Interview
Bürgermeister Michael Reith: „Kann mir dritte Amtszeit vorstellen“
Herr Reith, die Ferien sind vorbei. Auch das politische Geschäft geht wieder los. Kommen Sie erholt aus dem Sommer?
Ich hatte in der letzten Ferienwoche Urlaub, der Erholungseffekt war gut. Vor allem die erste Woche nach der Sommerpause ist immer mit Terminen durchgetaktet, deswegen hat der Kurzurlaub gut getan.
Sie treten öffentlich gern sportlich auf, etwa bei der Fahrradtour nach Frankreich oder der Werbung für einen Lauf der Landfrauen. Ist das Ihr Rezept, um bei dem Stress, den man als Bürgermeister der Verbandsgemeinde (VG) Lambsheim-Heßheim hat, fit zu bleiben?
Ich war schon immer sportlich, betreibe inzwischen aber Laufsport sehr intensiv. Im Frühjahr habe ich am Bienwald-Marathon in Kandel teilgenommen und trainiere aktuell für den Frankfurt Marathon im Oktober. Das brauche ich in der Tat als Ausgleich. Das tut mir gut, wenn ich abends heimkomme, und beim Laufen eine Stunde abschalten kann.
Da träumen Sie doch sicher von einem bestimmten Lauf, den Sie unbedingt mal machen wollen?
(lacht) Das ist wahr. Der Traum ist, einmal den Marathon in New York zu laufen.
Sie sind elf Jahre im Amt, fünf Jahre haben Sie noch vor sich. Fühlt sich das manchmal auch wie ein Marathon an?
Das kann man schon vergleichen. Oft lassen sich die Dinge nicht sofort umsetzen, bei denen es aber wichtig ist, dass man das Ziel erreicht. Es gibt auch Themen, bei denen eine Aufholjagd nötig ist. Wie etwa bei den Jahresabschlüssen der VG.
Wo Sie die Aufarbeitung der vielen fehlenden Jahresabschlüsse selbst ansprechen. Wann erreichen Sie da die Ziellinie?
Die Abschlüsse 2016 werden noch komplett in die gemeindlichen Gremien gehen. Die Abschlüsse 2017 können, außer bei der Ortsgemeinde Lambsheim und der VG, noch beim Wirtschaftsprüfer bis zum Dezember durchgeprüft werden. Zudem werden wir bereits in diesem Jahr die Vorbereitungen für einzelne Abschlüsse 2018 treffen. Um das zu schaffen, sind wir dabei den Bereich Finanzen neu zu strukturieren und konnten hier zwei neue Mitarbeiterinnen gewinnen.
Am Freitag laden Sie zum jährlichen Bürgerempfang ein. Gibt es Neuerungen im Programm oder läuft es ab wie gewohnt?
In der Corona-Zeit konnte der Bürgerempfang nicht stattfinden, weshalb wir kleinere Veranstaltungen eingeführt haben, die Bürgermeister-vor-Ort-Veranstaltungen in den Ortsgemeinden. Die Leute haben das genossen. Seit 2023 machen wir beides: den Empfang und die Bürgerdialoge. Für die große Veranstaltung suchen wir uns immer einen Themenschwerpunkt heraus, etwa in Form einer besonderen Ehrung.
Geehrt werden in diesem Jahr die beiden Karnevalsvereine in der VG. Was war ausschlaggebend dafür, sie jetzt zu würdigen?
Beide Karnevalsvereine haben die Corona-Zeit hervorragend überstanden. Wir hatten bis dahin ja einen dritten Verein, der das leider nicht geschafft hat. Deswegen sind wir froh, dass die beiden übriggebliebenen Vereine in Bezug auf die Mitgliederzahlen explodiert sind. Bei den Hessemer Kiesbolle gibt es sogar Wartelisten bei den Jugendgruppen. Bei den Schlossnarren in Lambsheim ist die Jugendarbeit ebenfalls so stark, dass es mehrere Jugendtanzgruppen gibt. Deswegen ist das für mich der richtige Zeitpunkt, die Arbeit dieser Vereine hervorzuheben.
Im vergangenen Jahr haben Sie beim Empfang überraschend ein neues VG-Logo vorgestellt. Wie kommt das bei den Bürgern an?
Das Logo kommt gut an. Die Bürger finden es gut, dass wir nicht nur das offizielle Wappen nutzen, sondern damit auch die Struktur der Verbandsgemeinde aufzeigen.
Wird es dieses Jahr wieder Überraschungen geben?
(lacht) Wir haben eine besondere Ehrung geplant. Wer genau geehrt wird, bleibt bis zum Bürgerempfang aber geheim.
Sie informieren die Bürger beim Empfang traditionell über den Stand von Projekten – welche davon bereiten Ihnen derzeit Kopfzerbrechen? Mal abgesehen von den Jahresabschlüssen.
Kopfzerbrechen bereitet mir derzeit keines der Themen. Ich bin stolz darauf, dass wir zum 1. August eine Stabsstelle für Brand- und Zivilschutz schaffen konnten. Sowas haben nicht viele Kommunen. Dadurch wird das Ehrenamt der Feuerwehr so unterstützt, dass alle Aufgaben über diese Stabsstelle abgewickelt werden. Für die ehrenamtlichen Wehrführer bedeutet das eine Entlastung bei Verwaltungstätigkeiten.
Aus anderen Verwaltungen in der Region hört man immer wieder von Problemen, Fachkräfte zu finden. Ist das bei Ihnen auch so?
Nein, bei Stellen, die wir ausschreiben, haben wir in der Regel immer etliche Bewerberinnen und Bewerber. Bei der Besetzung der zwei Stellen in der Finanzabteilung konnten wir sogar auf diesen Bereich spezialisierte Verwaltungsfachkräfte finden.
Haben Sie ein Geheimrezept, warum das bei Ihnen besser klappt als anderswo?
Das nicht, aber ich bekomme oft zu hören, dass Bewerberinnen und Bewerber über Mundpropaganda von einer Stelle erfahren haben. Bei den erwähnten Besetzungen hatten wir zwei Initiativbewerbungen, noch bevor es eine Ausschreibung gab.
Zurück zum Bürgerempfang: Welche Themen werden Sie ansonsten ansprechen?
Es wird Infos zu Investitionen bei der Feuerwehr geben. Vorstellen werde ich außerdem den Feuerwehrbedarfsplan. Darin geht es unter anderem darum, wie sich die Feuerwehr strategisch über die einzelnen Ortsgemeinden verteilt, und wo es Einsparungspotenzial gibt. Eine weitere Neuerung: Wir haben jetzt überall Sirenen fest installiert. Mobile Sirenen an Warntagen wird es nicht mehr geben.
Was gibt’s Neues von der Sanierung der Eckbachhalle?
Wir sind voll im Zeit- und im Kostenplan. Die ganzen Bäder werden neu gemacht, eine Wärmepumpe wird eingebaut, die Lüftung wird erneuert und eine PV-Anlage wird auf dem Dach installiert. Und dafür kriegen wir auch Fördergelder. Wir haben bereits einen Förderbescheid vom Kreis in Höhe von einer Million Euro für die Maßnahme. Dazu kommen weitere Förderanträge, die im Moment noch laufen. Kosten wird uns die Sanierung ungefähr vier Millionen Euro. Dieses Großprojekt können wir in diesem Jahr im Groben abschließen.
Wann kann die Halle wieder benutzt werden?
Wir schließen dieses Jahr die Arbeiten im Innenbereich ab. Die Halle sollte dann ab dem kommenden Frühjahr wieder nutzbar sein. Im nächsten Jahr müssen wir uns noch mit dem Thema Außendämmung beschäftigen, genutzt werden kann sie vorher aber bereits.
Wie geht es bei der Sanierung der Grundschule Heßheim weiter?
Erst einmal stehen hier die Asbestsanierung und die Brandschutzertüchtigung an. 2,5 Millionen Euro kostet uns allein schon der Brandschutz. Das läuft jetzt an und wird in etwa ein Jahr benötigen.
Das bedeutet längere Zeit Unterricht in improvisierten Räumen.
Vier Klassen haben wir provisorisch im katholischen Pfarrheim untergebracht, und haben dort 50.000 Euro verbaut, um die Räume entsprechend herzurichten. Das kommt aber auch dem Pfarrheim zugute. Der Hof hinter dem Pfarrheim dient als Pausenfläche.
Den Einsparungen im VG-Haushalt zum Opfer gefallen ist der Erweiterungsbau der Grundschule Heßheim. Deswegen muss weiter in Containern unterrichtet werden. Ist hier das letzte Wort gesprochen?
Wir hätten die Grundschule gerne erweitert, denn es gibt zu wenig Klassenräume, keine Funktionsräume und keine Betreuungsmöglichkeiten auf dem Schulgelände. Durch die Kürzungen im Haushalt wurde der Erweiterungsbau zunächst komplett eingestellt. Die Pläne haben wir aber, die sind fertig. Sollte sich die Haushaltslage bessern, könnten wir das Projekt direkt angehen.
Haben Sie noch andere Neuigkeiten im Gepäck?
Im Bereich der Interkommunalen Zusammenarbeit (IKZ) werden wir ab 1. Oktober auch mit der VG Maxdorf kooperieren. Da geht es um den digitalen Handwerkerparkausweis. Handwerker aus Bobenheim-Roxheim beantragen den bereits bei uns, künftig können das auch die Maxdorfer. In einem anderen IKZ-Projekt haben wir gemeinsam mit der Stadt Frankenthal und Bobenheim-Roxheim einen Hygienecontainer für die Feuerwehr angeschafft, der zu den Einsatzorten transportiert werden kann.
Es gibt Amtskollegen, die sehr aktiv in den sozialen Medien sind. Sind solche Online-Aktivitäten nötig, um die Bürger zu erreichen?
Soziale Medien sind gut, um eine gewisse Reichweite zu bekommen. Aber ich vertrete die Auffassung, dass der direkte Kontakt mit den Bürgern dadurch nicht ersetzt werden kann. Deswegen machen wir die Bürgerdialoge weiter. Die Leute schätzen das.
Seit anderthalb Jahren hat Ihre Verwaltung mit Kerstin Dobke eine Digitalisierungsbeauftragte. Was konnte sie umsetzen?
Sie hat unser Angebot im digitalen Bereich ausgebaut. Viele Anträge wie elektronische Wohnsitzanmeldung, Gewerbean- und abmeldungen, Fund- und Verlustanzeigen oder Anmeldung der Eheschließung kann man mittlerweile online stellen. Außerdem werden wir zur Pilotkommune beim digitalen Bauantrag innerhalb des Rhein-Pfalz-Kreises. Wir haben außerdem den Onlinedienst zur Beantragung von Bestattungen mitgestaltet, der in ganz Rheinland-Pfalz ausgerollt werden soll. Trotzdem legen wir Wert darauf, auch künftig vor Ort für die Bürger ansprechbar zu sein.
Zurück zum Marathon. Ist für Sie in fünf Jahren, wenn die Amtsperiode abgelaufen ist, bereits die Ziellinie in Sicht?
Ich werde dann 58 Jahre alt sein. Wenn ich fit und gesund bleibe, kann ich mir eine dritte Amtszeit vorstellen. Mir macht es Spaß und ich habe ein tolles Team, auf das ich sehr stolz bin.
Termin
Bürgerempfang der Verbandsgemeinde Lambsheim-Heßheim am Freitag, 29. August, 18 Uhr, im Sängerheim des Liederkranz Beindersheim.