Otterstadt / Waldsee RHEINPFALZ Plus Artikel Brennholz-Kunden können teilweise aufatmen

Vor einer aufgeforsteten Fläche im Angelwald: Förster Georg Spang.
Vor einer aufgeforsteten Fläche im Angelwald: Förster Georg Spang.

Im vergangenen Winter hat es in Otterstadt und Waldsee kein Brennholz gegeben. Hintergrund war ein Konflikt mit der Naturschutzbehörde. Nun gibt es einen Kompromiss.

Die Auwälder rund um Otterstadt und Waldsee sind nicht nur Erholungsorte, sondern auch nationale und europäische Schutzgebiete – sogenannte FFH- und Natura2000-Gebiete –, in denen der Lebensraum für Tiere und Pflanzen nicht verschlechtert werden darf. Seit ein paar Jahren sterben allerdings die für den Auwald typischen Ulmen und Eschen ab. Förster Georg Spang schätzt allein den Anteil an Eschen auf 38 Prozent. Die Bäume werden seit ein paar Jahren von einem Pilz befallen. Es ist ähnlich wie in Waldgebieten weiter rheinaufwärts davon auszugehen, dass es zu einem Komplettausfall der Baumart kommen wird – ein Aspekt des Klimawandels.

Damit der Auwald, der teilweise Eigentum der Gemeinden Otterstadt und Waldsee ist, nicht langfristig verschwindet, fällt der Förster rechtzeitig die kranken Bäume, um sie noch als hochwertiges Holz verkaufen zu können. Aus dem Holz werden Möbel gefertigt, der weniger hochwertig zu nutzende Teil wird zu Brennholz. Der Ertrag aus dem Verkauf fließt in die Wiederaufforstung und Pflege gemäß den Richtlinien für die Schutzgebiete. So die Strategie der Gemeinden, deren Eschen im Auwald laut Spang rund eine Million Euro wert sind. Vermögen, mit dem die Gemeinde laut Gesetz pfleglich umzugehen hat.

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Akzeptanz für Kompromisse

Die Strategie der Gemeinde Otterstadt und vor allem die Intensität des Kahlschlags wurde im vergangenen Jahr allerdings von Naturschützern – allen voran der Bürgerinitiative (BI) „Waldwende jetzt“ – massiv kritisiert. Das ging so weit, dass die BI „Verstöße gegen das Naturschutzrecht“ bei der Oberen Naturschutzbehörde und damit auch Förster Georg Spang angezeigt hat. Die Obere Naturschutzbehörde – die SGD Süd in Neustadt – sah allerdings keinen Umweltstraftaten. Sie machte jedoch „Optimierungsmöglichkeiten bei der Waldbewirtschaftung“ aus – etwa auf „eine flächige Entnahme der absterbenden Bäume zu verzichten und stattdessen einzelne Stämme zu entnehmen“.

Experten beratschlagen

Es folgten im Sommer mehrere Gespräche zwischen Förster Spang, der Gemeinde, der Forstverwaltung und der Oberen sowie der Unteren Naturschutzbehörde. Laut SGD war auch das rheinland-pfälzische Umweltministerium eingebunden, weil es um Grundsatzfragen der Waldbewirtschaftung geht. SGD-Sprecherin Nora Schweikert sagt auf RHEINPFALZ-Anfrage, dass das Ministerium ein Rundschreiben mit einer Checkliste erstellt habe. Unter anderem heißt es darin, dass sich fachlich nichts geändert oder verschärft hat. Der Förster soll nun eine „Erheblichkeitsabschätzung“ treffen und selbst entscheiden, ob die Fällung das Schutzgebietsziel gefährdet. Wäre dies der Fall, müsste er Rücksprache mit den Naturschutzbehörden halten. Somit habe sich in der Praxis nichts geändert, da die Entscheidung wieder beim Förster liege, sagt Spang. Er sieht sich dadurch in seiner bisherigen Vorgehensweise bestätigt.

Denn nachdem er die kranken Eschen gefällt hat, pflanzt er andere, Auwald-typische und damit den Gegebenheiten vor Ort – etwa Phasen der Überflutung bei Hochwasser – angepasste Bäume nach. Oberstes Schutzziel im Auwald sei immer, die auwaldtypischen Baumarten zu erhalten, vor allem die heimische Stieleiche, erklärt Spang. Daher werden bei der Aufforstung außer Wildbirne, Wildapfel, Schwarzpappel, verschiedene Nussarten, Feldahorn und Hainbuche auch vor allem Eichen gepflanzt. Ausnahme eine gerodete Fläche nahe dem Rhein: Dort hat der 56-Jährige vergangenes Jahr überwiegend Pappeln gesetzt und hochwassergeeignete Sträucher, weil die Fläche oftmals überflutet wird und das diese Pflanzen vertragen. Zudem weist der Förster darauf hin, dass innerhalb des Waldes noch viele Eschen stehen bleiben. „Vielleicht ergeben sich Resistenzen oder es finden sich Gegenspieler zu dem Pilz ein“, sagt Spang.

„Natur freien Lauf lassen“

Naturschützer fordern allerdings immer wieder, dass der Natur freien Lauf gelassen werden soll. Diesen Ansatz sieht Spang jedoch differenziert. Zum einen haben die beiden Gemeinden bereits zirka 20 Prozent ihrer Waldfläche aus ökologischen Gründen im Moment aus der Bewirtschaftung herausgenommen, überlassen sie also der Natur. Zudem weise das Land gerade einen Teil seines Waldes als Naturreservate aus. Dort könne beobachtet werden, wie sich der Auwald verändert, wenn er der Natur überlassen wird, sagt Spang. Er rechnet damit, dass langfristig Bäume durch Schlingpflanzen, Neophyten und den Bergahorn, der allerdings ebenfalls unter Pilzbefall leidet, zurückgedrängt werden. Denn diese nehmen Bäumen – zum Beispiel Eichen –, die langsamer wachsen, das Licht.

Zum anderen sieht Spang auch die Gefahren, die mit einem der Natur überlassenen Wald – direkt an der wichtigen Wasserstraße Rhein – einhergehen. Denn wenn das Hochwasser zurückgeht, das den Auwald überschwemmt, würden zahlreiche tote Bäume und Treibgut in den Rhein mitgerissen werden, was für die Schifffahrt ein Problem darstellt. Schon heute liegen im Angelwald am Rhein riesige Haufen mit Treibgut, die das Wasser- und Schifffahrtsamt aus dem Strom herausgeholt hat. Außerdem dient der Wald als Erholungsort, sodass der Eigentümer an Wegen zur Verkehrssicherung verpflichtet ist.

Brennholz-Nachfrage sehr hoch

Aufgrund des mit den Naturschutzbehörden gefundenen Einvernehmens will Förster Spang in diesem Herbst am geplanten Holzeinschlag festhalten und wieder Brennholz verkaufen. Dies erfolge in Abstimmung mit dem Eigentümer, der Gemeinde Otterstadt. Im Oktober soll mit den Fällungen der kranken Bäume begonnen werden. Spang will vermeiden, dass es zu großflächigen Auflichtungen kommt. An Stellen, an denen bereits alle Bäume abgestorben sind, sollen weitestgehend vorhandene Sträucher erhalten bleiben. Zwischendrin werden dann im Frühjahr hauptsächlich wieder Eichen gepflanzt.

Spang betont jedoch bereits, dass er die enorm hohe Nachfrage nach Brennholz nicht vollständig bedienen könne. Trotz des momentan erhöhten Einschlages und der hohen Brennholznachfrage werde die langfristige Nachhaltigkeit der Holznutzung nicht verletzt, sagt er. Zudem weist der 56-Jährige darauf hin, dass in diesem Jahr geschlagenes Holz nicht in diesem Winter verbrannt werden darf, sondern erst einmal zwei bis drei Jahre trocknen müsse – sonst gebe es aufgrund der freigesetzten Schadstoffe Probleme mit dem Schornsteinfeger und den Nachbarn. Gleichzeitig steigt die Gefahr für einen Kaminbrand.

Vor einem Jahr aufgeforstet: eine Fläche mit Pappeln nahe dem Rhein.
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