Rhein-Pfalz Kreis 75 Jahre danach

Amanda Fischer (1900 bis 1942) aus Neuhofen, Susanna Mayer (1895 bis 1942) aus Iggelheim, Leo Levy (1900 bis 1942) aus Schifferstadt und Julius Löb (1908 bis 1942) aus Mutterstadt haben vor 75 Jahren das gleiche Schicksal erlitten: In den frühen Morgenstunden des 22. Oktobers 1940 wurden sie von Beamten der Gestapo (Geheime Staatspolizei) aus ihren Wohnungen geholt und zusammen mit über 6500 anderen Leidensgenossen während der sogenannten „Wagner-Bürckel-Aktion“ in das über 1300 Kilometer entfernte Internierungslager im südfranzösischen Gurs deportiert. Die meisten wurden später ins Konzentrationslager Auschwitz oder andere Lager in Osteuropa gebracht und ermordet. An die vor 75 Jahren verschleppten jüdischen Mitbürger wird in ihren Heimatgemeinden dieser Tage auf unterschiedliche Weise erinnert. Zum heutigen Gedenktag selbst finden keine Veranstaltungen statt. „In Schifferstadt wurden zum Gedenken an unsere jüdischen Mitbürger bereits Stolpersteine des Künstlers Gunther Demnig verlegt. Für März kommenden Jahres ist eine weitere Verlegung geplant“, teilt Uwe Volk vom Referat Wirtschaft und Kultur der Stadtverwaltung mit. Stolpersteine tragen den Namen und die Lebensdaten von Verfolgten des Nazi-Regimes und werden an Orten ins Pflaster gesetzt, an denen die Menschen zuletzt gelebt oder gearbeitet haben. Anlässlich der Reichsprogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938, bei der in Deutschland und Österreich jüdische Gotteshäuser, Wohnungen und Geschäfte, auch in Schifferstadt, in Brand gesetzt und geschändet wurden, veranstaltet das örtliche „Bündnis gegen Rechts und für Toleranz“ am Montag, 9. November, um 19 Uhr eine Lesung. Die Schauspieler Frank Eller und Sascha Stegner lesen im Alten Rathaus, Marktplatz 1, aus dem Buch „Adressat unbekannt. Ein Briefwechsel zwischen Amerika und Deutschland“ von Kathrin Kressmann-Taylor. Der Eintritt ist frei. Im Juli dieses Jahres wurden auch in Iggelheim zwölf Stolpersteine gesetzt. Am 10. November findet um 18 Uhr im Ortsteil Böhl in der Schulstraße am Platz der ehemaligen Synagoge ein Gedenken an die Pogromnacht statt. „In Verbindung damit wird auch an den 22. Oktober 1940 erinnert“, sagt Werner Scarbata vom Arbeitskreis „Für Vielfalt und gegen Extremismus“ unter dem Dach der Lokalen Agenda 21 Böhl-Iggelheim. „Wir werden nächste Woche mit einer Anzeige im Amtsblatt an den 75. Jahrestag der Deportation nach Gurs erinnern. Im Rahmen des zeitnahen Volkstrauertages wird dann auch der Deportation gedacht und im Ehrenhof des Friedhofs an der Gedenktafel ein Kranz der Gemeinde niedergelegt“, teilt Gunther Holzwarth, Büroleiter bei der Gemeindeverwaltung Mutterstadt, mit. Eine Wanderausstellung über die Geschichte der Mutterstadter Juden, eine virtuelle Rekonstruktion der örtlichen Synagoge anlässlich des 100. Jahrestages ihrer Einweihung im Jahr 2005, Kontakte zu ehemaligen Mutterstadter Juden und zahlreiche Gedenkveranstaltungen zu verschiedenen Jahrestagen: Auf vielfältige Weise hat die Gemeinde in der Vergangenheit ihrer ehemaligen Mitbürger jüdischen Glaubens gedacht oder Projekte unterstützt, erklärt Holzwarth. Hierbei hat sich in den vergangenen Jahrzehnten besonders der Unternehmer Herbert Metzger engagiert. Unter anderem hat er die Bürgeraktion „Gedenkmaßnahme für die nach Gurs deportierten Mutterstadter jüdischer Herkunft“ ins Leben gerufen. „Ein besonderes öffentliches Gedenken ist nicht vorgesehen. Die Erinnerung an unsere jüdischen Mitbürger erfolgt am Volkstrauertag“, erklärt Gerhard Frey, Ortsbürgermeister von Neuhofen.