Bobenheim-Roxheim
Angst vor Geflügelpest: Vogelparkteich muss verschwinden
Schweren Herzens und nicht ohne eine heftige Diskussion hat die Mitgliederversammlung des den Park betreibenden Vogelschutzvereins Bobenheim-Roxheim beschlossen, den auch Schwanensee genannten vorderen Teich zu verfüllen und dann das Gehege neu zu gestalten. Vorsitzender Rainer Berenz meint, dass dem Verein nichts anderes übrig bleibt. Denn wegen der Vogelgrippegefahr bestehe die Veterinärbehörde auf der Entfernung der aus dem Grundwasser gespeisten Wasserstelle. Andernfalls werde beim nächsten Ausbruch der Seuche auf dem Gelände der gesamte Vogelbestand gekeult.
Zur Erinnerung: Vor fast genau zwei Jahren brach in dem beliebten kleinen Vogelzoo die aviäre Influenza aus, die auch Vogelgrippe oder Geflügelpest genannt wird. Mehrere Tiere waren dort an dem hoch ansteckenden Virus verendet, und sowohl in der Kreisverwaltung als auch im Landesuntersuchungsamt herrschte die Sorge, die Krankheit könne sich von Bobenheim-Roxheim aus verbreiten. Wochenlang wurden deshalb Hunderte von Proben genommen, und der Vogelschutzverein hielt sich strikt an sein Hygienekonzept, das er den Behörden vorgelegt hatte, um Tiertötungen zu vermeiden. Im April hieß es dann: „Tierseuche gemeistert, keine kranken Vögel mehr“.
Nähe zum Altrhein wird zum Verhängnis
Was gerade noch mal gut gegangen war, hatte jedoch Folgen für die Zukunft. Der Park liegt nun mal ganz in der Nähe der Altrheinlandschaft, die ein Paradies für Wasservögel ist, besonders für „Durchreisende“. Das Veterinäramt ist überzeugt: Das hoch ansteckende Virus H5N8 wurde 2021 durch Wildvögel in den Park eingeschleppt. Und zwar weil diese gern den „Schwanensee“ besuchen. Der Teich sei deshalb „dauerhaft für Wildvögel unzugänglich zu machen oder ganz zu entfernen/zuzuschütten“, heißt es im Brief der Referatsleiterin an Rainer Berenz. Ein zweites Mal werde es für den Vogelpark keine Ausnahmegenehmigung nach der Geflügelpestverordnung geben. Das heißt: Bei einem Ausbruch der Seuche dort muss der gesamte Bestand getötet werden.
Es darauf ankommen zu lassen und notfalls den gekeulten Vogelbestand zu ersetzen, ist für Berenz keine Option. „Wir haben diesen Bestand über Jahrzehnte aufgebaut, den kann man nicht einfach im Zoogeschäft nachkaufen“, sagt er auf Anfrage. Mal ganz davon abgesehen, dass kein Tierschützer gern Tiere tötet. Der Vereinsvorsitzende hat Verständnis für die Auflage der Kreisverwaltung, denn auch er hält es für unmöglich, das Einfliegen von Stockenten auf die Wasserfläche zu verhindern. Außerdem: „Dieses Vogelgrippevirus verändert sich. Früher ist es nur im Herbst/Winter aufgetreten, doch 2022 war es eigentlich durchgängig da.“
Umgestaltung kostet viel Geld
Wann der Teich verfüllt wird, ist noch unklar, denn „das ist eine Hausnummer vom Geld her“, sagt Berenz. Und auch wasserrechtliche Fragen sind wohl noch zu klären. Das Teichwasser muss ja irgendwohin geschafft werden. Vermutlich wird die Verfüllung nicht vor Herbst 2024 passieren. Inzwischen gibt es zumindest eine Darstellung, wie das Projekt mit wohlwollender Unterstützung eines Planungsbüros und mit einem Zuschuss der Gemeinde so umgesetzt werden könnte, dass der Verein noch etwa 15.000 Euro bezahlen müsste. Der sei jetzt umso mehr auf Spenden angewiesen. Meldungen von Vogelgrippefällen in der Pfalz bereiten Rainer Berenz im Moment keine großen Sorgen, „weil wir uns wieder an unser Hygienekonzept halten“. Zudem sei ein Großteil der Wasservögel schon weggegeben worden.
„Die Leute bewegt es, dass der Teich zugeschüttet wird“, sagte Bürgermeister Michael Müller (SPD) kürzlich im Gemeinderat. Deshalb ist es ihm wichtig, dass die Ratsmitglieder den Hintergrund kennen, um verärgerten Bürgern die Sachlage zu erklären. Die könnten sich ja eventuell mit der Aussicht auf ein neues Gehege besänftigen lassen. Auf der Internetseite des Vereins zeigt eine Skizze dort, wo jetzt noch der Teich ist, ein Freigehege für Nandus, Emus oder Kraniche.