Rhein-Pfalz-Kreis / Dudenhofen RHEINPFALZ Plus Artikel Bitte blütenweiß von Kopf bis Fuß: Was sich auf einem Spargelhof im Laufe der Zeiten geändert hat

Die Folien werden schon im Herbst über die Spargeldämme gezogen.
Die Folien werden schon im Herbst über die Spargeldämme gezogen.

Spargel gilt als das Königsgemüse, Hotspot in der Pfalz ist Dudenhofen. Der Spargelhof von Thomas Beck wird in dritter Generation betrieben.

Der Spargelhof Beck in Dudenhofen ist ein alteingesessener, über 100 Jahre alter Familienbetrieb. Nicht nur Thomas Beck, Ehefrau Justyna, die Kinder Jasmin und Julian sowie Vater Winfried Beck helfen mit. Am Wochenende packen auch seine Schwester Miriam, ihr Mann und sogar Tante und Cousin mit an. Zudem sind rund 35 Helfer in der Saison im Betrieb angestellt.

Schon Thomas Becks Großeltern waren Spargelbauern. „Solange ich denken kann, ist der Spargel Teil meines Lebens“, erzählt er. Viele Geschichten können er und sein Vater erzählen, doch eine ist besonders schön. Seine Großmutter hat 1906 einst ihren Ehering beim Spargelstechen verloren. „1986 hat meine Frau ihn auf dem Feld beim Stechen wiedergefunden“, erinnert sich Winfried Beck. Da war die Freude groß.

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Früher habe es mehr Spargelbauern in der Region gegeben, zudem haben viele das „Weiße Gold“ zum Nebenerwerb angebaut. „Davon haben einige hier ihre Häuser mit abbezahlt“, weiß Thomas Beck. Er hat den Betrieb 2011 von seinem Vater übernommen. Noch bis heute ist der 80-Jährige die gute Seele im Betrieb und eine große Hilfe, sagt sein Sohn stolz. Seinen Beruf hat Thomas Beck in einem Betrieb in Neustadt-Geinsheim gelernt. „Ich wollte fremde Luft schnuppern“, erzählt er. In seinen Gesellenjahren hat er dann seine Frau kennengelernt. Die war beeindruckt von seinen Polnisch-Kenntnissen. Kein Wunder, schon als kleiner Bub sei er von den polnischen Erntehelfern herumgetragen worden, berichtet sein Vater.

Wie mit dem Lineal gezogen

100 Hektar bewirtschaftet die Familie Beck aktuell, die Hauptkultur ist das Königsgemüse. Es werden aber auch Blumenkohl, Feldsalat, Karotten, Rhabarber, Roggen, Weizen und Gerste angebaut. „Wir haben also das ganze Jahr über Saison!“ Im Beck’schen Betrieb beginnt der Spargelanbau im März/April, also parallel zur Erntezeit. Dann werden die sogenannten Rhizomen, etwa 30 Zentimeter lange Pflanzen, die aussehen wie Wurzelgeflechte, auf die Spargeläcker ausgepflanzt. Und das maschinell. Ein Pflanzrad setzt etwa alle 25 Zentimeter eine solche Kronenpflanze in den Pflanzgraben. Die Gräben werden im Folgejahr zu den allseits bekannten Hügeln aufgeschüttet. „Korrekt heißen diese Spargeldämme“, erläutert Thomas Beck. Dank der GPS-gesteuerten Spargeldamm-Fräse sehen seine Spargeldämme aus, als hätte er sie mit dem Lineal gezogen.

Schon im Herbst werden die Folien über die Spargeldämme gezogen, damit es das Gemüse schön warm hat. Zunächst eine Doppelfolie, sobald die Temperaturen steigen, nur noch eine einfache Folie. Das erste Mal geerntet wird im zweiten oder auch erst im dritten Jahr nach der Pflanzung. Spargel ist mehrjährig, bis zu acht Jahre lang wachsen aus den Rhizomen die leckeren Spargelstangen. Geerntet wird jährlich von März bis zum Johannistag am 24. Juni. Danach müssen die Pflanzen ruhen und Kraft schöpfen. Flächen, die schon im März, also sehr früh geerntet werden, pausieren schon vor dem 24. Juni. Sobald die Pflanze dann aus dem Boden schießt, denn das Spargelgemüse ist der Spross, „muss sie gut gehegt und gepflegt werden, auch mit Pflanzenschutzmitteln“, verrät der Landwirt. Bis Oktober steht die Pflanze auf dem Feld, stirbt witterungsbedingt von selbst ab und wird abgehechselt. Dann beginnt die Ernte wieder im März.

Noch wird selbst gestochen

Vieles könne im Spargelbetrieb automatisiert erledigt werden, aber nicht alles: Das Spargelstechen ist weiterhin Handarbeit. Noch! „Denn schon jetzt gibt es solche Vollernter“, weiß der Landwirt. Doch im Moment seien diese noch nicht komplett ausgereift und zudem sehr teuer. Auf den Beck’schen Äckern wachsen frühe und späte Sorten, grüner und weißer Spargel. Der weiße wächst unterirdisch, der grüne bekommt oberirdisch die Sonnenstrahlen ab. Bis zur Ernte kann kaum etwas den Spargel schädigen. Selten komme es vor, dass der Drahtwurm ihn „anbohrt“. „Dem Spargel macht das nichts, aber er könnte dann bitter schmecken“, erklärt der Landwirt.

Schönes warmes Wetter mag der Spargel, aber bitte nicht zu heiß. Denn dann leiden die Spitzen. Die Frühjahreswitterung in der Pfalz sei am besten. Im Idealfall sollte es ab und zu regnen, sonst muss beregnet werden. Dieses Jahr sei ein gutes Jahr: „Die Qualität ist super, die Stangen sind dick und durchweg zart“, schwärmt Thomas Beck. In der Saison erntet er im Betrieb pro Tag schon mal bis zu 2000 Kilo Spargel. Die Nachfrage bei den Kunden habe in den vergangenen Jahren etwas nachgelassen. „Bis Corona liefen die Geschäfte super“, erzählt er. Mit der Pandemie, gefolgt vom Ukrainekrieg und der Teuerungsrate, seien die Kunden etwas zurückhaltend beim Spargelkauf geworden. Deutschlandweit könne der Spargel aber über den Pfalzmarkt gut verkauft werden, denn die Anbaufläche gehe tendenziell zurück. „Nicht aber in der Pfalz“, erklärt Björn Wojtaszewski, Sprecher des Pfalzmarkts. Und: Das größte Spargelanbaugebiet liege nicht in der Pfalz, sondern in Niedersachsen. Doch die Pfälzer ernten am frühesten, vor allem die Dudenhofer Landwirte.

Je hübscher, desto teurer

Sobald der Spargel vom Feld kommt, muss er ins vier Grad kalte Wasser. Er darf nicht erröten, so schmeichelhaft das ist. Das Gemüse würde dann nicht mehr als Klasse-1-Spargel verkauft werden können. „Obwohl das geschmacklich wirklich keinen Unterschied machen würde“, sagt Thomas Beck. Die Einordnung in die Handelsklassen eins bis zwei ist hauptsächlich eine Frage der Optik: Dicke, Länge und Farbe sowie Aussehen der Spitzen seien dabei die Kriterien. Der Senior erklärt es mit einem Schmunzeln: „Ein schönes Mädel ist meist auch teurer als eines, das nicht so perfekt aussieht.“ Bei den Kunden ist Klasse zwei die beliebteste. „Und auf dem Teller ist der krumme Spargel auch wieder gerade“, sagt Winfried Beck. Der Kilopreis schwanke je nach Klasse von 18 Euro bis neun Euro. Mit ansteigender Erntemenge sinke der Preis.

Der Lebensmitteleinzelhandel möchte die Stangen von der Spitze an blütenweiß. Sortiert wird maschinell, dazu wird jede Stange mit einer Kamera gescannt und automatisch in die jeweiligen Boxen katapultiert. Die Endkontrolle übernehmen aber immer noch die Erntehelfer. Das Gros seiner Ernte verkauft Thomas Beck über die Pfalzmarkt-Genossenschaft. Der Hofladen sei dennoch wichtig: „Hier hat man den direkten Kontakt zu den Kunden“, sagt er. In der Hochphase stehen Justyna Beck und ihre Mitarbeiter von Montag bis Sonntag und auch feiertags im Hofladen, von 9 bis 19 Uhr.

Keine Rente in Sicht

„Der Verkaufsklassiker ist der weiße Spargel, der grüne wird nur in kleinen Mengen gekauft. Dabei sind beide sehr lecker“, sagt Thomas Beck, er selbst sei sein bester Kunde. Alle Variationen kommen bei Familie Beck auf den Tisch. Der grüne Spargel eigne sich sehr gut zum Grillen.

„Doch am besten schmeckt der Spargelsalat meiner Tochter“, schwärmt Vater Winfried Beck (siehe Rezept). Der 80-Jährige liebt seinen Hof und möchte auf keinen Fall in Rente gehen. Die Arbeit halte ihn fit. „Der Betrieb ist einfach unser Leben“, sagt Thomas Beck. Und nur im Familienverbund könne man auch das Arbeitspensum stemmen. Landwirt sei man eben von morgens bis spät abends.

Die Serie

Die Pfalz hat viel zu bieten, und das meiste dreht sich um Genuss. Etwa unser Gemüse. Unsere Serie „Allerlei Arten aus dem Gemüsegarten“ soll eine kleine Hommage an all die Sorten sein, die hier dank der Landwirtschaft je nach Saison erntefrisch auf unseren Tellern landen.

Der weiße Spargel ist der Verkaufsklassiker im Betrieb von Thomas Beck.
Der weiße Spargel ist der Verkaufsklassiker im Betrieb von Thomas Beck.
Die Jungpflanze des Spargels heißt Rhizome.
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Bis zu 35 Saisonarbeiter helfen in der Hochphase im Betrieb mit.
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Grüner Spargel wird im Frühjahr unter einem Folientunnel aufgezogen.
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Thomas Beck zeigt seine Spargel-Sortiermaschine.
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Die Endkontrolle übernehmen die Erntehelfer.
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Grüner Spargel wird bei Familie Beck nur in marginalen Mengen angebaut.
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Diesen Ehering hat Thomas Becks Großmutter 1906 beim Spargelstechen verloren, 1986 wurde dieser auf dem heimischen Acker wiederg
Diesen Ehering hat Thomas Becks Großmutter 1906 beim Spargelstechen verloren, 1986 wurde dieser auf dem heimischen Acker wiedergefunden.
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