Limburgerhof
Ameiseninvasion: Bekämpfung gestartet
Am Tag vor dem Start des Limburgerhofer Straßenfests ist es gegen 9 Uhr noch spätsommerlich frisch. Zu frisch wohl auch für die Ameisen. Denn von der invasiven Art „Tapinoma magnum“, die sich im Odenwaldring und in der benachbarten Hardenburgstraße breit gemacht hat, ist kaum etwas zu sehen. Das Problem bei dieser Ameisenart: Sie bildet sogenannte Superkolonien mit Tausenden von Königinnen, wie Ameisenexperte Bernhard Seifert vom Senckenberg-Museum in Görlitz erläutert. Die Schäden, die die Insekten anrichten, sind weithin zu sehen. Die Sandhaufen auf dem Gehweg im Odenwaldring und in der Hardenburgstraße und die herausragenden Platten sprechen eine deutliche Sprache. Die nur wenige Millimeter großen Biester sind ganz schön umtriebig.
Das geht so weit, dass sie sich sogar an Häusern durch Dämmmaterial fressen. Das wiederum gefällt den Hauseigentümern nicht. Gemeinde und Anwohner ziehen daher an einem Strang. Und aus diesem Grund ist an diesem Mittwochmorgen Björn Kleinlogel aus Darmstadt mit zwei seiner Mitarbeitern angerückt. Kleinlogel ist Diplom-Biologe und hat in Darmstadt eine Schädlingsbekämpfungsfirma, die „Tapinoma magnum“ auch schon in Ketsch (Rhein-Neckar-Kreis) auf den Panzer gerückt ist.
„Jetzt ist es noch ein bisschen früh. Da ist noch nichts von den Tieren zu sehen. Aber nachher wuselt es hier“, sagt er. Kleinlogel hat Erfahrung gesammelt mit den Ameisen. Zur Bekämpfung setzt er ein Heißwasser-Schaumverfahren mit Maisstärke ein. Auf dem Anhänger an seinem Firmenfahrzeug stehen daher ein großer Tank, ein Kompressor und ein Durchlauferhitzer.
„Wir haben auf einer Testfläche drei Verfahren zur Bekämpfung dieser Art verglichen: Köder, Gies- und Streugranulat sowie Heißwasser-Schaum. Letzteres hat sich als am effektivsten erwiesen“, erläutert der Experte in Sachen Schädlingsbekämpfung. Schon in Ketsch sei man mit dieser Methode sehr erfolgreich gewesen. Allerdings habe sich die Population über den Winter erholt. Die Nester säßen tief im Boden. Und kältefest sind die kleinen Krabbler auch noch. Laut Ameisenexperte Bernhard Seifert leben Tapinoma-Arten auch in der Sierra Nevada in Spanien in 3000 Metern Höhe.
Während des Gesprächs haben David Altendorf und Mustafa Ahmad angefangen, den Tank mit Wasser zu füllen. Etwa 800 Liter brauchen sie für den ersten Straßenzug. Der Vorteil des heißen Wassers in Verbindung mit dem Schaum: „Der Schaum isoliert. So bleibt die Hitze im Bau länger erhalten“, erläutert Björn Kleinlogel. 30, 40 Zentimeter tief in der Erde seien die Nester. „Wir spritzen das Gemisch in die Löcher der Bauten“, erläutert Kleinlogel das Vorgehen. Entscheidend sei es, die Königinnen zu erwischen. Wohl angesteckt von dem Treiben, hat sich ein Mähroboter auf einem der benachbarten Grundstücke an die Arbeit gemacht.
Die Anwohner seien alle dabei, sagen Bürgermeister Andreas Poignée (CDU) und Heiko Beckmann, Sachgebietsleiter Öffentliche Sicherheit und Ordnung im Limburgerhofer Rathaus. So dürfen Altendorf und Ahmad auch gleich auf die Grundstücke, wenn sie mit der Bekämpfung anfangen. „Wir bekämpfen auch viel Eichenprozessionsspinner“, sagt David Altendorf. Doch in Limburgerhof müssen die Schädlingsbekämpfer nicht in die Bäume schauen, sondern auf den Boden. „In diesem Ausmaß hatten wir das bislang nur einmal – in Ketsch“, sagt Altendorf.
Er und sein Kollege müssen noch kurz warten, bis das Wasser heiß ist. Derweil schüttet Altendorf etwas Maisstärke in den Tank. „Das Verfahren wird normalerweise in der biologischen Landwirtschaft zur Unkrautvernichtung benutzt“, erklärt Björn Kleinlogel. Jetzt werden damit auch die Ameisennester geflutet. Als der Motor des Kompressors anspringt, kommen auch ein paar Anwohner aus den angrenzenden Häusern. So oft hat man schließlich bislang noch keine großflächige Schädlingsbekämpfung in der Straße gehabt.
Während der Mähroboter weiter unaufgeregt seine Bahnen im taufeuchten Gras zieht, setzt sich der Wagen der Schädlingsbekämpfer langsam in Bewegung. David Altendorf verteilt das Gemisch dorthin, wo die Ameisennester ihre Eingänge haben. Eine Anwohnerin ist besorgt. Altendorf geht mit ihr das Grundstück ab, schaut sich alles genau an, muss dafür aber auf das Territorium des Mähroboters vordringen. Kein Problem.
Dafür schaut David Altendorf etwas kritisch, als er vom Grundstück runterkommt und kurz ans Auto läuft. Die Ameisen haben es auch aufs Grundstück geschafft. Die Frau zeigt Altendorf die Stellen, wo sie Nester ausgemacht hat. Kritisch sei es vor allem am Haus, sagt der Schädlingsbekämpfer. Das weiche Dämmmaterial kann zum gefundenen Fressen für „Tapinoma magnum“ werden.
Aufgetaucht ist die Ameise in Limburgerhof zum ersten Mal im vergangenen Jahr. Damals war man sich allerdings noch nicht bewusst, dass es sich um die invasive „Tapinoma magnum“ handelt, die übrigens noch keinen deutschen Namen hat. Im Mai dieses Jahres hat der Bürgermeister dann die Bekämpfung der kleinen Biester zur Chefsache erklärt.
„Morgen werden wir jede Menge tote Ameisen auf der Straße sehen“, ist Björn Kleinlogel überzeugt. „Die Toten werden aus dem Bau gebracht.“ Das sieht man aber erst, wenn das Wasser getrocknet ist. So lange könnte man in der Straße glatt meinen, dass alle gleichzeitig Hausputz gemacht und das Wasser auf die Straße gekippt haben.
Wie erfolgreich die Bekämpfungsaktion am Ende war, wird die Zukunft zeigen. Björn Kleinlogel und seine Helfer werden auf jeden Fall immer zwei Tage hintereinander in Limburgerhof aufschlagen und sich um die Sechsbeiner kümmern. Nach der Aktion am Mittwoch und am Donnerstag wollen sie auch im kommenden Monat nach Limburgerhof kommen.
Im Wendehammer hat derweil das Gewusel Fahrt aufgenommen – wie von Björn Kleinlogel angekündigt. David Altendorf und Ahmad Mustafa sind damit beschäftigt, das Heißwasser-Schaum-Gemisch zu verteilen. Auch der Mähroboter zieht weiter unbeeindruckt seine Bahnen. Er wird wohl längst fertig sein, wenn sich die Schädlingsbekämpfer den nächsten Straßenzug vornehmen.