Otterstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Automat statt Filiale? Gemeinderat lehnt Poststation ab

Darum geht’s: die neue Poststation in der Lindenstraße.
Darum geht’s: die neue Poststation in der Lindenstraße.

Die neue automatisierte Poststation in Otterstadt sorgt für Diskussionen. Der Gemeinderat sieht die Filiale vor dem Aus – und Menschen benachteiligt.

SPD-Gemeinderatsmitglied Bianca Staßen schloss aus dem Antrag der Post auf Zulassung der automatisierten Poststation, dass die Filiale mit Postdienstleistungen in der Rüdigerstraße schließen soll. Staßen, die die Inhaberin darauf angesprochen hat, berichtete, dass die Frau davon nichts wisse. Die SPD-Politikerin nannte ein solches Vorgehen „unterirdisch“ und brachte vor, dass sie „vehement“ gegen die automatisierte Poststation sei. Menschen, die technisch nicht so affin seien, würden mit dem im Raum stehenden Wegfall der Postfiliale eine Ansprechpartnerin verlieren, sagte Staßen. Auch Birgid Daum (BIO) stimmte ihrer Gemeinderatskollegin zu und befürchtete technische Störungen an dem Automaten. Sie sprach ebenso von einer potenziellen Benachteiligung von Menschen, die technisch nicht versiert seien, und brachte – wie Staßen – vor, dass Otterstadt in den vergangenen Jahren schon so manche Anlaufstelle verloren habe, zum Beispiel den Ottermarkt. Die Gemeinde wird somit eine negative Stellungnahme gegenüber der Bundesnetzagentur zu der Poststation abgeben. Die steht jedoch bereits, und zwar am Ottermarkt in der Lindenstraße. Sie war am Dienstag aber noch nicht funktionsfähig.

Keine Aussage zur Schließung, aber Andeutung

Ein Postsprecher bestätigte auf RHEINPFALZ-Anfrage, dass die Post den Antrag bei der Bundesnetzagentur gestellt habe. „Das weitere Verfahren regelt die Bundesnetzagentur“, sagte er. Was aus der Filiale in der Rüdigerstraße wird, beantwortete er nicht. Er sagte nur so viel: Dass es eine Interimsfiliale der Deutschen Post sei, die montags, dienstags und donnerstags von 14.30 bis 17.30 Uhr sowie mittwochs, freitags und samstags von 9 bis 12 Uhr geöffnet sei. Die Post selbst betreibe bundesweit nur drei Filialen selbst – im Reichstag, im Posttower und auf der Zugspitze. Eine eigenbetriebene Interimsfiliale werde eingerichtet, wenn die Post keinen adäquaten Partner finde, sagte der Sprecher und ergänzte: „Eine Poststation erfüllt die meistgenutzten Postdienstleistungen und ist laut Postgesetz ein Ersatz für eine Filiale.“

Zur bereits installierten Poststation am Ottermarkt sagte der Postsprecher, dass diese rund um die Uhr an sieben Tagen die Woche zugänglich und über einen Touchscreen „intuitiv bedienbar“ sei. Die Automaten haben einen integrierten Briefkasten sowie Paketfächer. Damit könnten Pakete und Päckchen empfangen und versendet werden. Brief- und Paketmarken könnten an den Poststationen bargeldlos mit allen gängigen EC-Karten, mit Visa- und Master Card sowie mit Google Pay und Apple Pay gekauft werden. Wer Schwierigkeiten mit der Bedienung habe oder sonstige Unterstützung benötige, könne über das Bedienfeld per Video den Kundenservice des Unternehmens kontaktieren, sagte der Postsprecher. Auf dem Bildschirm erscheine dann ein Kundendienstmitarbeiter, der den Kunden weiterhelfe. Um Pakete und Päckchen an der Poststation zu empfangen, sei, ähnlich wie bei der Packstation, eine einmalige Registrierung unter www.dhl.de/registrierung erforderlich. Die Nutzung der Poststation sei nicht mit zusätzlichen Kosten verbunden, hieß es.

x