Mutterstadt
Als aus dem Esbella-Markt ein Real-Haus wurde
Auf mehr als 6500 Quadratmetern Verkaufsfläche konnten Verbraucher ab Frühjahr 1965 ihre Wocheneinkäufe im Mutterstadter Gewerbegebiet, direkt an der Waldstraße gelegen, erledigen. Eine für die damalige Zeit riesige Fläche. Esbella nannte sich der Markt, den der gelernte Bäcker und Kaufmann Heinrich Knappe für 7,8 Millionen Mark bauen ließ. Schon ein Jahr späte wurde die Verkaufsfläche auf 10.000 Quadratmeter erweitert, die Anzahl der Parkplätze von 600 auf 1000. Neu hinzu kam eine Großschlächterei sowie Verkaufsabteilungen für Farben/Tapeten, Werkzeuge sowie Autozubehör. Ein Restaurant und kleine Geschäfte im Randbereich der Eingangshalle rundeten das Angebot ab. Für Autofahrer stand gegenüber des Markts, dort wo sich heute die Zufahrt von der Straße „An der Fohlenweide“ zu Real befindet, eine große Tankstelle.
„Einkaufszentrum Rhein-Neckar“ nannte sich der große Markt mit 89 Beschäftigten offiziell. Der Name war bewusst gewählt. Stand doch das Einkaufszentrum Rhein-Main in der Nähe von Frankfurt Pate für diesen in der Größe und Konzeption einmalige Markt in der gesamten Region. Und auf den Geschmack war Knappe wohl bei einer Fahrt im Oktober 1964 gekommen, als sich mehrere Geschäftsleute in Mutterstadt die neue Einkaufswelt bei Frankfurt aus der Nähe angeschaut hatten, wie aus Unterlagen im Gemeindearchiv Mutterstadt hervorgeht.
Märkte auch in Mannheim und Worms
Und es blieb nicht bei dem einen Markt. Der gebürtige Göllheimer Knappe, der in Mutterstadt seine Bäcker- und Konditorlehre absolvierte, eröffnete weitere Märkte: etwa in Mannheim, Worms, Mainz oder im saarländischen Dudweiler – seit 1974 ein Stadtteil von Saarbrücken. Die Zentrale dieser Marktkette war in Mutterstadt.
Den Namen Esbella verdankte der Markt wohl Knappes erstem größeren Engagement im Handelsbereich. Bereits Ende der 1950er-Jahre mietete Knappe, damals schon Handelsvertreter – auch für die Lebensmittelbranche – in der Beethovenstraße am Ortsrand von Mutterstadt eine ehemalige Produktionshalle an und eröffnete ein (e)SB(e)-Lager für Gewerbetreibende und Großverkäufer. Ähnlich wie bei Metro-Märkten heute noch, erhält nur Zutritt, wer einen Berechtigungsschein (Gewerbeschein) vorweisen konnte. Er eröffnete darin ein SB-Lager für Wiederverkäufer und Großverbraucher (Einlass mit Einkaufsberechtigungsschein).
Ab 1966 eine eigene Buslinie
Und der Esbella-Markt boomte. Aus den 15 Millionen Mark an Umsatz im ersten Jahr wurden im Folgejahr 40 Millionen Mark. Die Kunden kamen von weit her aus dem großen Einzugsgebiet Rhein-Neckar mit damals rund zwei Millionen Menschen. Und damit Beschäftigte und Kunden ohne eigenes Auto auch problemlos ans Ziel kamen, wurde 1966 eine eigene Buslinie Ludwigshafen-Esbella eingerichtet. Sechs Busse fuhren am Tag. Noch heute führt eine Buslinie vorbei: die 581 von Limburgerhof in die Ludwigshafener Innenstadt. Die Haltestelle heißt seit Längerem jedoch Kreisbad.
Der Anfang vom Ende für Esbella kam in den 1980er-Jahren, als die Schaper-Gruppe aus Hannover Esbella übernahm. Das von Adolf Schaper gegründete Unternehmen wurde von 1987 von der Asko-Gruppe geschluckt. Diese wiederum hatte sich wenige Jahre später der Handelsriese Metro einverleibt. Binnen weniger Jahre wurden bundesweit alle Massa-, Esbella, Divi- und Plaza-Märkte in Real umgetauft.
Und Metro baute teilweise neu, etwa in Mutterstadt. Zu Beginn der 1990er-Jahre wurde das alte Esbella-Gebäude abgerissen, während parallel an heutiger Stelle der neue Real-Markt gebaut wurde. Eröffnung war im November 1992.
Heinrich Knappe engagierte sich später in der Kommunalpolitik und war lange Jahre Ortsbürgermeister von Carlsberg im Kreis Bad Dürkheim, wo er 2016 im Alter von 91 Jahren starb.
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