Mutterstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Real-Markt: Was machen die kleinen Händler?

Von der Real-Kundschaft profitieren auch die kleinen Geschäfte. Die müssen nun improvisieren.
Von der Real-Kundschaft profitieren auch die kleinen Geschäfte. Die müssen nun improvisieren.

Ende Januar schließt der Real-Markt in Mutterstadt. Die kleinen Geschäfte in der Ladenzeile müssen dann raus, die meisten schließen in der Zeit, andere haben eine Alternative gefunden. Für viele ist das ein Rückschlag. Einige sind aber optimistisch.

Der Verbrauchermarkt Real, der Lebensmittel, aber auch Non-Food-Waren im Sortiment hat, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Edeka-Markt. Doch erst einmal wird die riesige Halle umgebaut, nach Auskunft der meisten Einzelhändler, die im Innenbereich vor dem Real ihre Geschäfte haben, soll das bis Ende Mai dauern. Sie müssen für die Zeit des Umbaus raus. Die meisten schließen für diese vier Monate ihr Geschäft am Standort, wie etwa die Filiale von Rofu Kinderland, das asiatische Restaurant Fu Loi Hikari, der O2-Laden, das Blumengeschäft, die Easy-Apotheke, die Empire-Videothek, der griechisch-türkische Feinkost-Laden Daud sowie die Filiale der Bäckerei Görtz. Alle wollen nach eigenen Angaben wiederkommen und ihr Geschäft nach dem Umbau in der Halle weiter betreiben.

Zur Zwangspause samt Umbau und Wechsel zu einem anderen Lebensmittel-Riesen gibt es unter den Geschäftsleuten unterschiedliche Meinungen. Peter Görtz, Geschäftsführer der Bäcker Görtz GmbH, etwa ist überzeugt, dass „diese Entwicklung eine große Chance für den Standort ist und dass dieser durch den Betreiberwechsel deutlich aufgewertet wird“. Auch das Ehepaar Kawa Tofiq und Sabine Guhmann sieht in dem Umbau einen möglichen Fortschritt für ihr Unternehmen. Sie haben das Feinkostgeschäft Mesinia erst Anfang November 2021 übernommen, nun heißt es Daud Feinkost. Angeboten werden frische griechische und türkische Lebensmittel. „Wir haben ja schon bei der Übernahme gewusst, dass ab Ende Januar geschlossen wird. Wir wollen diese Zeit für den Umzug nutzen“, sagt Sabine Guhmann. So wird die Feinkost-Theke zwei Geschäfte weiter ziehen, dorthin, wo einst die Metzgerei Zeiss eine heiße Theke hatte. Die ist schon seit Längerem geschlossen. „Nach dem Umbau ist unsere eigentliche Neueröffnung, wir möchten dann auch das Sortiment erweitern, etwa um türkische Backwaren oder kleine Snacks“, sagt sie. Vor der Geschäftsübernahme führte das Paar einen Supermarkt in Frankenthal.

„Erdenklich schlechter Zeitpunkt“

Das Rofu Kinderland wird in den vier Monaten ebenfalls umgebaut. „Natürlich sind wir traurig über den Umsatzausfall, freuen uns aber auch auf die Wiedereröffnung im neuen, modernen Look. Unser Team wird komplett erhalten bleiben und im Umbauzeitraum in den umliegenden Standorten arbeiten“, sagt Online-Marketing-Leiter Roman Kaufmann.

Nicht ganz so optimistisch sieht Björn Köppler, Leiter der Empire-Videothek, die Schließzeit. „Wir haben gerade wieder die Kundenzahlen wie vor dem letzten Lockdown erreicht – und nun müssen wir wieder für vier Monate zumachen“, sagt er. So gesehen komme der Umbau „zu einem erdenklich schlechten Zeitpunkt“. Gern hätte er seine Kunden über einen Hintereingang bedient – die Videothek liegt am äußersten Rand der Halle. Doch sei das aus Sicherheits- und Brandschutzgründen nicht möglich. Die Videothek hat ein sehr großes Angebot an Leih-Filmen und mehr, so dass ein Ausweichen in einen behelfsmäßigen Container keine Alternative wäre. Köppler hofft, dass die Stammkundschaft auch nach dieser Schließung wiederkommt.

Container als Zwischenlösung

Für andere Geschäfte ist ein Container schon eine Alternative: So wird der Cigo-Shop, der unter anderem Tabakwaren, Zeitschriften und Karten anbietet und zudem eine Post-Filiale ist, in einem Container vor der Real-Halle seine Waren und seinen Service anbieten, wie ein Postsprecher bestätigt. Ebenso wird es auch Resat Teker mit seinem Service Punkt handhaben. Er repariert Schuhe, schleift und graviert, macht Schlüssel nach und wechselt Uhrenbatterien. Auch für ihn waren die letzten zwei Jahre mit den Lockdowns nicht einfach, und darum möchte er nicht noch einmal ein paar Monate schließen müssen. Er ist aber skeptisch, ob er genauso viele Kunden in der Umbauphase haben wird wie sonst. „Ich denke, es werden wohl so 30 Prozent weniger sein“, sagt er und hofft auf seine treuen Stammkunden.

Eine feste Institution in der Real-Markt-Halle ist das Antalya Grill Restaurant von Ali Öedek. Auch er wird mit seinem Team in der Zeit des Umbaus in einem Container seine türkischen Speisen anbieten. Für ihn ist es ein bisschen wie in seiner Anfangszeit hier. „Vor 21 Jahren habe ich auf dem Parkplatz aus einem Pavillon heraus meine Speisen verkauft, jetzt habe ich ein paar graue Haare mehr“, sagt er und lacht. Vor sechs Jahren ist er dann in die Halle gezogen und etwas später hat er nebenan noch sein VIP-Eiscafé eröffnet. Mit dem Umbau möchte er ein weiteres Mal etwas verändern, denn eine nebenliegende Geschäftsfläche werde frei, erzählt Öedek. Das Restaurant soll vergrößert werden, dann auch mit mehr Sitzplätzen. Auch das Eiscafé soll optimiert werden, so soll Eis auch aus einem Pavillon draußen verkauft und die Speisekarte erweitert werden, zum Beispiel um Crêpes-Varianten. Dass ihm die Umbau-Phase Kunden kosten könnte, glaubt der Geschäftsmann nicht. „Ich habe hauptsächlich Stammkunden aus Mutterstadt und den umliegenden Gemeinden wie Limburgerhof, die hier regelmäßig essen“, sagt er.

Umzug in den Ort

Der Betreiber des Marktbrunnens, Mohamed-Salah Bayoudh, plant ebenfalls, in einen Container auszuweichen, entschieden ist das nach seiner Auskunft aber noch nicht. An seiner Theke bietet er in der Ladenzeile Getränke an und es gibt einen Spielautomaten. Der Imbiss von Nihat Özdil am Eingang des Marktes wird in einem Imbiss-Wagen auf den Parkplatz weiter geöffnet bleiben.

Diese mobile Variante, nur größer, plant auch der Friseur Haarschnitt. „Wir werden einen großen Friseur-Truck für die Zeit mieten, der wird aber nicht im Gewerbegebiet, sondern auf dem Messplatz in Mutterstadt, Ecke Bohligstraße/ Turnstraße, direkt am Palatinum stehen“, informiert Geschäftsinhaber Volker Andres. Dort, wo sonst die Mutterstadter Kerwe gefeiert wird, seien die benötigen Versorgungsleitungen vorhanden. Der Unternehmer fürchtet dennoch in dieser Zeit einen Umsatzverlust wegen fehlender Laufkundschaft; die mache rund 30 Prozent aus, 70 Prozent seien Stammkunden. Hinzu komme, dass es im Truck nur acht anstatt der 15 Frisierplätze geben wird. Um die 18 Arbeitsplätze seiner Angestellten zu erhalten, werden sie im Truck in Schichten arbeiten, einige werden in der Zeit in den anderen Geschäften von Andres frisieren. Die andauernde Corona-Situation habe auch seinem Unternehmen, das nun schon zehn Jahre am Real ist, zugesetzt, der finanzielle Spielraum für die Truck-Variante sei daher sehr begrenzt gewesen. „Wir müssen nun in eine komplett neue Situation umziehen, die uns vor ganz neuen Herausforderungen stellen wird“, sagt Andres. Doch er ist zuversichtlich, dass sein Team das schaffen werde.

Das Nagelstudio „My Nails“ wird auch nach Mutterstadt ausweichen: in die Neustadter Straße 58, wie die Inhaberin berichtet.

Alles muss raus: Schlussverkauf bei Real, dann übernimmt ein neuer Lebensmittelriese.
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