Bobenheim-Roxheim RHEINPFALZ Plus Artikel Corona-Fall Frosta: Vorerst keine weiteren Infektionen in der Belegschaft

Das Frosta-Werk Rheintal in der Industriestraße. Dort werden am Montag Corona-Schnelltests eingesetzt.
Das Frosta-Werk Rheintal in der Industriestraße. Dort werden am Montag Corona-Schnelltests eingesetzt.

Die Gesundheitsbehörde des Rhein-Pfalz-Kreises ist zuversichtlich, dass der Corona-Ausbruch mit 45 Infizierten im Bobenheim-Roxheimer Frosta-Werk in den Griff zu bekommen ist. Am Freitag seien von dort keine weiteren Infektionen gemeldet worden. In dem Gemüse verarbeitenden Betrieb wird weiter getestet.

Die Hygieneregeln im Bobenheim-Roxheimer Frosta-Werk sind streng. Das hat 2016 eine Gruppe von RHEINPFALZ-Lesern bei einer Betriebsbesichtigung erfahren dürfen. Ohne Schutzkittel, Kopfhauben und Desinfektion von Schuhen und Händen war an ein Betreten der Lebensmittelproduktion nicht zu denken. Und die Mitarbeiter am Fließband, die für tiefgekühlte Teiggerichte zuständig sind, müssen schon lange eine Mund-Nasen-Maske tragen.

Die am Donnerstag bekannt gegebenen Coronavirus-Infektionen betreffen hauptsächlich Mitarbeiter des Produktionsbereichs, teilte am Freitag die Pressestelle der Frosta AG in Bremerhaven mit. Einen Vergleich mit diversen Schlachtbetrieben, die wegen massenhaft aufgetretenen Infektionen für Schlagzeilen gesorgt haben, lehnt Frosta jedoch ab. Auf die Frage, wie es nach Ansicht der Geschäftsleitung zu dem Ausbruch unter der Belegschaft gekommen ist, gibt es die Antwort: „Wir unterstützen hier die Ermittlung der Infektionskette durch die Gesundheitsbehörde.“

Rhein-Pfalz-Kreis erreicht Warnstufe Gelb

„Dazu haben wir – Stand Freitag – keine Informationen“, sagt Manfred Gräf (CDU), Beigeordneter des Rhein-Pfalz-Kreises und derzeit Vertreter des Landrats. Er bittet um Verständnis, dass die Mitarbeiter des Gesundheitsamts zunächst einmal vorrangig mit Kontaktverfolgung und Quarantäneverfügungen beschäftigt sind. Gräf klingt erleichtert, denn zu den 45 infizierten Werksangehörigen sind einen Tag später keine neuen Fälle hinzugekommen, wie er sagt.

Vermutlich werde das Infektionsgeschehen im Werk Rheintal keine großen Auswirkungen auf die Fallstatistik des Rhein-Pfalz-Kreises haben, denn etliche der Betroffenen wohnten in anderen Kreisen und Städten. „Denen melden wir die Fälle, und deren Ordnungsämter veranlassen alles Weitere“, sagt Gräf. Am Freitag allerdings erreichte der Rhein-Pfalz-Kreis die Warnstufe Gelb nach dem Corona-Warn- und Aktionsplan des Landes: Das Gesundheitsministerium in Mainz meldete für das Kreisgebiet 15 Neuinfektionen und eine Sieben-Tages-Rate von 24.

Gräf: Frosta hat strenge Hygieneregeln

Nach dem, was die Gesundheitsbehörde in Zusammenarbeit mit der Frosta AG herausgefunden hat, steckt hinter der plötzlichen Häufung von Infektionen kein größeres Ereignis wie zum Beispiel eine Familienfeier. Der Kreisverwaltung zufolge ließ das Unternehmen Anfang der Woche die gesamte Belegschaft in Bobenheim-Roxheim testen, nachdem Einzelfälle von Infizierten bekannt geworden waren. Am Ende waren es 45 von 165 Beschäftigen, die ein positives Testergebnis hatten.

Die Hygieneregeln, die laut Gräf bei Frosta bereits an Corona angepasst waren, würden nun abermals verschärft. Der Beigeordnete nennt als Beispiele FFP2-Masken, Schließung der Duschen, Arbeiten in nur einer Schicht sowie eingeschränkter Kantinenbetrieb. „Am Montag muss sich jeder beim Betreten des Geländes einem Schnelltest unterziehen“, berichtet Gräf. „Und in der zweiten Wochenhälfte will Frosta noch einmal alle Mitarbeiter regulär testen.“ Sie alle würden außerdem zum gesundheitlichen Befinden befragt, um mögliche Covid-19-Symptome schnell aufzuspüren.

Das Unternehmen sei sehr kooperativ, sagt Gräf. Dass die strengen Hygieneauflagen dort keine Garantie seien, zeige, dass es für den weiteren Verlauf der Pandemie entscheidend auf das richtige Verhalten und die Eigenverantwortung der Bürger ankomme.

Frank Peter traurig über „Hotspot“

Unglücklich über den Corona-Ausbruch in der Firma ist auch die Gemeindeverwaltung. „Natürlich wünscht sich niemand so einen Hotspot im Ort“, sagt der Erste Beigeordnete Frank Peter (CDU). „Das ist der absolute Spitzenwert im Kreis.“ Da man momentan aber eher davon ausgehe, dass es sich bei dem Ausbruch um ein lokales Ereignis innerhalb des Betriebs handle, habe er die Hoffnung, dass in den nächsten Tagen keine weiteren positiven Tests in Zusammenhang mit Frosta bekannt werden. „Aber das muss man täglich neu bewerten“, sagt Peter, der betont, dass die Gemeindeverwaltung sowohl mit dem Werk als auch mit der Kreisverwaltung als zuständiger Infektionsschutzbehörde in engem Kontakt stünde.

Auswirkungen auf die Arbeit der Verwaltung hat der Fall Frosta vorerst wohl nicht. „Stand jetzt können wir alle Gremiumssitzungen in den nächsten beiden Wochen mit Präsenz, aber nach den gültigen Hygieneregeln abhalten“, informiert Peter. Am Montag steht eine Sitzung des Ältestenrats an, in der darauffolgenden Woche sollen sich die Mitglieder des Gemeinderats und des Umweltausschusses in der Jahnhalle treffen. Die drei Vollzugsbeamten, die bei der Gemeinde angestellt sind, werden in den Frosta-Fall wohl vorerst nicht eingebunden. Die Quarantäne verhängten die Mitarbeiter des Kreises, so Peter. Diese seien auch dafür zuständig zu kontrollieren, ob die Infizierten auch wirklich zu Hause bleiben.

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