Rhein-Pfalz Kreis
Bobenheim-Roxheim: Leiter der Petrus-Pfarrei verabschiedet sich nach 15 Jahren
Am Donnerstag, dem katholischen Feiertag Mariä Himmelfahrt, muss sich die Pfarrei Heiliger Petrus von Andreas Rubel verabschieden. Er geht als Diözesanjugendseelsorger nach Speyer und wird künftig in Lampertheim wohnen. Im Gespräch mit der RHEINPFALZ blickt er auf 15 Jahre als Pfarrer in Bobenheim-Roxheim und auf seinen beruflichen Werdegang zurück.
So ist das mit Andreas Rubel: Man verabredet sich mit ihm zum Gespräch für gerade mal eine Stunde und schreibt in der ratzfatz vergehenden Zeit neun DIN-A-4-Seiten mit Notizen voll. Das liegt daran, dass Rubel sich für so vieles begeistern kann, und alles, was er erzählt, unglaublich interessant ist. Zum Beispiel, wie er überhaupt ins Priesteramt kam.
Der in Winnweiler (wie er sagt „normal katholisch“) aufgewachsene Andreas Rubel fühlte sich ziemlich früh zu dem Beruf hingezogen. „Ortspfarrer Manfred Specht war eine prägende Gestalt für mich“, sagt er. „Mit ihm habe ich als Jugendlicher ergiebige Gespräche über Theologie, Philosophie, Literatur geführt.“ Doch wie sollte das mit dem Priesterberuf für einen 18 Jahre alten Heizungsbauergesellen mit Hauptschulabschluss gehen? Es ging, und zwar mit dem Besuch des kirchlichen Clemens-Hofbauer-Kollegs in Bad Driburg, wo er von 1988 bis 1992 unter anderem Latein und Altgriechisch büffelte und sich mit dem Abitur die Eintrittskarte fürs Theologie- und Philosophiestudium in München holte.
In London lernte er bittere Armut kennen
„Im dritten Studienjahr hieß es: Raus aus dem Priesterseminar und sich selbst organisieren lernen“, erinnert sich Rubel. Er organisierte sich in Hackney, einem von Armut und Kriminalität geprägten Stadtteil von London. Eine für ihn wertvolle Erfahrung. „Von dort ging es zum Studienabschluss nach Mainz.“ Beim Stichwort Diplomarbeit leuchtet Rubels Blick vor Begeisterung über den Philosophen Friedrich Wilhelm Nietzsche, mit dessen Kritik am Christentum er sich auseinandersetzte.
Nach einer halbjährigen Pause in der Schweiz ging der Theologe Rubel mit großen Schritten auf sein Ziel zu: Pastoralkurs in St. Ingbert, 1999 Weihe zum Diakon, erste Dienstprüfung, Priesterweihe im Jahr 2000. Dankbar erinnert er sich an den Rückhalt in Familie und Freundeskreis. Niemand hätte es ihm verübelt, wenn er den Weg nicht zu Ende gegangen wäre. „Doch der Weg war für mich Sehnsucht, Wille, Wunsch“, so Rubel.
Als Kaplan in Oggersheim war er viel in der Jugendarbeit tätig, erzählt der 50-Jährige, dessen nächste Station Bexbach war, bevor ein Bobenheim-Roxheimer Priester dorthin wechselte und Rubel wiederum dessen Stelle übernahm. Wenn er heute an die vergangenen 15 Jahre in der Altrheingemeinde denkt, sagt er – wieder mit Begeisterung: „Das war eine ganz tolle Zeit, und ich kann sie mir nicht besser vorstellen, als sie war.“
Nun zieht Rubel in eine Priester-WG
Die fünf Jahre dauernde Renovierung der St.-Laurentius-Kirche, die Kindergarten-Weiterentwicklung, Fußwallfahrt und Wasserprozession, Religionsunterricht und Kinderchorgründung – dem Seelsorger hat fast alles viel Freude bereitet. Doch manches ist auch schwer für ihn. Allein zu leben beispielsweise, weshalb er an seinem neuen Wohnort Lampertheim eine „vita communis“, eine klerikale Wohngemeinschaft wagt, indem er zum Ortspfarrer, den er aus Studienzeiten kennt, ins Pfarrhaus zieht.
„Ganz schwierig war in den letzten vier Jahren die Verwaltung der Pfarrei“, berichtet Andreas Rubel. „Da bin ich an meine Grenzen gestoßen, das war nicht mehr verhältnismäßig.“ Dazu muss man wissen, dass 2015 die Gemeindestrukturen im Bistum Speyer verändert wurden, sodass der Bobenheim-Roxheimer Pfarrer für wesentlich mehr Kirchengemeinden zuständig ist als zuvor. „Bei der Verwaltung muss man unbedingt vor Ort Entlastung schaffen“, sagt Rubel mit Blick auf seinen Nachfolger, der unter Umständen lange auf sich warten lassen wird.
Mit Freude will Andreas Rubel seine neue Stelle im Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) angehen, für die er im Juni gewählt wurde. Er wundert sich noch immer, dass man ihn dafür auf dem Schirm hatte und vermutet als Grund, dass er lange Bezirkskurat des Pfadfinderstamms St. Georg war. Große Aktionen wie „72 Stunden“ oder den Weltjugendtag auf Diözesanebene zu organisieren, wird unter anderem seine Aufgabe sein.
Rubel ist für Frauen in Weiheämtern
Dass sie einen erzkonservativen Chef bekommen, der die Zeichen der Zeit nicht erkennt, das müssen die Mitglieder der sieben Jugendverbände im Bistum nicht befürchten. Andreas Rubel will den BDKJ darin unterstützen, den Zugang von Frauen zu Weiheämtern zu fordern sowie die Anerkennung der Tatsache, dass es in einer Gesellschaft verschiedene sexuelle Identitäten geben kann. „Niemand soll sich ausgeschlossen fühlen.“ Diesen Satz sagt Rubel im Gespräch immer wieder, wenn es um Glaubenssätze und Kirchengesetze geht, die Menschen verletzen. Dazu gehört der Umgang der katholischen Kirche mit wiederverheirateten Geschiedenen.
Was die Ächtung von Homosexualität betrifft, hält Rubel es „für unverantwortlich“, aus der Bibel abgeleitete moraltheologische Aussagen in den heutigen Kontext zu übertragen. „Gott hat den Menschen geschaffen und für gut befunden. Dann hat er auch die Sexualität und ihre verschiedenen Formen geschaffen.“ Seine Überzeugung: „Kirche muss da sein, wo Menschen Leid zugefügt wird, und sie muss Menschen Raum geben, die abseits stehen, aus welchen Gründen auch immer.“
Die Sehnsucht der Gläubigen „nach einer Gesellschaft, in der Menschen wegen eines Fehlers nicht gleich verurteilt werden“, liest der 50-Jährige aus den Ergebnissen der groß angelegten Umfrage in der Pfarrei heraus. Er findet: „Menschen, die so denken, könnten das ruhig öfter zum Ausdruck bringen.“ Vielleicht würden dann nicht mehr so viele rechte Parolen verharmlost.
Termin
Gottesdienst zur Verabschiedung von Andreas Rubel am Donnerstag, 15. August, 18.30 Uhr, katholische Kirche St. Maria Magdalena, Rheinstraße, Bobenheim-Roxheim.