Neustadt
Wie gut sind die Neustadter beim Biomüll?
Ende August werden Neustadter Biotonnen genau unter die Lupe genommen. Nicht jede, aber zumindest stichprobenartig und in jedem Abfuhrbezirk. Diese Sichtkontrollen sind sozusagen die zweite Stufe im Kampf gegen sogenannte Störstoffe im braunen Behälter. Meist handelt es sich dabei um Plastik, nur in wenigen Einzelfällen würde die Biotonne für jedwede Art von Abfall zweckentfremdet, wie Abfallberater Thomas Agne vom Eigenbetrieb Stadtentsorgung Neustadt (ESN) informiert.
Die erste Stufe wurde Ende Juni/Anfang Juli abgearbeitet. In jenen Tagen war Bioabfall aus drei Neustadter Abfuhrbezirken sortiert worden: aus der Innenstadt um die Fußgängerzone herum, aus Mehrfamilienhäusern im Böbig sowie aus Ein- und Zweifamilienhäusern in Branchweiler. „Wir wollten wissen, wie der Stand der Dinge ist“, so Agne. Eine zweite Sortierung soll im Herbst/Winter folgen, wenn der Bioabfall in der Regel weniger wird. Dann sei das ganze Jahr abgedeckt, erläutert der Abfallberater.
In Innenstadt am schlechtesten
Das vorläufige Ergebnis aus dem Frühsommer ist nur mit Blick auf die Innenstadt weniger schön, was den ESN aber nicht sehr überrascht hat. Dort war der Anteil an Störfaktoren in der Biotonne mit 14,4 Prozent am höchsten. Laut Agne waren es verpackte Lebensmittel, aber auch Kunststoffbeutel, darunter nicht nur der früher erlaubte Ecovio-Beutel, sondern auch solche, die nicht kompostierbar sind. Bei den Mehrfamilienhäusern im Böbig lag der Anteil bei 3,1 Prozent, bei den kleineren Haushalten in Branchweiler bei 2,3 Prozent. „Da sah es richtig gut aus“, so Agne, der davon ausgeht, dass es in den Ortsteilen „tendenziell noch besser“ aussehen würde.
Allerdings relativiert der Abfallberater das schlechteste Ergebnis auch etwas: Viele der sortierten Biotonnen aus der Innenstadt seien korrekt befüllt gewesen. Die Quote von 14,4 ergebe sich vor allem durch einige wenige Biotonnen, die „komplett verdreckt“ gewesen seien, also wie eine Restmülltonne befüllt wurden. Im Normalfall wären diese überhaupt nicht abgefahren worden, in diesem Fall aber war es wichtig wegen der Sortieraktion.
Hälfte in Papier
Ein weiteres Sortierergebnis: Rund 25 Prozent der Bioabfalle waren lose in die Tonne gewandert, die Hälfte des Inhalts war in Papier verpackt worden, die restlichen 25 Prozent in Plastik – laut Agne entweder in besagte Ecovio-Beutel oder in normale Polyethylen-Kunststoffbeutel. Der Bioabfall an sich war also weitgehend in Ordnung, nur die Verpackung stimmte nicht. „An diese Haushalte müssen wir ran und sie vom Papier überzeugen“, beschreibt Agne, was nun zu tun ist.
Bei den Ende August vorgesehenen stichprobenartigen Kontrollen der Biotonne über vier Wochen arbeitet der ESN mit dem städtischen Bildungsbüro und der Umwelt- und Bildungsgesellschaft Udata aus Neustadt zusammen. In deren Auftrag sollen 450-Euro-Kräfte für die Sichtkontrollen vor der Abfuhr unterwegs sein. „Sie sollen sich den Inhalt anschauen, ihn bewerten und den Haushalten direkt Rückmeldung geben“, beschreibt es der Abfallberater.
Auch mal Rote Karte
Diese Rückmeldung erfolgt zunächst mittels eines „Tonnenanhangs“. Ein Hinweis in den Ampelfarben grün, gelb, rot, was für vorbildlich, aufpassen (weil falscher Beutel) bis so geht es gar nicht steht. Wer einen roten Anhang kassiert, dessen Tonnennummer und Adresse wird festgehalten, damit ein ESN-Mitarbeiter das direkte Gespräch suchen kann. Von dieser persönlichen Ansprache in Sachen Umweltbildung verspricht sich Agne einiges. Zudem bekomme der ESN durch die stadtweite Aktion ein Gefühl dafür, wo noch besonderer Handlungsbedarf sei.
Seit Monaten wirbt der ESN unter dem Motto „Wir für Bio“ für weniger Störstoffe im Bioabfall. Je höher die Qualität des Bioabfalls ist, desto besser kann er kompostiert oder vergärt werden. Seit 2022 darf überhaupt kein Plastik mehr in der Biotonne landen, auch nicht der bislang tolerierte Plastikbeutel Ecovio. Er ist zwar biologisch abbaubar. Aber: In Mikroplastik zerfallen, kann Plastik nicht mehr ausreichend aus dem fertigen Rohkompost gesiebt werden und aus ihm überall hin gelangen. In Neustadt sind zuletzt 3900 Tonnen Bioabfall im Jahr angefallen.
