Rhein-Pfalz Kreis 2500 Euro für Toilettenpapier

Die Aufgabe einer Schulleiterin sei, sich für die bestmögliche Ausstattung ihrer Schule einzusetzen, sagte Juliane Popp in der S
Die Aufgabe einer Schulleiterin sei, sich für die bestmögliche Ausstattung ihrer Schule einzusetzen, sagte Juliane Popp in der Sitzung des Birkenheider Ortsgemeinderats. Manche Ratsmitglieder aber finden, dass die Schulleiterin es bei ihren Forderungen übertreibt.

«Birkenheide.» Die Albertine-Scherer-Grundschule in Birkenheide hat wie üblich ihren Mittelbedarf für das nächste Jahr angemeldet. Genehmigt der Ortsgemeinderat diesen, kann der Kämmerer ihn im Haushalt einplanen. Dazu kam es in der Sitzung am Montag aber nicht, da Ratsmitglieder Zweifel an den Kosten hegten, die die Schulleiterin veranschlagt. Nun soll sich der Schulträgerausschuss damit befassen. Damit sich die Schulleiterin zu den Vorwürfen äußern kann.

Laut Gemeindeverwaltung rechnet Andrea Scherrer, Leiterin der Birkenheider Albertine-Scherer-Grundschule 2019 mit Unterhalts- und Ersatzmaterialkosten von rund 26.000 Euro. Daneben schlägt sie Investitionen in Höhe von 60.000 Euro vor. Davon sollen 40.000 Euro in den Austausch des Fußbodens im Erdgeschoss des Schulgebäudes fließen und 20.000 Euro in die Erneuerung der Jungentoiletten. Der Fußboden müsste laut Verwaltung in der Tat dringend saniert werden. Ortsbürgermeister Siegmund Hein (SPD) erinnerte daran, dass der Schulträgerausschuss dem Rat einstimmig empfohlen habe, den angemeldeten Mittelbedarf anzunehmen. Dass manches Ratsmitglied damit ein Problem haben würde, deutete schon die erste Wortmeldung Michael Epples (CDU) an: „Am Ende steht, bei Bedarf würden Angebote eingeholt. Das macht hoffentlich nicht Frau Scherrer?“ Heins Antwort: Investitionen laufen grundsätzlich über die Verwaltung. Um Unterhalt und Ersatzbeschaffungen kümmern sich teils die Verwaltung, teils die Schulleitung. Mittlerweile hole Scherrer mehrere Angebote ein. Andreas Tossmann (CDU) hielt einige der aufgelisteten Kosten für utopisch. „Wenn ich 2000 Euro nur für Kopier-Papier sehe, verschlägt es mir fast die Sprache.“ Er selbst beziehe für sein Büro von einem namhaften Großhändler aus der Region Kartons à 2500 Blätter für etwa 15 Euro. Wenn er das hochrechne, benötige die Grundschule 340.000 Blätter im Jahr. Geteilt durch die Anzahl der Schultage entspräche das einem Bedarf von 1800 Blättern täglich. Das halte er nicht für realistisch. Zweites Beispiel: 2500 Euro für Toilettenpapier. „Das wären 13.000 Rollen für eine Grundschule.“, sagte er und kritisierte auch die 1500 Euro für Beamer-Ersatzteile. „Dafür bekomme ich vier komplett neue Geräte.“ Vermutlich setze Scherrer bewusst zu hohe Beträge an, um ein größeres Budget zu bekommen, mutmaßte Tossmann. Hein wies darauf hin, dass es sich lediglich um Kostenschätzungen handle. Auf die Frage, ob die Verwaltung überprüft habe, ob diese plausibel sind, sagte der Ortschef, er habe den Kämmerer darum gebeten. „Und ich habe aus dem Fachbereich keine Rückmeldung bekommen, dass da etwas nicht normal ist.“ Nicht zuletzt sei es Aufgabe einer Schulleiterin, sich für die bestmögliche Ausstattung ihrer Schule einzusetzen. Juliane Popp (fraktionslos) warb für ein begrenztes Budget, mit dem Scherrer haushalten und notfalls Prioritäten setzen müsse. Eine Bürgerin, die in der Sitzung anwesend war, überraschte mit der Aussage, die Schule kassiere von den Eltern zehn Euro Kopiergeld. Daraufhin forderten Ratsmitglieder parteiübergreifend eine Überprüfung. Ein SPD-Mitglied kritisierte wiederum die Unterstellungen gegenüber der Schulleiterin. Der Rechnungsprüfungsausschuss kontrolliere die Rechnungen stets und habe nichts beanstandet. Steffen Gottschlich (CDU) vermutete, dass hier manipulativ gearbeitet werde. Wilfried Dorsch (SPD) hatte ebenfalls den Eindruck, dass einige Zahlen „über die Realität hinausgehen“. Er schlug vor, dass Thema in den Schulträgerausschuss zu verweisen. Denn Schulleiterin Scherrer gehöre diesem Gremium an und könne sich dann zu den verschiedenen Punkten und Vorwürfen selbst äußern. Damit waren die Ratsmitglieder einverstanden. Gestern Nachmittag erreichte die RHEINPFALZ die Schulleiterin nicht mehr telefonisch.

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