Von Woche zu Woche RHEINPFALZ Plus Artikel Kolumne: Welche Unternehmen soziale Netzwerke verstanden haben – und welche nicht

ronny

Liebe Leserinnen und Leser,

kennen Sie schon Schlappe-Ronny? Nein? Dann haben Sie etwas verpasst. Seit ein paar Wochen treibt dieser Typ sein Unwesen. Zum ersten Mal ist er mir im Internet aufgefallen, bei Instagram. In dem sozialen Netzwerk bezeichnet er sich als „Kultfigur“. Seine Markenzeichen sind – der Name verrät es – Schlappen. Besser gesagt: Badelatschen. Außerdem trägt Ronny in der Öffentlichkeit einen rosa Trainingsanzug, Sonnenbrille und Schnorres. Der vor vielen Jahren moderne Haarschnitt Vokuhila (vorne kurz, hinten lang) ergänzt sein eigentlich unbeschreibbares Äußeres.

Warum schreibe ich das alles? Schlappe-Ronny arbeitet nämlich für die VR-Bank Südwestpfalz. Das Kreditinstitut hat eine flotte Marketingkampagne gestartet, die zumindest ich der altehrwürdigen Bank gar nicht zugetraut hätte. Schlappe-Ronny begegnet mir mittlerweile öfter im Internet. Stets in seine Trainingsanzug-weiße-Socken-Sonnenbrille-Uniform gekleidet, oftmals einen lockeren Spruch auf den Lippen. Wer nicht so viel im Internet unterwegs ist, kann Schlappe-Ronny derzeit auf Plakaten in der Stadt begutachten, etwa am Exerzierplatz. Dort freut er sich, dass es bald etwas zu essen gibt: „Geil, glei gebt’s Schnitzel!“ Was das alles mit einem Kreditinstitut zu tun hat, erschließt sich nicht auf den ersten Blick. Aber die VR-Bank Südwestpfalz sorgt mit Ronny für Gesprächsstoff. Das ist ein echter Marketingcoup. Chapeau!

Sparkasse hat es nicht verstanden, Reppa schon

Nun gibt es in Pirmasens noch andere Banken, die Kreissparkasse Südwestpfalz etwa. Die ist ebenfalls bei Instagram aktiv. Allerdings haben die Verantwortlichen dort noch nicht verstanden, dass ein soziales Netzwerk anders funktioniert als eine Verkaufsshow im Fernsehen. Freundlich und sicher auch kompetent berichten zwei junge Mitarbeiterinnen bei Instagram, was ein Bausparvertrag ist und wie das alles funktioniert. Mich würde mal interessieren, wer die Zielgruppe dieser Werbung sein soll. Ein öderes Format habe ich bei Instagram noch nicht gesehen.

Wobei junge Menschen mittlerweile eher auf dem Video-Portal Tik Tok unterwegs sind. Pirmasenser Firmen sind dort kaum präsent. Aber der Münzhändler Reppa zeigt, dass es kein Ding der Unmöglichkeit ist, sich locker und sympathisch im Internet zu präsentieren. Mit einer Prise Selbstironie bespielen die Reppa-Auszubildenden den Tik-Tok-Kanal ihres Unternehmens. Da ist sicher auch nicht jeder Beitrag gelungen, aber ich muss fast immer schmunzeln, wenn ich mir die kurzen Clips anschaue. Ähnlich geht es mir beim Schlappe-Ronny.

Ich vermute übrigens, dass es sich bei Ronny um eine Frau handelt. Darauf weisen nicht nur die feinen Augenbrauen hin, die hinter der Sonnenbrille versteckt sind, sondern auch seine (oder eher ihre?) helle Stimme. Vielleicht lüftet die VR-Bank ja mal das Geheimnis. Derweil warte ich auf den nächsten Clip von Schlappe-Ronny. Es würde mich freuen, die Kultfigur mal in echt zu treffen!

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