Am Rande
Bürger bietet sich als Schlaglochpate an
Manfred Schärf gehört dem Gemeinderat und der Freien Wählergruppe an und bringt immer mal wieder ungewöhnliche Ideen in die Ortspolitik ein. Sie stammen manchmal von ortsansässigen Bürgern, meistens aus anderen Gegenden Deutschlands und hin und wieder aus dem Ausland.
Im Gedächtnis geblieben ist vielleicht seine Anregung gegenüber dem SB-Warenhaus Globus, nach niederländischem Vorbild eine „Kasse zum Plaudern“ einzurichten. Eine Kasse, an der es nicht wie sonst schnell, schnell gehen muss, sondern wo man auch mal ein Schwätzchen mit der netten Kassiererin halten darf. Auch ist der Ruheständler ein Fan des Energiesparens, weshalb er sehr genau beobachtet, welche Kommunen das tun, was der Bobenheim-Roxheimer Ratsmehrheit kürzlich abgelehnt hat: die Straßenlampen nachts zwischen 1 und 4 Uhr auszuschalten.
Aktuell würde Schärf gern „eine Patenschaft für ein Schlagloch in unserer Gemeinde übernehmen“, wie er dem Bürgermeister geschrieben hat. In manchen deutschen Kommunen gebe es die Möglichkeit, 50 Euro zu spenden, um damit ein Fahrbahnloch seiner Wahl beseitigen zu lassen. „Von dieser Idee habe ich gehört und finde sie für mich durchaus akzeptabel“, schreibt Schärf und stellt gleich klar, dass er für den bereits an die Gemeindekasse überwiesenen Betrag weder eine Spendenquittung noch ein Namensschild an der später ausgebesserten Stelle haben will. Der FWG-Mann bewegt sich häufig und ganzjährig auf zwei Rädern fort, sodass ein Schlagloch immer eine Sturzgefahr für ihn bedeutet. In der Haardtstraße hat er so eine Gefahrenquelle entdeckt und ärgert sich jedes Mal, wenn er dort lang fährt.
Die thüringische Gemeinde Niederzimmern hatte im Frühjahr 2010 nach einem harten Winter bundesweit für Aufsehen gesorgt, als sie die vielen Schlaglöcher in einer Ortsstraße zum Preis für je 50 Euro an Bürger verkaufte, um eine schnelle Reparatur zu gewährleisten. Der Spiegel berichtete 2011, die Stadt Mönchengladbach habe die Idee aufgegriffen und ebenfalls ein Spendenkonto eingerichtet. Andere Stadt- und Gemeindeverwaltungen dagegen winkten ab, als sie von Pressevertretern gefragt wurden, ob auch sie Schlaglochpatenschaften einführen wollten.
Die Bobenheim-Roxheimer Administration ist ebenfalls nicht begeistert und hat Manfred Schärf zurückgeschrieben, sie glaube, das auch so hinzubekommen. Konkret soll das bedeuten: Der Reparaturauftrag Haardtstraße ist an den Betriebshof weitergegeben worden. Man bedankt sich brav bei dem Ratsmitglied für dessen Hinweis und gibt zu bedenken, dass der Verwaltungsaufwand ziemlich groß wäre, würde man solche Patenschaften organisieren.
Damit ist Schärf erneut mit einem unkonventionellen Vorschlag abgeblitzt, aber das macht nichts. Unterhaltsam und eine Anregung zum Nachdenken sind seine Eingaben und Anträge allemal.