Speyerer Umland RHEINPFALZ Plus Artikel Aus der Geschichte: Als die Dörfer verwüstet wurden

Die Schrecken des Krieges: eine Radierung des Lothringers Jacques Calot aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges.
Die Schrecken des Krieges: eine Radierung des Lothringers Jacques Calot aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges.

Im Dreißigjährigen Krieg, besonders in den Jahren 1621 und 1622, hatte das Bistum Speyer infolge seiner Lage in der Pfalz furchtbar unter den Brandschatzungen, Morden und Plünderungen durch die Truppen des protestantischen Söldnerführers und Feldherrn Graf Ernst von Mansfeld. Was die Quellen zu den Dörfer Berghausen, Dudenhofen und Heiligenstein verraten.

Speyerer Umland. Mit der Wahl des Kurfürsten Friedrich V. von der Pfalz zum König von Böhmen im Jahr 1619 hatte das Unglück für die Region begonnen. Um den protestantischen Kurfürsten und „Winterkönig“, wie man ihn spöttisch bezeichnete, zu züchtigen, rückte aus den Niederlanden ein spanisches Heer unter der Führung von Ambrosio Spinola, das für die katholische Seite kämpfte, im August 1620 an den Rhein. Während nun kurpfälzische Truppen auf dem Gebiet des Hochstifts Speyer ganz im barbarischen Stile jener Zeit ihr Unwesen trieben, standen ihnen die Spanier unter Spinolas Nachfolger Gonsalvo de Cordova auf kurpfälzischen Territorium kaum nach.

So bildete der sogenannte böhmisch-pfälzische Krieg zwischen 1620 und 1623 denn auch den Auftakt der kriegerischen Zerstörung auf vorderpfälzischem Gebiet, bei dem alle Dörfer des Amts Marientraut, zu dem auch Berghausen, Dudenhofen und Heiligenstein gehörten, sehr stark in Mitleidenschaft gezogen wurden. Unter der Führung des kurpfälzischen Obristen und Reitergenerals Hans Elias Michael von Obentraut, auch der „Deutsche Michel“ genannt, drangen nach einem kurzen Waffenstillstand immer wieder protestantisch gesinnte Scharen in das Gebiet ein. Sengend und brennend überschwemmten diese marodierenden Haufen unter dem Befehl des aus der Oberpfalz kommenden Söldnerführers Graf Ernst von Mansfeld, nachdem sie die Spanier schon Ende Oktober 1621 in die Flucht geschlagen hatten, die linksrheinischen Besitzungen des Hochstifts Speyer. Als „haarsträubend“ bezeichnet ein Historiker die von den Mansfeld´schen Banden verübten Gräueltaten. Die Exekutionstruppen leisteten ganze Arbeit: Städte, Dörfer und Flecken wurden geplündert und verbrannt, die Einwohner ermordet oder vertrieben.

Hohe Abgaben

Gegen Ende des Jahres 1621 – wie auch zu Beginn des Jahres 1622 – gelangen den Unionstruppen unter Mansfeld dann auch noch einige spektakuläre Eroberungen. Sein Hauptquartier verlegte Mansfeld nach Germersheim, und der Speyerer Raum und die Vorderpfalz bildete nun den Hauptkriegsschauplatz jener Zeit. Speyer wurde besetzt. Das gesamte Bistum hatte hohe Abgaben an die Sieger zu bezahlen, um zu verhindern, dass Gebiete verbrannt oder geplündert werden – die sogenannte Brandschatzung. Mansfeld verfügte schließlich über unerschöpfliche Geldmittel, durch die er seine Söldnerscharen ausrüsten und vermehren konnte.

Für Berghausen ist bekannt, dass am 11. November 1622 Michael Schöffer, der Schultheiß, und die Gerichtsschöffen Geld von einem Speyerer Bürger und Schneider liehen, um ihren Beitrag zu einer vom Fürstbischof erhobenen Zwangsanleihe leisten zu können. Alle Dörfer, deren Einwohner auf Anraten des Bischofs von Sötern sich in die nächsten Reichsstädte flüchten sollten, waren der Plünderungssucht Mansfelds ausgeliefert. Viele arme Leute zogen deshalb in die Stadt Speyer und lagen – aus Mangel an Quartieren – um den Dom herum, auch bei Nachtzeit. Die Mansfeldischen Soldaten „überfielen die Kirchen, verwüsteten sie und raubten die heiligen Gefäße“, berichtet ein Chronist. Priester seien verjagt, Altäre niedergerissen worden. Sie hätten solchen „Muthwillen und Gottlosigkeit“ gezeigt, dass man sich scheue, es nachzuerzählen. Drei Viertel der Bewohner des Hochstifts – auch Kinder und Greise – seien von Haus und Hofe verjagt, geflüchtet oder ermordet worden. Frauen und Mädchen seien „entehrt, verstümmelt und zu viehischer Lust mißbraucht“ worden.

Im Jahr 1621 wurde bereits Dudenhofen und dabei auch das örtliche Gotteshaus völlig verwüstet und niedergebrannt. In einem Bericht von 1623 heißt es, dass der Turm und die Gewölbe des Langhauses eingestürzt seien, nur der Chor blieb stehen. Die Zerstörungen begannen mit dem Einrücken der Spanier anno 1621 in das Dorf. Noch im gleichen Jahr besetzten und verwüsteten die Truppen des Ernst von Mansfeld besonders die bischöflich speyerischen Dörfer. 1622 zogen dann noch die Kaiserlichen, die auf katholischer Seite kämpften, heran. Einer Rechnung aus dem Jahr 1624 ist zu entnehmen, dass Geld für Holz ausgegeben werden musste, das an der Kirche verbaut wurde.

„Ganz verbrent“

Ein zeitgenössischer Bericht erwähnt schlimmen Verwüstungen der Dörfer Berghausen und Heiligenstein. So heißt es aus dem Jahr 1622, dass Soldaten Berghausen und auch Heiligenstein erobert und niedergebrannt hätten. Bei einem dort speziell genannten Gebäude in Berghausen handelt es sich wohl um eine Hofstätte, die damals zwischen der Hohl und der Dorfgasse des Ortes stand und Conrad Zolt von Berghausen gehörte. Unter dem Datum 2. Februar 1623 ist auch zu lesen, dass die von den Karmelitern betreuten Heiligensteiner Pfarrkinder die Pfarrei St. Peter in Speyer besuchten, weil das Heiligensteiner „Pfarrhaus“ – vielleicht ist auch die Kirche gemeint – „ganz verbrent“ sei. Dass die Heiligensteiner Pfarrkirche wegen des Kriegs stark in Mitleidenschaft gezogen war, steht außer Frage.

Doch das Blatt wendete sich, als Spanier, Österreicher und die Kaiserlichen sich gegen Mansfeld verbündeten und im Frühjahr 1622 mit der blutigen Rückeroberung der besetzten Gebiete begannen. Vor allem der kaiserliche und bayerische Feldherr Johann Tilly, der auf Seiten der katholischen Liga kämpfte, bereitete fortan der Rekatholisierung den Weg. Doch auch diese Truppen waren laut Aufzeichnungen „um keinen Deut besser als die Mansfelder“, die nun aus der Region verdrängt wurden. Die Spanier besetzten schließlich kampflos alle linksrheinisch gelegenen Gebiete und im Herbst vollendete Tilly die Unterwerfung der Kurpfalz. Der böhmisch-pfälzische Krieg war im Frühjahr 1623 zu Ende. Das Land war durch den Krieg völlig erschöpft. Was mit der armen Bevölkerung der Dörfer im Speyerer Umland letztlich geschah, ist nirgends aufgeschrieben. Auch von menschlichen Einzelschicksalen sind keine ausreichenden Nachrichten vorhanden.

Für Berghausen ist der Wieder- beziehungsweise Neuaufbau um das Jahr 1627/28 belegt. 1626 werden für Dudenhofen 60 Grundbesitzer aufgeführt. Erwähnt werden 36 große und zwei kleine Hofplätze, sowie ein halber Hofplatz. Ein Hofplatz war teilweise verbrannt. Von den 15 „verbrannten“ Hofplätzen waren 10 unbebaut, der Rest mit einem Häuslein versehen. Die für Heiligenstein im Jahr 1626 erstellte Schatzungsliste, neben Dudenhofen noch die einzige erhaltene Liste im Amt Marientraut, berichtet, dass von den ehemals 42 Höfen lediglich sieben offenbar einigermaßen in Stand waren. Neun verbrannte Hofreiten waren wieder mit einem Haus versehen, 26 Plätze lagen immer noch in Schutt und Asche.

Berüchtigt: Feldherr Graf von Mansfeld.
Berüchtigt: Feldherr Graf von Mansfeld.
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