Limburgerhof RHEINPFALZ Plus Artikel Kreative Projekte ohne Noten: Realschule plus setzt auf MUS-E

Landrat Clemens Körner (CDU) überzeugte sich persönlich vom Erfolg des Projekts MUS-E an der Realschule plus in Limburgerhof. De
Landrat Clemens Körner (CDU) überzeugte sich persönlich vom Erfolg des Projekts MUS-E an der Realschule plus in Limburgerhof. Der Kreis finanziert es gemeinsam mit der Stiftung der Sparkasse Vorderpfalz.

Das MUS-E-Bildungsprogramm verändert den Unterricht an der Rudolf-Wihr-Schule. Wie Kinder und Lehrer davon profitieren, lesen Sie hier.

Unterricht ohne Benotung: Für zwei fünfte Klassen der Rudolf-Wihr-Realschule plus in Limburgerhof ist das seit Februar Realität. In jeweils einer Doppelstunde pro Woche setzen freischaffende Künstler aus den Bereichen Musik, Bildende Kunst, Theater oder Tanz mit den Kindern kreative Projekte um. MUS-E lautet der Name jenes künstlerisch-sozialen Bildungsprogramms, das dies ermöglicht. „In einer der beiden Klassen setzen wir das Programm derzeit im Fach Musik um, dort ist der Percussionist Ricardo Espinosa im Einsatz, in der anderen Klasse leitet die Bildende Künstlerin Sabine Amelung die Kinder im Fach Kunst an“, erzählt Schulleiter Mario Geil. Letztens sei so zum Beispiel eine große gemeinsame Skulptur entstanden.

„Es ist ein großer Mehrwert, den Kindern ohne Druck den Zugang zu Kunst und Musik zu ermöglichen“, sagt Hartmut Metzger, Programmleiter Vorderpfalz des MUS-E-Projekts. Die Tatsache, dass Schülerinnen und Schüler sich im notenfreien Bereich interessieren und einbringen können, führe dazu, dass die Kinder anders agierten als während des regulären Unterrichts. „Auch die beteiligten Klassenlehrer sind Feuer und Flamme“, berichtet Mario Geil. „Wir werden das Projekt auf jeden Fall fortführen und im kommenden Schuljahr bereits zu Beginn in der fünften Jahrgangsstufe umsetzen.“

Jetzt auch mit offiziellem Schild: Das MUS-E Projekt läuft das erste Mal überhaupt an einer Realschule plus. Von links: Hartmut
Jetzt auch mit offiziellem Schild: Das MUS-E Projekt läuft das erste Mal überhaupt an einer Realschule plus. Von links: Hartmut Metzger (MUS-E Programmleitung Vorderpfalz), Schulleiter Mario Geil und Landrat Clemens Körner (CDU).

Im Vorfeld seien alle Beteiligten zwar noch unsicher gewesen, wie das Projekt angenommen wird. „An den kooperativen Realschulen plus gibt es nach der sechsten Klasse ja eine Schullaufbahnempfehlung in Richtung Berufsreife oder Mittlerer Reife“, erklärt Mario Geil. „Und in dem Halbjahr, in dem im Fach Kunst oder Musik das MUS-E-Projekt läuft, gibt es keine Noten, mit denen man zum Beispiel ein schlechteres Hauptfach ausgleichen könnte.“ Sämtliche Sorgen seien jedoch unbegründet gewesen. Daran, dass die beiden Fächer in den jeweiligen Klassen basierend auf nur einem Halbjahr benotet würden, gebe es keine Kritik. Ab kommendem Schuljahr soll das MUS-E-Projekt deshalb auf eine Laufzeit von zwei Jahren angelegt werden: „Zwei Klassen werden dann in der fünften und sechsten Jahrgangsstufe jeweils ein Halbjahr im Fach Kunst oder Musik mit wechselnden freischaffenden Künstlern arbeiten – und dies ohne Benotung.“

Stärkung des Selbstwertgefühls

Die Rudolf-Wihr-Schule sei die erste Realschule plus überhaupt, an der das Bildungsprogramm MUS-E laufe, berichtet Programmleiter Hartmut Metzger. „Bisher setzen wir es in Deutschland an rund 50 Grundschulen und Kitas um.“ Doch auch Metzger ist begeistert vom Mehrwert, den das Programm für ältere Kinder bietet.

Zwar könne man einwenden, dass die Rudolf-Wihr-Schule bereits einen musikalischen Schwerpunkt inklusive Bläserklasse hat – dass also eine andere Schule möglicherweise stärker von einem zusätzlichen Förderprojekt profitieren könnte. Doch Metzger sagt: „Wir gehen ganz bewusst den Weg, das MUS-E-Projekt nicht nur an Schulen in herausfordernder Lage umzusetzen.“ Gerade Kinder aus bildungsfernen Haushalten nähmen üblicherweise nämlich nicht an Theater-AGs oder Bläserklassen teil – weil sie diesen Weg von zu Hause aus schlichtweg nicht geebnet bekämen. „MUS-E läuft als Bildungsprojekt hingegen in der ganzen Klasse. Das heißt, alle Kinder können unabhängig von ihren bestehenden Voraussetzungen in einem wertungsfreien Erlebnisraum die Bereiche Musik und Kunst erfühlen und ertasten.“ Dies führe zu einer Stärkung des Selbstwertgefühls und erziehe auch zu Vielfalt und Toleranz.

Spendenbasiertes Projekt

Geht es nach Hartmut Metzger, dann würde MUS-E in Deutschland sehr viel großflächiger umgesetzt als bisher. „Es gibt viele Schulen, die gerne teilnehmen würden“, sagt er. „Doch leider hapert es am Geld.“ Zurzeit sei das Bildungsprogramm komplett spendenfinanziert. Im Fall der Rudolf-Wihr-Realschule plus übernähmen die Stiftung der Sparkasse Vorderpfalz und die Kreisverwaltung jeweils hälftig die Kosten. Mit rund 5000 Euro pro Klasse und pro Schuljahr sei dabei zu rechnen.

Initiiert worden ist das Bildungsprogramm MUS-E im Jahr 1993 von einem der bedeutendsten Geigenvirtuosen des 20. Jahrhunderts: Yehudi Menuhin. „In mittlerweile zehn europäischen Ländern sowie in Brasilien und in Israel ist MUS-E ein wesentlicher Bestandteil der Persönlichkeitsentwicklung für mehr als eine Million Kinder“, berichtet Hartmut Metzger.

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