VG Römerberg-Dudenhofen
50 Jahre FDP: Mit liberalem Elan und Promi-Rückenwind
Wenn es um die Chancen der FDP bei den diesjährigen Kommunalwahlen geht, so macht sich Jürgen Creutzmann nichts vor: „Ich hoffe, dass wir einigermaßen ordentlich abschneiden. Aber wir hängen natürlich ab von der Performance auf Bundesebene.“ Und die wird in großen Teilen der Bevölkerung derzeit eben als nicht besonders gut wahrgenommen. Andererseits ist es für Creutzmann auch nichts Neues, aus schier aussichtsloser Position für seine Partei zu kämpfen. Als er 1974 mit neun Mitstreiterinnen und Mitstreitern den FDP-Gemeindeverband im Dudenhofener Gasthaus „Zum Adler“ aus der Taufe hob, deren Vorsitzender Creutzmann wurde, hatten die Liberalen bei den zurückliegenden Bundestags- und Landtagswahlen in den drei Ortsgemeinden der damaligen VG Dudenhofen teils deutlich unter 5 Prozent gelegen. Trotzdem – oder gerade deshalb – entschloss sich Creutzmann, der 1973 von Speyer nach Dudenhofen gezogen war und sein Engagement bei der FDP eigentlich etwas zurückschrauben wollte, den Versuch zu unternehmen, bei den anstehenden Kommunalwahlen mit einer Liste und viel Elan für Orts- und Verbandsgemeinderat anzutreten.
Gegen CDU-Mehrheit
Mit Erfolg: 13,6 Prozent und 9,5 Prozent Stimmenanteil bedeuteten letztlich jeweils zwei Sitze in den Gremien. „Unser damaliges Wahlprogramm war kurz und klar“, schildert Creutzmann in einer Festschrift zum zehnjährigen Bestehen des Ortsverbands jenen ersten Wahlkampf. Die Dudenhofener FDPler hätten sich das Motto „Fünf präzise Forderungen im Wahlkampf sind besser als 20 allgemeine Sprüche“ zu Herzen genommen. Hauptgegner sei damals die mit absoluter Mehrheit regierende CDU gewesen. Mit dem damaligen Verbandsbürgermeister habe es harte, teilweise persönliche Auseinandersetzungen in der Presse gegeben, berichtet Creutzmann. Am Ende verhinderte dies nicht einen Wahlerfolg der Liberalen, die seitdem in den Räten mit in der Regel zwei oder drei Sitzen ihren festen Platz haben. Auch in Römerberg, Harthausen und Hanhofen ist die FDP vertreten. Und für die Wahl am 9. Juni sollen wieder für sämtliche Gremien Listen aufgestellt werden.
Der mittlerweile 78-jährige Creutzmann schaffte es in den vergangenen fünf Jahrzehnten nicht nur, seine Partei auf kommunaler Ebene zu etablieren, er lotste auch zahlreiche Prominente in seine Heimat. Vor allem gelang ihm das mit dem jährlichen FDP-Spargelessen, das es seit 1978 gibt und das seitdem von Hans-Dietrich Genscher, Rainer Brüderle, Guido Westerwelle, Wolfgang Kubicki oder Christian Lindner – teils mehrfach – besucht wurde, um nur einige zu nennen. Als Genscher 1985 nach Dudenhofen kam, um Pfälzer Spargel zu genießen, hatte er direkt vorher ein Statement zu einem aktuellen Thema als Außenminister an die Medien gegeben, das er auch bei seiner Rede in Dudenhofen wiederholte. Creutzmann weiß zwar nicht mehr genau, worum es dabei ging, aber an eines erinnert er sich genau: „Abends in der Tagesschau kam gleich als erste Meldung, dass Genscher das bei einer Veranstaltung in Dudenhofen gesagt hat.“ Intern hätten die Liberalen aus dem Speyerer Umland seitdem immer scherzhaft von Genschers „Dudenhofener Erklärung“ gesprochen.
Ob Kinderfeste oder Faschingsfeten – die FDP hat in den vergangenen 50 Jahren auch im gesellschaftlichen Leben in Dudenhofen ihre Spuren hinterlassen. Anlässlich des zehnjährigen Bestehens gelang es Creutzmann, Komiker Didi Hallervorden zu einem Auftritt nach Dudenhofen zu holen. Ein Quartier für den Künstler hatte er in der Ganerb reserviert. „Dort war dann aber gleichzeitig eine Hochzeitsfeier“, erinnert sich Creutzmann. „Hallervorden hat gesagt, er geht wieder, wenn er keine andere Unterkunft kriegt.“ Kurzerhand organisierte der FDP-Mann den Umzug ins „Lamm“. Dem Erfolg der Veranstaltung – Hallervorden trat gleich zweimal an einem Tag in Dudenhofen auf – tat das ebenso wenig Abbruch wie spätere Wahlkampfhilfe durch den Promi: Als Jürgen Creutzmann 2014 für das Amt des Dudenhofener Ortsbürgermeisters kandidierte, ließ sich Hallervorden für einen Wahlkampfflyer mit dem Satz zitieren „Wenn ich in Dudenhofen wählen dürfte, würde ich mein Kreuz bei Creutzmann machen.“
Neue Generation
Trotz seiner Karriere in der Landes- und Europapolitik hat Jürgen Creutzmann die Kommunalpolitik immer geschätzt: Dort könne man wirklich Einfluss nehmen. Und: „Wenn man ein gutes Argument hat, dann wird es von den anderen angenommen“, hat er beobachtet. Das 78-jährige FDP-Urgestein hat sich mittlerweile aus der ersten Reihe – zumindest auf dem Papier – zurückgezogen und das Feld in dem 36 Mitglieder zählenden Gemeindeverband Jüngeren überlassen: Der Römerberger Justus Rabe führt diesen aktuell.
Er und seine Mitstreiter haben dafür gesorgt, dass die FDP in sozialen Netzwerken wie Facebook und Instagram präsent ist. Entgegen dem schlechten Ruf, den Diskussionen dort zum Teil genießen, sagt der Dudenhofener Timothy Starratt: „Wenn man sich die Zeit nimmt, mit den Leuten zu reden, sind sie glücklich. Da entwickeln sich tolle Dialoge.“ Aber auch in der realen Welt versuchen die Liberalen weiter Menschen in der Verbandsgemeinde Römerberg-Dudenhofen nicht nur als Wähler, sondern auch als aktive Unterstützer zu gewinnen. Justus Rabe hat schon den ein oder anderen für die FDP rekrutieren können, indem er einfach fragte, ob er sich ein Engagement vorstellen könne. Andererseits spürt auch Rabe die negative Stimmung auf Bundesebene. „In Dudenhofen haben wir wegen der Bauernproteste Leute von der Liste verloren“, sagt er. Eine für die Partei günstigere „Großwetterlage“ könnte der FDP helfen, auch die nächsten 50 Jahre in der Verbandsgemeinde Spuren zu hinterlassen.
Termin
Jubiläumsfeier 50 Jahre FDP-Gemeindeverband Römerberg-Dudenhofen am Sonntag, 3. März, 11 Uhr, Bürgerhaus Dudenhofen.