Bobenheim-Roxheim RHEINPFALZ Plus Artikel Ausgesperrt: Traktoren und Feuerwehrwagen auf Brücke verboten

Für Krankenwagen auf dem Weg zum Aussiedlerhof Haas, ist der Weg hier zu Ende.
Für Krankenwagen auf dem Weg zum Aussiedlerhof Haas, ist der Weg hier zu Ende.

Im Dezember hat der Landesbetrieb Mobilität durchgegriffen und mit einer Art Tor verhindert, dass schwere Fahrzeuge über die K6-Brücke in Bobenheim-Roxheim fahren. Das Bauwerk soll geschont werden. Doch jetzt müssen Krankenwagen, Feuerwehr und Anlieger Umwege fahren.

Alles, was schwerer ist als 3,5 Tonnen, darf die Bahnüberführung auf dem Weg, der von Bobenheim-Roxheim nach Großniedesheim führt, nicht mehr befahren. Sonst droht der angegriffenen Brücke weiterer Schaden, meint der Landesbetrieb Mobilität Speyer (LBM). Man spricht damit nicht nur Sicherheitsbedenken aus, sondern auch finanzielle Befürchtungen, denn der Weg, der wie ein Wirtschaftsweg wirkt, ist die Kreisstraße 6 und gehört dem Rhein-Pfalz-Kreis. Der müsste für die Reparatur aufkommen, wenn die Straße weiterhin durch hauptsächlich schwere Landmaschinen verschlissen würde und kaputt ginge.

Über diese Bahnbrücke darf kein Auto mehr fahren, das schwerer als 3,5 Tonnen ist.
Über diese Bahnbrücke darf kein Auto mehr fahren, das schwerer als 3,5 Tonnen ist.

Seit 2022 gilt an der Überführung zwar ein Verbot für den Schwerlastverkehr, doch daran gehalten hat sich offenbar nicht jeder. Das jedenfalls hat Martin Schafft, der Leiter des LBM Speyer, im November 2023 als Grund für die Installation einer sogenannten Lichtraumbegrenzung genannt. Das weiß-rote Tor lässt nur Fahrzeuge durch, die nicht breiter als 2,5 Meter und nicht höher als 2,2, Meter sind. Damit sind Lkw, alle landwirtschaftlichen Fahrzeuge und die meisten Einsatzwagen von Rettungsdienst und Feuerwehr ausgeschlossen.

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Zwei Landwirte sind direkt betroffen

Das wäre nicht weiter schlimm, wenn sich nicht zwei landwirtschaftliche Betriebe direkt an der K6 und von Osten her kommend hinter dem Nadelöhr an der Brücke befänden. Ulrich Hack hat dort seit 1986 eine Halle stehen, Stefan Haas seit mehr als 20 Jahren. Haas hat darüber hinaus vor 15 Jahren ein Wohnhaus gebaut und lebt dort mit seiner Frau und zwei Kindern. Er ist extra dorthin ausgesiedelt, unter anderem um mit seinem Traktor nicht ständig durch den Ortskern fahren zu müssen. Jetzt muss er es doch wieder, denn die Lichtraumbegrenzung zwingt ihn dazu. „60 Prozent meiner Flächen sind jetzt nicht mehr direkt zu erreichen“, sagt er.

Haas fährt jetzt zu Feldern, die östlich der Bahngleise liegen, über den Erster Höhenweg genannten Wirtschaftsweg nach Norden bis zur L457, dann biegt er rechts ab auf die Kleinniedesheimer Straße, um auf der Ortsdurchfahrt (L523) wieder südwärts fahren zu können. Seinem Nachbarn Ulrich Hack gehe es ähnlich, und auch landwirtschaftliche Zulieferer des Tiefkühlgemüse-Betriebs Frosta aus den angrenzenden Gemarkungen müssten mehr Wege durch den Ort nehmen.

Traktoren müssen Umweg fahren

Das dürfte für die Bobenheim-Roxheimer künftig eine Mehrbelastung an Verkehr und Lärm bedeuten, und Stefan Haas weist außerdem auf Unfallgefahren hin. Denn auf seinen Rückfahrten zu Betrieb und Wohnhaus muss er von der Landstraße, die nach Kleinniedesheim führt, an der Stelle links abbiegen, wo Pkw-Fahrer gemeinhin anfangen, ihre Wagen zu beschleunigen. Und die Einmündungen zur L523 in ihrem südlichen Bobenheim-Roxheimer Abschnitt (Frankenthaler Straße) sind auch ohne kreuzende Traktoren und Lkw schon heikel.

Die Situation sei „demotivierend“, sagt Haas und erinnert daran, was die Bauern bei den derzeitigen Protesten ohnehin schon an Sorgen formulieren. Er könne noch froh sein, dass die K6-Brücke nicht gänzlich für Fahrzeuge gesperrt wurde, wie es vonseiten der Behörden mal beabsichtigt gewesen sein. So können wenigstens Pkw den Aussiedlerhof direkt von der Frankenthaler Straße aus erreichen.

Rettungsdienst sollte Schlüssel haben – aber die sind weg

Die Betriebsfahrten von Bauern und Lieferanten sind eine Sache, eine andere sind die Zu- und Abfahrten von größeren Blaulichtfahrzeugen, sollten diese denn mal im Notfall die Gebäude westlich der Brücke ansteuern müssen. Dass die großen Löschfahrzeuge der Feuerwehr nicht durch die Lichtraumbegrenzung passen und künftig einen Umweg nehmen müssen, sei klar, meint der Erste Beigeordnete der Gemeinde Bobenheim-Roxheim, Frank Peter (CDU). Im Einsatzfall fahren sie jetzt laut Wehrleiter durch den Ortsteil Bobenheim, dann über die Brücke Richtung Kleinniedesheim und über den ersten Feldweg wieder zurück Richtung Frankenthal zu den beiden Höfen.

Frank Peter hätte aber nicht gedacht, dass nun auch der Rettungsdienst ausgesperrt ist. Für Polizei- und Notarzt-Pkw ist das Hindernis an der Brücke kein Problem, wohl aber für Standardkrankenwagen, wie ein Test ergeben hat. „An den beiden Pfosten sind Schlösser, man kann sie also herausziehen“, sagt der Beigeordnete, „aber wir wissen nicht, wer die Schlüssel hat.“ Vergangene Woche hat er das Problem bei der Kreisverwaltung vorgebracht. „Man werde das weitergeben, hieß es“, so Peter.

Die Pfosten könnten bei Bedarf oder Notfall ausgebaut werden, aber wer hat die Schlüssel?
Die Pfosten könnten bei Bedarf oder Notfall ausgebaut werden, aber wer hat die Schlüssel?

Weitergeben an wen? Wohl an den LBM, denn auf die Frage der RHEINPFALZ, ob und wie der Landkreis das Problem lösen kann, verweist die Pressestelle an den Landesbetrieb in Speyer. Von dort kommt die Auskunft, dass die Lichtraumbegrenzer alle Fahrzeuge über 3,5 Tonnen an einer Überfahrt der Brücke hindern sollen, egal welche. Und dass die Erreichbarkeit des Aussiedlerhofs über andere Strecken als ausreichend bewertet worden sei. „Sollte es Anpassungsbedarf geben, ist der LBM stets gesprächsbereit“, heißt es in der Antwort der Pressestelle. Man sei über etwaige Probleme aber noch nicht informiert worden.

Frank Rickert vom Frankenthaler Ortsverein des Deutschen Roten Kreuzes, der den Durchfahrtstest gemacht hat, gibt zu bedenken, dass die Neuerung in die Navigationssysteme, die Rettungsdienste verwenden, eingespeist werden sollte. „Es nützt nichts, wenn wir vom Roten Kreuz das jetzt wissen“, sagt Rickert. Die Fahrer anderer Organisationen und aus anderen Orten steuerten nähmen sonst die kürzeste Route, stünden dann vor der Durchfahrtssperre und müssten sich dann erst auf den Umweg machen, was weiteren Zeitverlust bedeute.

Er betont, dass in einem Notfall immer der nächstbefindliche freie Rettungswagen angefordert werde. „Das kann dann auch mal einer aus Lampertheim sein, wenn der gerade in der Nähe ist.“ Deshalb sollte seiner Ansicht nach die neue Regelung an der K6-Brücke von offizieller Seite bei der Integrierten Leitstelle vermerkt werden. An dieser Stelle spielt der LBM Speyer den Ball an die Rhein-Pfalz-Kreisverwaltung zurück: „Dort gibt es ein Referat, welches für Rettungsdienste, Katastrophenschutz et cetera zuständig ist.“

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