Neuhofen
Bildung durch Kunst: Neuhofen setzt bundesweit Maßstäbe
„Ich halte das für ein echtes Vorzeigeprojekt in Deutschland“, sagt Hartmut Metzger, Programmleiter Vorderpfalz des MUS-E-Projekts. Dass Neuhofen im vergangenen Jahr mit sieben Gruppen gleichzeitig gestartet ist – vier Grundschulklassen und jeweils drei Vorschulgruppen in den kommunalen Kitas – sei ein Novum, das seinesgleichen suche. Während in ganz Deutschland bislang nur eine einzige Berliner Kita am MUS-E-Projekt teilnehme, gehe Neuhofen mit seiner breiten Beteiligung neue Wege. Seit einem Jahr läuft das Projekt vor Ort, am Mittwoch wurden die offiziellen Auszeichnungen vorgenommen. „Die Resonanz ist durchweg positiv“, freut sich Bürgermeister Ralf Marohn (FDP).
Ermöglicht wird das künstlerisch-soziale Bildungsprojekt in Neuhofen durch großzügige Spenden von Firmen und Privatpersonen – und auch die Gemeinde spielt eine tragende Rolle. „Für das Jahr 2025 belaufen sich die jährlichen Gesamtkosten für das MUS-E-Projekt auf 28.000 Euro“, berichtet Bürgermeister Ralf Marohn, die Gemeinde finanziere davon fast die Hälfte.
Adrian Millutat, stellvertretender Leiter der Rehbachschule, beschreibt die Begeisterung der Kinder: „Man merkt an ihren Augen, wie viel ihnen das bedeutet. Sobald MUS-E auf dem Programm steht, freuen sich die Kinder riesig.“ In jeweils einer Doppelstunde pro Woche setzen freischaffende Künstler aus den Bereichen Musik, Bildende Kunst, Theater oder Tanz mit den Kindern kreative Projekte um. Gestartet sei man vor einem Jahr mit zwei Klassen aus der zweiten Jahrgangsstufe, ein weiteres Jahr MUS-E stehe jetzt für sie auf dem Programm.
„Selbstbewusstsein gewonnen“
„Anfangs benötigt es zwar etwas Zeit, um Vertrauen aufzubauen, doch danach sind die Kinder mit ganz viel Herzblut bei der Sache“, berichtet Künstlerin Sabine Amelung, die bereits an der Rudolf-Wihr-Realschule plus in Limburgerhof Erfahrungen bei der Umsetzung des MUS-E-Projekts gesammelt hat.
Auch in den Vorschulgruppen der Kitas zeigt das Projekt große Wirkung. „Die Kinder sind über sich hinausgewachsen und haben enorm an Selbstbewusstsein gewonnen“, berichtet Viola Bertram von der Villa Kunterbunt. Im ersten Halbjahr haben Tanz und Hip-Hop auf dem Programm gestanden, im zweiten Halbjahr Kunst. „Es ist beeindruckend, wie stolz die Kinder auf ihre eigenen Werke sind und diese auch präsentieren.“ In der Kita Im Pavillon sei ein Abschiedssong der Vorschulkinder im Zuge des MUS-E-Projekts entstanden und zum emotionalen Höhepunkt geworden, berichtet Leiterin Iris Schäfer. Auch in den Kindertagesstätten arbeitet jeweils ein Kunstschaffender wöchentlich einmal mit den Vorschulgruppen.
Projekt soll fortgeführt werden
„Es ist wirklich außergewöhnlich, was hier entstanden ist“, resümiert Ralf Marohn. Dass man versuchen werde, auch nach der Pilotphase von zwei Jahren an MUS-E festzuhalten, stehe für ihn schon jetzt fest. „Natürlich müssen wir uns dafür ins Zeug legen, immer wieder Spenden einwerben und auch als Gemeinde das Geld in Zeiten knapper Kassen bereitstellen“, sagt der Ortsbürgermeister. Die vielen strahlenden Kinderaugen, von denen er durchweg berichtet bekomme, seien jedoch ein großer Ansporn.
Initiiert worden ist das Bildungsprogramm MUS-E im Jahr 1993 von einem der bedeutendsten Geigenvirtuosen des 20. Jahrhunderts: Yehudi Menuhin. „In mittlerweile zehn europäischen Ländern sowie in Brasilien und in Israel ist MUS-E ein wesentlicher Bestandteil der Persönlichkeitsentwicklung für mehr als eine Million Kinder“, berichtet Hartmut Metzger.