Pirmasens
Warum eine Genfer Luxusleder-Marke die Welt aus Pirmasens beliefert
Der Pirmasenser Steffen Ross ist hörbar begeistert von dem Schweizer Unternehmen und führt als operativer Geschäftsführer die deutsche Niederlassung auf dem früheren Helmitin-Gelände in der Zweibrücker Straße. Ross kommt aus dem Luxussegment, war vorher bei Louis Vuitton in Frankreich und kam 2019 zurück nach Pirmasens, zunächst, um die Werkzeugentwicklung für Lucrin aufzubauen.
„Das war klein geplant“, erzählt Ross bei der Führung durch die Hallen, in denen früher Klebstoffe von Helmitin, Forbo und zuletzt Fuller produziert wurden. Aus einer Halle wurden zwei und dann drei. Jetzt ist Hightech mit modernen CAD/CAM-Maschinen in den rundum erneuerten und energetisch optimierten Hallen zu finden. Nähmaschinen wie in der Schuhfabrik stehen neben 3D-Druckern. Die Atmosphäre gleicht einer Schuhfabrik, allerdings alles entspannter.
Werkzeuge zum Stanzen und Buggen von Handyhüllen aller Art, Visitenkartenetuis, Schreibtischunterlagen oder Taschen werden hier entwickelt, produziert und gleich produktionsfertig für die Werke in Spanien, Tunesien, Malaysia oder den USA zusammengepackt. Dazu kommen Personalisierungen von fertigen Produkten per Prägung oder UV-Druck, womit beispielsweise ein Konferenzmappe gleich mit dem Namen des Besitzers oder Unternehmens versehen werden kann.
„Der Standort hier ist top für uns“
Das Design komme aus der Schweiz, Ross und sein 22-köpfiges Team sorgen für die Umsetzung in den weltweit sieben Produktionsstätten. Warum das ausgerechnet in Pirmasens passiert, ist eine Frage, die sich für Ross gar nicht stellt: „Pirmasens ist verdammt stark mit allem, was mit Leder zu tun hat“, verweist er auf die sehr lange Geschichte der Schuhindustrie in Pirmasens.
Wenn Ross etwas benötigt, braucht er nicht lange in der Welt rumzusuchen. Eine spezielle Buggmaschine sei etwa mit dem Maschinenbauer PMF in Schweix entwickelt worden, nennt er ein Beispiel. Kurze Wege und ein Netzwerk an Lieferanten sei hier in der Region zu finden, schwärmt der Geschäftsführer von den Vorzügen der Stadt für die lederverarbeitende Industrie. Direkt nebenan beispielsweise sei noch die Firma Keck. „In Pirmasens finde ich immer jemand, der das Wissen hat, das wir brauchen“, erzählt Ross. „Der Standort hier ist top für uns.“
634 Artikel vertreibt Lucrin weltweit über Pirmasens und die meisten davon finden sich in mehreren großen Paternostern, die als Kleinteilelager jedes gewünschte Stück auf Knopfdruck liefern. Der Vorteil der Paternoster: Nach Dienstschluss sind die Produkte sicher unter Verschluss. Rund 250 Sendungen gehen von hier täglich in die ganze Welt. Bestellt werden kann über die Internetseite in 28 Sprachen. Die Produktpalette erweitere sich ständig.
Büros und Hotels zählen zu den Kunden
Das Unternehmen Lucrin wurde 1994 in Genf gegründet. Neben dem Verkauf an Privatpersonen werden komplette Unternehmen mit personalisierten Büroartikeln vom Notizzettelhalter bis zum Papierkorb für mehr als 500 Euro ausgestattet. Kunden sind auch Hotels, in denen Serviettenringe und Taschentuchboxen aus dem Hause Lucrin kommen können – alles in verschiedenen Lederarten vom normalen Glattleder bis zu Krokodiloptik oder Ledern von Ziege, Strauß sowie Kalb. Und unter Umständen könnte das Lucrin-Sortiment auch noch um eine ganz klassische Pirmasenser Produktkategorie erweitert werden: Schuhe. „Vielleicht haben wir bald noch Sneaker“, verrät Ross.