Deidesheim RHEINPFALZ Plus Artikel Wie eine Kabarettistin aus dem Rheinland sich in die Pfalz verliebte

Kabarettistin Anne Vogd lebt seit über 25 Jahren in der Pfalz und schwört auf die Leberknödel im Turmstübl Deidesheim.
Kabarettistin Anne Vogd lebt seit über 25 Jahren in der Pfalz und schwört auf die Leberknödel im Turmstübl Deidesheim.

Die Aachenerin Anne Vogd hat sich in die Pfalz verliebt. Nur die Sprache sei anfänglich nicht so leicht zu verstehen gewesen, sagt sie im Gespräch mit Ira Schreck.

Ein Aachener Karnevalsmädchen kommt in die – vergleichsweise! – faschingsarme Pfalz. Kann das gutgehen?
Man braucht in der Pfalz keinen Karneval. Der Pfälzer ist nämlich von Natur aus sehr lustig. Ein Tisch, ein Schorleglas und die Party geht ab, ganz ohne Kostüm. Einzige Voraussetzung: Man muss den Pfälzer verstehen ...

Gab es anfängliche Verständigungsschwierigkeiten? Das Pfälzische unterscheidet sich ja sehr vom Öcher Platt, dem Dialekt Aachens.
Wer Dialekt spricht, liebt seine Heimat. Sprache ohne Dialekt ist wie Woi ohne Alkohol, des kannsch grad lasse. Auch ich spreche nach wie vor den rheinischen Dialekt. Unbewusst. Man kriegt die Frau halt aus dem Rheinland, aber das Rheinland nicht aus der Frau. Mit dem Pfälzischen habe ich tatsächlich zunächst etwas gefremdelt. Heute verstehe ich alles, aber sprechen kann ich es leider nicht. Es würde sich nicht authentisch anhören, und das hat das Pfälzische nicht verdient. Aber „Alla hopp“ benutze ich mittlerweile täglich.

Sie sind gebürtig aus Aachen, aber haben schon in anderen Städten gelebt.
Ich bin in Aachen geboren und sozialisiert worden, bin dann zum BWL-Studium nach Münster und habe danach in Düsseldorf gelebt. Das Studium habe ich mir durch Jobs als Model und Verkaufshilfe verdient. Später habe ich dann für große Modefirmen im Vertrieb gearbeitet. Schließlich war ich für das Key Accounting verantwortlich und bin daher von Deidesheim aus gependelt mit einem Zweitwohnsitz in Stuttgart.

Was führte Sie in die Pfalz?
Der Job meines Mannes. Er war Unternehmensberater bei McKinsey in Düsseldorf und wurde von einem Klienten mit Sitz in Mannheim abgeworben.

Fühlten Sie sich gleich heimisch?
Ja. Bäckerin und Metzgerin im Ort konnte ich anfangs zwar gar nicht verstehen, was mir sehr peinlich war, und weswegen ich mich lieber im SB-Regal vom Globus bediente als zum dritten Mal „Wie bitte?“ zu sagen. Aber in das offene, zugewandte Wesen der Pfälzer habe ich mich sofort verliebt.

Sie sind als Comedienne, Kabarettistin und Kolumnistin bekannt. Hat man als Zugezogene einen klareren Blick auf die Eigenheiten seiner Mitmenschen?
Ja, weil man als Zugezogene über den Tellerrand hinwegsieht und die unterschiedlichen Charaktere vergleicht. Die Westfalen beispielsweise waren mir immer zu trocken, zu sachlich, etwas dröge halt. Der Rheinländer ist eher das Gegenteil. Lustig, begeisterungsfähig, feierfreudig. Es heißt ja nicht umsonst: Der Westfale muss halten, was der Rheinländer verspricht. Der Rheinländer matcht da besser mit dem Pfälzer. Der Rheinländer sagt „drink doch eine met“, der Pfälzer sagt „kumm, trinke ma noch änner“ – der Geselligkeitsgedanke dahinter ist aber der gleiche.

Was schätzen Sie besonders an der Pfalz und den Pfälzern?
An der Pfalz begeistert mich die unfassbar schöne Landschaft. An den Pfälzern mag ich diesen Mix aus Geselligkeit und Humor, Ehrlichkeit und Direktheit, Bodenständigkeit und Pragmatismus.

Wie kommen Sie mit der Pfälzischen Küche zurecht?
Top! Mein Favorit: Leberknödel im Turmstübl Deidesheim, das sind die besten ever.

Vermissen Sie manchmal die Heimat?
Ja, sischer dat! Aber ich bin mit meinem Solo-Programm oft in NRW unterwegs. Da gibt es viele Flashbacks und Déjà-vus.

Gab es in der Vorweihnachtszeit im Hause Vogd Printen?
Ja, sischer dat! Ich hatte im September 2025 einen Auftritt in Aachen. Da habe ich mich bis März 2026 eingedeckt, da bin ich das nächste Mal in Aachen. In einer Printenbäckerei am Dom meinte man sogar zu mir: Bei der Menge liefern wir gerne auch an.

Sie wohnen schon über 25 Jahre in der Pfalz. Es scheint, dass sich daran nichts mehr ändern wird.
Es gibt keinen Grund, daran etwas zu ändern. Ich bin sehr glücklich hier. Die Pfalz hat ming Hätz, pardon, mein Herz erobert. Meine Heimat ist Aachen, aber die Pfalz ist mein Zuhause.

Die Serie

Sie stammen nicht von hier und haben doch in der Pfalz ein Stück Heimat gefunden. In unserer Serie „Wahlpfälzer“ erzählen Zugezogene, was sie in die Region geführt hat und was sie hier hält.

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