Pirmasens RHEINPFALZ Plus Artikel Erinnerungen an Pirmasens: Ein Besuch bei Rapper Massiv in Berlin

Massiv vor den zwei Häusern auf seinem Berliner Anwesen.
Massiv vor den zwei Häusern auf seinem Berliner Anwesen.

Aus Pirmasens stammend hat der Musiker Massiv sich einen Namen als Gangsta-Rapper gemacht. Er hat viele gute Erinnerungen an seine Heimatstadt, aber auch eine ganz schlechte.

Das rote T-Shirt spannt über die Schultern und an den muskulösen Oberarmen. Im Mund hat er einen Zahnstocher. Schwarze Hosen komplettieren das Outfit, in dem Wasiem Taha den Journalisten aus der früheren Heimat empfängt. Die Szene spielt sich ab im Norden Berlins. Dorthin hat es den Sohn von Einwanderern aus Palästina vor rund 20 Jahren verschlagen. Heute ist er 43 Jahre alt. Mit seinem Geburtsnamen spricht den gebürtigen Pirmasenser kaum noch jemand an. Stattdessen hat er in der Rapperszene unter dem Künstlernamen „Massiv“ auf sich aufmerksam gemacht.

2005 ging es für ihn in die Hauptstadt. Er wollte damals als Musiker durchstarten. 20 Jahre später kann man sagen, dass ihm das gelungen ist. Aber Massiv erinnert sich im Gespräch mit der RHEINPFALZ noch gut an die Anfänge in Pirmasens. Weil es mit diversen angefangenen und abgebrochenen Ausbildungen nicht so richtig klappte, nahm er ein Demotape auf. Zwei Wochen hat er sich dafür Zeit genommen. „Ich konnte nicht rappen, aber ich habe es versucht“, sagt er rückblickend.

CDs in der eigenen Wohnung verkauft

Die ersten CDs hat er aus seiner damaligen Wohnung in der Wagenstraße verkauft. Zehn Euro das Stück. 380 CDs konnte er auf diese Weise an den Mann bringen. Mit einem Lachen im Gesicht sagt er: „Alle sind auf mich reingefallen.“ Damals nannte Taha sich noch „Pitbull“. Vor der ersten Aufnahme in Berlin wechselte er den Künstlernamen. Warum? „Massiv passt einfach zu mir. Ich bin wetterbeständig.“

Und diese Eigenschaft dürfte einem Gangsta-Rapper nicht schaden. In Berlin durchlebt Massiv harte Anfangsjahre. Er erlebt Gewalt und Brutalität. 2008 fallen Schüsse, Massiv wird an der Schulter verletzt. Aber er kann auch austeilen. 2009 wird der Musiker wegen gefährlicher Körperverletzung zu acht Monaten Haft auf Bewährung und einer Geldstrafe von 1500 Euro verurteilt.

Erfolgreicher Geschäftsmann

Das ist lange her. Umtriebig ist Massiv aber immer noch. Mittlerweile wirkt er im Hintergrund. Seine Geschäfte auch außerhalb des Musikbereichs florieren. An Pirmasens hat er viele Erinnerungen. Zuletzt war er vor knapp drei Jahren in seiner Heimatstadt. Aber er rede viel über Pirmasens, sagt er. Und das nicht nur im privaten Umfeld, sondern auch im Gespräch mit anderen Künstlern. Manche dieser Gespräche sind dokumentiert, weil sie in Podcasts zu hören waren.

In einer dieser Aufnahmen lästert er mit dem bekannten Musiker und Produzenten Sido über Pirmasens. Unter anderem macht er sich darüber lustig, dass in Pirmasens viele Menschen ohne Zähne lebten. „Ist Pirmasens dieser Ort, wo alle keine Zähne mehr haben?“, fragte Sido und Massiv antwortete zustimmend: „Auch Zahnreinigung gibt es da nicht“, ergänzt er. Darauf angesprochen sagt er, dass viele seiner damaligen Freunde mittlerweile ohne Zähne seien. Das sei ihm eben aufgefallen.

Tritt der Rapper bei der OB-Wahl an?

Von der Hauptstadt aus hat er auch die Reaktion von OB Markus Zwick auf die Zahnlästerei mitverfolgt. Der konterte: „Schaut einfach mal in Pirmasens bei mir vorbei, da könnt ihr dann außer Zahnpflege auch noch was in Sachen Rap lernen!“ Massiv nimmt das alles gelassen und mit Humor. Im Gespräch mit der RHEINPFALZ spricht er mehrfach davon, dass er gerne noch mal zurückkommen würde und fast schon nebenbei kündigt er an: „Ich könnte ja als Oberbürgermeister kandidieren.“

In seiner Villa in Berlin verrät derweil wenig, dass der 43-Jährige aus Pirmasens stammt. Dort geht es deutlich mondäner zu. An den Wänden hängen großformatige Kunstwerke, aber auch gerahmte Versionen seiner Musikalben, mit denen er großen Erfolg hatte. Daneben finden sich unterschiedliche Fanartikel mit Unterschriften von Sportlern und Schauspielern wie Mike Tyson, Evander Holyfield, Arnold Schwarzenegger und Sylvester Stallone. Als großer Fan des FC Bayern München hat Massiv natürlich auch gerahmte Trikots von ehemaligen Spielern mit Unterschriften wie Manuel Neuer und David Alaba.

Exklusives Anwesen in Berlin

Das Anwesen des Musikers besteht aus zwei Häusern. Neben der Immobilie, in der er mit seiner Frau und den beiden Kindern wohnt, steht ein zweites Gebäude. Auf zwei Stockwerken kann sich Massiv hier künstlerisch und sportlich austoben. Das Erdgeschoss erinnert an ein sehr exklusives Fitnessstudio mit Sportgeräten vom feinsten. Im Obergeschoss gibt es unter anderem ein Tonstudio. Das Gespräch mit dem Journalisten findet auf einer knallroten Ledercouch statt. Davor steht ein Tisch, auf dem sich ein Modell eines Maybachs befindet. Dazu später mehr.

Im Erdgeschoss eines Gebäudes befindet sich das private Fitnessstudio von Massiv.
Im Erdgeschoss eines Gebäudes befindet sich das private Fitnessstudio von Massiv.

Das Besondere an diesem Haus ist seine bodentiefe Glasfassade. Jeder kann und soll reinschauen, sagt Massiv. Der Künstler will gesehen werden, sei es beim Muskeltraining oder bei einer seiner sonstigen Aktivitäten. Gleichzeitig wolle er nahbar sein. „Ich bin authentisch und will unter Menschen bleiben.“ Immer wieder komme es vor, dass fremde Menschen bei ihm klingeln und ihn um Hilfe bitten.

Faible für ausgefallene Autos

Zurück zum Maybach auf dem Tisch und damit Massivs Faible für ausgefallene Autos. In Pirmasens erzählen Zeitgenossen noch von seinem auffälligen Cabrio, mit dem er damals unterwegs war. Und auch Massiv erinnert sich noch an den BMW mit goldenen Felgen, dessen goldgrüne Chamäleon-Lackierung bei Feuchtigkeit lila wurde. Mit dem außergewöhnlichen Fahrzeug fuhr er von Pirmasens nach Berlin. Allerdings wurde ihm die Freude daran in der Hauptstadt schnell verleitet. Massiv erzählt von mehrfach zerstörten Reifen und immer wieder demoliertem Dach.

Der besagte Maybach ist ein Modell, das maßstabsgetreu die Luxuslimousine darstellt, die sich in Massivs Garage befindet. Und es ist nicht das einzige Auto der gehobenen Klasse, wie der Musiker erzählt: Er besitze auch noch einen Ferrari und einen Lamborghini. Im Hof vor der Villa stehen ein BMW und ein Audi.

Gibt es bald eine TV-Doku?

Massiv hat es zu einer gewissen Prominenz in der deutschen Rapperszene geschafft. Es gebe sogar Pläne für eine TV-Doku über sein Leben, verrät er, will aber nicht ins Detail gehen. Nur so viel: Für Dreharbeiten würde er auch wieder nach Pirmasens kommen: „Ich vermisse die Stadt sehr.“ Er würde sich gerne noch mal die Orte ansehen, wo er früher unterwegs. Die alten Spielplätze besuchen. Die Häuser anschauen, in denen er in seiner Jugend lebte: in der Sand-, Horeb- und Wagenstraße. Auch das Strecktal und den Eisweiher würde er gerne noch mal besuchen, erzählt er mit leicht wehmütigem Unterton in der Stimme.

Allerdings gibt es in seinen Erinnerungen an Pirmasens auch ein unschönes Kapitel, das bislang der Öffentlichkeit unbekannt war. Es geht um die Zeit, die der kleine Wasiem Taha nach der Schule im Nardinihaus verbringen musste. Fünf Jahre seien das gewesen. Heute habe er noch den Geruch der Einrichtung in der Nase. „Das war keine gute Zeit. Ich wurde hart rangenommen“, erzählt der Künstler nachdenklich. Er habe sein eigenes Erbrochenes essen müssen. Das deckt sich mit Schilderungen anderer damaliger Kinder, die bekannt wurden, nachdem die Missbrauchsfälle in katholischen Einrichtungen im Bistum Speyer an die Öffentlichkeit kamen. Das Nardinihaus wurde in dem Bericht als „Hotspot des Missbrauchs“ bezeichnet.

Diskriminierung und Rassismus erfahren

Massiv vermutet, dass er wegen seiner braunen Hautfarbe und als einziger Muslim besonders im Fokus der Ordensschwestern gestanden habe. Andere Kinder hätten nicht zum Spielen gedurft, bevor er sein Erbrochenes gegessen hätte: „Das war wirklich so. Ich schwöre das auf meine Mutter.“ Besonders eine Nonne habe ihn immer wieder gedemütigt. Massiv erinnert sich daran, dass sein Kopf in die Toilette gedrückt und abgespült wurde.

Im Anwesen des Rappers finden sich großformatige Kunstwerke.
Im Anwesen des Rappers finden sich großformatige Kunstwerke.

Als Kind besuchte er die Horebschule. Dort war er in seiner Erinnerung der einzige „offensichtliche Ausländer“. Es habe Kinder gegeben, die nicht mit ihm gespielt hätten, weil deren Eltern das nicht wollten. Massiv kann es kaum glauben, dass ausgerechnet diese Schule heute einen überaus hohen Anteil an Kindern mit Migrationshintergrund hat.

Viele schöne Erinnerungen

Aber es ist bei Weitem nicht so, dass die negativen Erinnerungen überwiegen. Ganz im Gegenteil. Massiv berichtet von vielen schönen Momenten und Erlebnissen. Besonders gerne sei er etwa als Kind am Schlossplatz gewesen. Um sich abzukühlen, sei er dort öfter in den Brunnen gestiegen – obwohl das Ordnungsamt das ganz und gar nicht toll gefunden habe. Aber eine Szene sei ihm besonders in Erinnerung geblieben. Da habe sogar sein Vater mal einen Fuß in das erfrischende Nass gesteckt. Seine Eltern leben mittlerweile ebenfalls in Berlin, bei ihm um die Ecke. Kontakt zu ehemaligen Mitschülern und Bekannten habe er kaum noch, sagt Massiv. Gegen Ende des Gesprächs über die alte Heimat gesteht Massiv, dass sich das „fast wie eine Therapie“ angefühlt habe. Er wolle Pirmasens unbedingt einen Besuch abstatten.

Einen ausführlichen Artikel zu Massivs Leben als Gangsta-Rapper finden Sie hier.

Stierkopf und St. Pirmin: Die Wahrzeichen von Pirmasens zieren auch den neuen Newsletter der RHEINPFALZ

Kennen Sie schon unseren Pirmasens-Newsletter?

Der Name ist Programm: „PS Exklusiv“ versorgt Sie mit ausgewählten Nachrichten und Hintergründen. Sie werden von der Leitung der Pirmasenser Lokalredaktion aus erster Hand informiert. Mal augenzwinkernd, mal ironisch oder knallhart kommentiert, aber immer exklusiv: aus Pirmasens für Pirmasens und die Südwestpfalz.

An dieser Stelle finden Sie Umfragen von Opinary.

Um Inhalte von Drittdiensten darzustellen und Ihnen die Interaktion mit diesen zu ermöglichen, benötigen wir Ihre Zustimmung.

Mit Betätigung des Buttons "Fremdinhalte aktivieren" geben Sie Ihre Einwilligung, dass Ihnen Inhalte von Drittanbietern (Soziale Netzwerke, Videos und andere Einbindungen) angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an die entsprechenden Anbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät notwendig. Mehr Informationen und eine Widerrufsmöglichkeit finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

x