Birkenheide
Brandschaden: Zwei Birkenheider hoffen auf Hilfe ihrer Mitmenschen
Die Nacht auf den 23. Mai werden Willi Brunner und sein Nachbar, der nicht mit Namen in der Zeitung erscheinen möchte, so schnell nicht vergessen. „Wir sind kurz vor 4 Uhr aufgewacht“, erinnert sich der Nachbar. „Wir haben gehört, dass es so gegrieselt hat, als ob es regnet.“ Bei Brunner habe eine Nachbarin mitten in der Nacht an der Eingangstür geklingelt und wie wild dagegen getrommelt und ihn so geweckt.
Wenig später ist den beiden klar: In den beiden Gärten hinter den Häusern in der Feuerbergstraße in Birkenheide brennt es. Bei Brunners Nachbar steht das Gartenhaus in Flammen. Und da die beiden Grundstücke nahtlos aneinander angrenzen, wird auch Brunners Gelände in Mitleidenschaft gezogen. „Auch meine Frau ist wach geworden. Wir haben dann schnell die Feuerwehr gerufen“, erinnert sich der Nachbar. Er ist sich sicher, dass das Gartenhäuschen, in dem hauptsächlich Gartengeräten untergestellt waren, nicht von alleine in Flammen aufgegangen ist. „Irgendein Brandbeschleuniger wird es gewesen sein“, vermutet er. Und Willi Brunner vermutet, dass der Brand schon etwas länger am Lodern war. „So wie das schon gebrannt hat.“
Unbrauchbares Brennholz
Etwa anderthalb Stunden sei die Feuerwehr beschäftigt gewesen, berichten die beiden. Beim Besuch vor Ort wird das Ausmaß der Zerstörung durch die Flammen sichtbar. Die Gartengeräte, die in dem Häuschen standen, sind nicht mehr zu gebrauchen. Vom Rasenmäher ist nur noch das Metallgestänge übrig, mit dem die Maschine einst geschoben wurde. Auch der Spaten ist nur noch ein angekokeltes, rostiges Gerippe. Gartenmöbel, zum Teil aus Plastik, sind weg, geschmolzen. Das Brennholz, das im Garten gestapelt war, ist ebenfalls unbrauchbar. Nicht, weil es zum großen Teil schon Brandspuren aufweist. Aber das geschmolzene Plastik hat sich am Holz abgelagert. „Verbrennen kann man das im Kachelofen nicht mehr“, sagt der Nachbar. Er deutet auf ein paar Autoreifen, die er im Garten gelagert hatte. Auch sie sind weg. Besser gesagt: das Gummi. Die Felgen existieren noch. Aber sie sind reif für den Schrott. Der Holzzaun, der den Garten von der angrenzenden L526, die nach Erpolzheim führt, ist ebenfalls abgebrannt. Der Nachbar hat einen Bauzaun hingestellt samt grüner Plane. Das rot-weiße Polizeiabsperrband ist noch davor gespannt.
Bei Willi Brunner hat es auch einige Gartengeräte erwischt – ein Schlauch ist angekokelt in der hintersten Ecke zu erahnen. Vom Schubkarren hat das Feuer den Reifen angesengt. An den Bäumen hängen noch einige wenige angekohlte Äste. Den Großteil habe er schon entfernt, sagt Brunner. Rechts auf seinem Gartengelände steht noch ein Gartenhaus. Es ist eigentlich weiß. Doch die Hitze, die das Feuer auf dem Nachbargrundstück ausgestrahlt hat, hat hier die weißen Paneele weggeschmolzen. Das Häuschen steht aber noch. Zum Glück. „Da sind Gaskartuschen drin und die E-Bikes. Da hätte noch viel mehr passieren können, wenn die Flammen komplett auf das Häuschen übergegriffen hätten“, sagt Brunner.
Hoher Sachschaden
Auf 6000 Euro schätzen die beiden den Schaden. Pro Grundstück. Willi Brunner hat nach eigenem Bekunden noch versucht, mit einem weiteren Gartenschlauch, den Flammen Einhalt zu Gebieten. Doch irgendwann habe ihn die Feuerwehr aufgefordert, aufzuhören, weil sie auf der anderen Seite schon aktiv war.
In Bezug auf den Brand sprechen die beiden Männer von „Glück im Unglück“. Denn Personen sind bei dem Feuer nicht zu Schaden gekommen. Und auch die Haupthäuser in der Birkenheider Feuerbergstraße haben nichts abbekommen. Jetzt gehe es wieder einigermaßen, aber in den Nächten direkt nach dem Feuer habe er sehr schlecht geschlafen, bekennt der Nachbar. Willi Brunner spricht von einem „mulmigen Gefühl“, das er seitdem nachts bisweilen habe. Immer wieder mache er sich Gedanken. Was seinen Nachbarn vor allem beschäftigt, ist das Eindringen in die Privatsphäre, das er erlitten hat. „Man weiß ja noch nicht, wer es war“, sagt er. Und da hinter dem Haus die Landstraße vorbeiführt, sei es einfach, mal kurz aus einem Auto zu springen, etwas aufs Grundstück zu werfen und wieder abzudüsen.
Brandserie in Birkenheide
Warum jemand ausgerechnet sein Gartenhaus angesteckt hat, kann er sich nicht erklären, meint der Nachbar. Fest steht aber, dass der Brand in der Feuerbergstraße nicht der erste in den vergangenen Wochen in Birkenheide war. Im April sind zwei Männer dabei beobachtet worden, wie sie einen Hochsitz anstecken wollten.In der Nacht auf Pfingstmontag ist ein Wohnwagen in der Eyersheimer Straße ausgebrannt. Und wenig später ist ein Lkw in der Mannheimer Straße ein Opfer der Flammen geworden. Es war der bislang schwerste Brand der Serie mit einem von der Polizei geschätzten Sachschaden von rund 120.000 Euro. „Die Ermittlungen laufen“, sagt Ghislaine Wymar, Sprecherin des Polizeipräsidiums Rheinpfalz in Ludwigshafen. Sie bestätigt, dass die Ermittler im Fall des Brandes in der Feuerbergstraße von Brandstiftung ausgehen. Ob es einen Zusammenhang zu den anderen Feuern in den vergangenen Wochen gegeben hat? Auch das sei noch nicht klar und Gegenstand der Ermittlungen.
Wiederaufbau geplant
Das Häuschen im Garten werde wieder aufgebaut, versichert Willi Brunners Nachbar. Und auch Brunner selbst ist guten Mutes, dass sein Garten bald wieder vorzeigbar aussieht. Beim Nachbarn müsste der Gutachter der Versicherung noch vorbeischauen. Er habe jetzt ein paar Sicherheitsvorkehrungen getroffen, meint der Mann. Welche genau, das soll nicht verraten werden. Er gehe momentan aufmerksamer durchs Dorf, bestätigt er. „Es kann ja immer irgendwo was passieren.“
Fest steht aber für Willi Brunner und seinen Nachbarn, dass sie Gewissheit haben wollen. Gewissheit, wer es war, der den Garten in ein Trümmerfeld verwandelt hat. Gewissheit, ob sie gezielt Opfer eines Anschlags wurden oder ob einfach nur die Gelegenheit da war. Die beiden hoffen, dass sich doch noch Zeugen melden, die in der fraglichen Nacht etwas gesehen haben. Vielleicht können sie dann auch wieder besser schlafen.
Kontakt
Hinweise an die Kriminalpolizei Ludwigshafen, Telefon 0621 9632773, oder per E-Mail an kiludwigshafen.k1.kdd@polizei.rlp.de.