon früh auch über meine Schüler mitbekommen, dass da Unmut herrscht.“ Die ersten Schritte sind getan und die Kosten werden geprüft. „Ich bin gespannt, wie sich das Projekt weiter entwickelt“, sagt Poss. „Die Jugendlichen haben sich von Anfang an mit tollen Ideen eingebracht. Wenn wir nichts machen, sorgt es für Verdruss.“ Patrick Poss zeigt sich nah dran an der Jugend – „auch, wenn ich für die schon alt bin“ und für die älteren Bürger wiederum der Jungspund. Er betreibt aktiven Wahlkampf in sozialen Netzwerken wie Facebook oder Instagram. „Das kommt an, das sehe ich an den Klickzahlen. Und in Facebook erreiche ich auch nicht nur Jugendliche.“ Das Thema Alter ist ein wichtiges in seinem Wahlkampf. Sollte er die Wahl gewinnen, wäre er mit seinen 30 Jahren der jüngste hauptamtliche Bürgermeister, den Schifferstadt je hatte und würde zudem die CDU nach 16 Jahren wieder an die Stadtspitze führen.