Wochenendkolumne
Kapitalismus, aber nicht um jeden Preis
Nicht um jeden Preis
Schnelles Internet. Klingt verlockend. Oder? Scheinbar nicht für alle. Oder zumindest nicht um jeden Preis. Die Deutsche Glasfaser hat angeboten, Pirmasens auf die Überholspur der Datenautobahn zu schubsen. Einzige Bedingung: Mindestens ein Drittel der infrage kommenden Haushalte muss einen Vertrag unterschreiben. Die Stadt unterstützt das Vorhaben eines privaten Unternehmens. Sie lud extra zur Pressekonferenz und kürzlich hat Oberbürgermeister Markus Zwick in einem Brief an die Bürger nochmals für das schnelle Internet bei der Deutschen Glasfaser geworben. Mal davon abgesehen, dass es für ein Stadtoberhaupt nicht unbedingt zur Pflicht gehört, für eine Firma zu werben und dafür die Stadtverwaltung in Anspruch zu nehmen, haben sich die Mühen bislang nicht gelohnt.
Die Frist, binnen derer sich die Bürger bei der Deutschen Glasfaser melden konnten verstrich, ohne dass genügend Verträge zustande kamen. Die Firma hat die Frist jetzt nochmals verlängert. Wer sich mit Bürgern, aber auch Politikern anderer Gemeinden unterhält, hört viel Skepsis und Unbehagen, wenn es um die Deutsche Glasfaser geht. Sie berichten von Problemen, die offenbar auch bei den Pirmasensern für Zurückhaltung sorgen. Die Deutsche Glasfaser hat vielerorts ein Imageproblem. Das zu ändern, liegt an der Firma selbst. Leicht dürfte es aber nicht werden. Ein Brief des Oberbürgermeisters wird daran sicher nur wenig ändern.
Profitorientiert
Drei Millionen Euro hat die Wasgau in ihren Markt auf der Husterhöhe gesteckt. Eine schöne Stange Geld. Wasgau-Kunden aus Winzeln und Gersbach reklamieren derweil, dass sie nicht verstehen können, warum in ihr geschätzter Wasgau in Winzeln nicht auch investiert wird. Sie können schwer nachvollziehen, warum „ihr“ Wasgau geschlossen werden muss, während auf der Husterhöhe drei Millionen Euro in die Sanierung fließen.
Der Grund dafür ist einfach und lautet: Marktwirtschaft. In Winzeln sehen die Wasgau-Verantwortlichen offenbar nicht die gleiche Chance, Geld zu verdienen wie auf der Husterhöhe. Scheinbar ist der Standort attraktiv. Schließlich hat der Discounter Netto dort seine Filiale ebenfalls gewaltig auf Vordermann gebracht. Aus unternehmerischer Perspektive ist die Wasgau-Investition leicht nachvollziehbar. Kleine Orte und nicht-mobile Kunden werden allerdings zunehmend dem Profit geopfert. Das ist die Schattenseite des Kapitalismus.
Audienz
Vor zwei Wochen hatte ich an dieser Stelle von der selbsternannten Kultfigur Schlappe-Ronny berichtet. In ihrem ballonseidenen Anzug macht sie Werbung für die VR-Bank-Südwestpfalz: auf Plakaten und im Internet. Schlappe-Ronny ist offenbar auch regelmäßiger Leser der RHEINPFALZ. Die Wochenendkolumne hat er nicht nur zur Kenntnis, sondern auch zum Anlass für eine Einladung genommen.
Er empfängt mich diese Woche zu einer Audienz. Ich bin gespannt, was mich erwartet und was mir dieser Typ alles erzählen wird. Ich werde über mein Treffen mit Schlappe-Ronny berichten.