Mutterstadt / Neuhofen
Backstage im Palatinum: Eine Darstellerin berichtet
Kurz nach 19 Uhr beginnt die Musik. Wie auf Knopfdruck herrscht hinter der Bühne eine ganz besondere Stimmung. Angespannte Gesichter bei den Graders, den Sechs- bis Neunjährigen, die im Gang auf ihren Einsatz warten. Manche lächeln nervös, andere schließen die Augen. Jetzt wird es ernst. „It´s time to start the show“ tönt es aus den Lautsprechern, während die erste Gruppe ihre Eröffnungschoreo tanzt.
Für die Zuschauer im Saal des Palatinums geht es tatsächlich jetzt los. Für uns – die insgesamt 72 Darstellerinnen und Darsteller – ist es an diesem Tag bereits der zweite Durchlauf. Denn auch wenn die Generalprobe bereits am Vorabend stattgefunden hat, wurde bis zuletzt an den Auftritten und Abläufen gefeilt. Für Dany Lahdo, Trainerin, Choreografin, Tänzerin und Autorin des Stücks, ist ihr mittlerweile sechstes Hip-Hop-Musical eine Herzensangelegenheit. Und da sollte alles stimmen.
Wem passt das Kostüm?
Zum ersten Mal wurde „Time Machine“ im September in Neuhofen aufgeführt, wo Dany Lahdo seit acht Jahren ihr Dany Dance Center (DDC) betreibt. Eigentlich hatten alle Beteiligten das Stück, in dem Henry und sein Vater Cooper mit einer Zeitmaschine durch die Musikgeschichte reisen, danach als wundervolle Erinnerung abgehakt, bis das Kulturbüro des Rhein-Pfalz-Kreises beschloss, die Show in Mutterstadt erneut auf die Bühne zu bringen. Es folgten etliche Extraproben. Und vor allem jede Menge Arbeit für Coach Lahdo, die wegen der veränderten Zusammensetzung Aufstellungen anpassen und Rollen neu besetzen musste. Sogar zwei Tage vor dem großen Auftritt rissen Krankheitsfälle noch einmal Lücken, die eilig geschlossen werden mussten. Es galt zu entscheiden: Wem passt das Kostüm? Wer kann so schnell noch eine weitere Choreografie lernen?
Schon dabei zeigte sich, dass das erklärte Motto im DDC – „One love, one family“ – mehr ist als nur eine Phrase. Denn wann immer einzelne nicht weiter wussten, fanden sich andere, die geduldig die Schritte mit ihnen durchgingen. Dennoch hatte Dany Lahdo nach der Generalprobe noch ihre Zweifel, ob am nächsten Tag wirklich alles klappen würde. Den Durchlauf am Samstagnachmittag sollten alle ausdrücklich nicht mit voller Power tanzen, um die Kräfte für den Abend zu schonen. Abgesehen davon unterschied sich diese letzte Probe jedoch nicht von der finalen Show. Lampenfieber inklusive.
Matthias Lutze, Darsteller des Erfinders Cooper, geht noch einmal seine Spickzettel durch. „Es wäre der größte Horror, irgendwo hängenzubleiben“, meint er. Als Schauspieler ist „Time Machine“ seine absolute Premiere. Und er hatte ursprünglich gedacht, es solle eine reine Sprechrolle sein. „Heimlich, still und leise kam Tanz für Tanz dazu“, berichtet der 59-Jährige lachend. Aber ebenso wuchs seine Begeisterung. „Ich bin stolz, ein Teil von dieser Truppe zu sein“, bekräftigt er.
Auch die neunjährige Amélie fühlt sich in der Hip-Hop-Familie richtig wohl. Für sie war es das erste Musical, und obwohl sie die Choreografien sicher im Kopf hatte, war sie aufgeregt. „Am Anfang, wenn der ganze Saal voll ist, ist es schon eine Zehn von Zehn“, schätzt sie. Ähnlich ergeht es der 13-jährigen Leonie, die bei den Juniors – der Gruppe von zehn bis 13 Jahren – sowie bei den Freestylern tanzt. „Ich hab zu Hause jeden Tag ein bis zwei Stunden geübt“, verrät sie. Ihre Motivation sei der Spaß am Hip-Hop und das Gemeinschaftsgefühl. „Dass ich zusammen mit den ganzen Gruppen tanzen darf, ist einfach toll.“
Wie sehr die Gruppen von den Minis bis zur Ü30-Formation gerade durch die Gesamtproben zusammengewachsen sind, ist hinter den Kulissen zu spüren. Zwischen den Künstlergarderoben gibt es ein ständiges Hin- und Herlaufen, viel Gelächter und Umarmungen. „Auch wenn ich nur im Freestyle bin, bin ich gut mit den anderen befreundet“, meint auch Maja. Die 14-Jährige findet Choreografien gut, um sich neue Moves abzuschauen. Aber am liebsten tanzt sie ihren eigenen Stil. „Ich finde, dass ich bei Freestyle einfach ich selbst sein kann“, erklärt sie.
Während die DDC-Tänzer normalerweise nur verschiedene Streetdance-Styles tanzen, müssen viele sich für „Time Machine“ auch mit Stilen wie Charleston, Rock'n'Roll oder Jazz auseinandersetzen. Vor allem für die Haupttänzer ein enormes Pensum. Die 20-jährige Saskia ist eine von ihnen, und sie kann selbst am Aufführungstag nicht genau sagen, an wie vielen Choreografien sie beteiligt war. „Es ist schon stressig, aber es macht ja Spaß“, sagt sie. Und wie zum Beweis hat sie selbst bei den kürzesten Kostümwechseln und einem Sprint zurück auf die Bühne fast immer ein Lächeln auf den Lippen.
Schließlich ist es 21.30 Uhr. Die Show endet passend zu unserem Gefühl zum Song „Time of My Life“ inklusive Hebefigur. Endlich sehen wir die rund 400 Zuschauer im Licht und freuen uns, dass sie begeistert klatschen. Das Mikrofon gehört jetzt Dany Lahdo, die sich bei Helfern, Technik und uns Darstellern bedankt. Und noch einmal die Worte sagt, die einfach für das DDC stehen: „One love, one family!“