Hassloch
Zwischen Lyoner und Lewwerworschd: Wie ein Saarländer die Pfalz verzaubert
Herr Bähr, als Magier verzaubern Sie Ihr Publikum. Was macht für Sie den besonderen Zauber der Pfalz aus und wie hat diese Region Sie persönlich verzaubert?
Der Zauber der Pfalz liegt für mich ganz klar in den Menschen. Sie haben hier eine eigene Art, durchs Leben zu gehen. Sie sind direkt, herzlich, manchmal rau, aber immer ehrlich. Es wird viel gelacht, gern diskutiert und nichts lange beschönigt. Diese Offenheit hat mich von Anfang an angesprochen. Dazu kommt die Landschaft mit ihren Wäldern, den Weinbergen und diesem weiten Blick über die Rheinebene. Wenn man dort steht, merkt man schnell, wie gut einem das tut. Dieser oft zitierte Satz, dass man hier dort lebt, wo andere Urlaub machen, ist zwar alt, aber er trifft den Kern. Für mich war schnell klar: Das fühlt sich richtig an. Die Pfalz passt zu mir.
Gibt es Orte in der Pfalz, an denen Sie diesen Zauber besonders spüren?
Der schönste Ort ist für mich ganz klar an der Seite meiner Frau. Heimat beginnt immer dort, wo Menschen sind, die einem wichtig sind. Darüber hinaus zieht es uns, auch wegen unseres Hundes, immer wieder zum Zeter Berghaus. Der Blick von dort über die Rheinebene hat etwas Beruhigendes, fast Erdendes. Man atmet durch und kommt zur Ruhe. Was mich bis heute fasziniert, ist, dass ich die Pfalz immer noch neu entdecke. Mit unserem Stammtisch unternehmen wir regelmäßig Fahrradtouren und kommen dabei an Orte, die ich als Zugezogener allein nie gefunden hätte. Kleine Wege, versteckte Plätze, Orte mit Geschichte.
Sie sind vor rund 40 Jahren aus dem Saarland nach Haßloch gezogen. Was hat Sie damals hierhergeführt?
Es war die Liebe. Meine Frau ist gebürtige Pfälzerin aus Haßloch. Wir haben zunächst in Mutterstadt gelebt, aber dort ist sie nie wirklich angekommen. Während ich mir leichter tat, Kontakte zu knüpfen, fehlte ihr dieses Gefühl von Zuhause. Als Anfang der 1990er-Jahre in Haßloch Bauplätze frei wurden, haben wir gemeinsam entschieden, hier ein Haus zu bauen.
Das Saarland ist ja eine Region, die mit der Pfalz eine liebevoll-humorvolle Rivalität pflegt. Bekommen Sie diese Neckereien im Alltag noch zu spüren?
Ja, vor allem am Anfang. Da fielen Sprüche wie „Da kommt der Saarländer“ oder „Muffländer“. Das war nicht immer einfach, gerade wenn man neu ist und noch seinen Platz sucht. Ich habe aber schnell gelernt, das einzuordnen. Vieles davon ist nicht böse gemeint, sondern Teil einer besonderen Art von Humor. Heute ist daraus ein freundschaftliches Frotzeln geworden, vor allem am Stammtisch.
Fühlen Sie sich heute eher als Saarländer, als Pfälzer oder als Mischung aus beidem?
Ich fühle mich als Mischung aus beidem. Meine saarländischen Wurzeln gehören zu mir, und die werde ich auch nie verleugnen. Gleichzeitig habe ich die Pfälzer Kultur angenommen und schätzen gelernt. Sprache, Humor und Lebensart sind mir vertraut geworden. Wenn ich im Saarland auftrete, sagen die Leute: „Du schwätzt ja schon pfälzisch.“ Hier wiederum heißt es: „Der Bähr ist halt doch ein Saarländer.“ Beides stimmt, und genau das macht meine Identität heute aus.
Man hört bei Ihnen tatsächlich eine pfälzische Färbung. War das ein bewusster Prozess?
Nein, das passiert ganz von selbst. Sprache verändert sich, wenn man lange an einem Ort lebt und sich auf die Menschen einlässt. Ich habe nie versucht, meine Herkunft zu verstecken oder mich bewusst anzupassen. Ich habe einfach zugehört, mitgeredet und mitgelebt. Ähnlich war das bei der Berufsfeuerwehr in Mannheim, wo Menschen aus ganz unterschiedlichen Regionen zusammenkamen. Man bleibt sich selbst treu und nimmt trotzdem etwas von den anderen mit.
Gibt es Dinge, bei denen der Saarländer in Ihnen bis heute klar durchkommt?
Ja, ganz eindeutig. Zum Beispiel beim gemeinsamen Trinken aus einem Glas. Es ist hier in der Pfalz ja üblich, dass das Schorleglas die Runde macht. Das habe ich nie übernommen. Ich habe mein eigenes Glas, meine eigene Flasche. Das gehört zu mir. Inzwischen wissen das alle und respektieren es auch.
Wie sind Sie zur Zauberei gekommen?
Ich stehe seit 1976 auf der Bühne, zunächst als Fasnachtsredner. Die Zauberei kam über meinen Schwiegervater, der unter dem Namen Don Ricardo als Hobbyzauberer bekannt war. Er hat im Vereinsleben und bei Feiern gezaubert und Menschen begeistert. Als er nach einem Schlaganfall nicht mehr auftreten konnte, habe ich für den Geburtstag meiner Frau ein Zauberprogramm vorbereitet. Das war eigentlich nur als Geste gedacht. Dass daraus direkte Buchungen entstanden, hätte ich damals nicht gedacht. Aber genau so hat alles begonnen.
Sie sind Mitglied im „Magischen Zirkel von Deutschland“. Was bedeutet das?
Der Magische Zirkel ist kein Verein, dem man einfach beitritt. Man muss lernen, üben, sich intensiv mit der Geschichte der Zauberei beschäftigen und schließlich eine Prüfung ablegen. Erst dann wird man aufgenommen. Das finde ich wichtig, denn Zauberei ist kein bloßer Effekt, sondern echtes Handwerk.
Wo sehen Sie sich selbst innerhalb der Zauberkunst?
Ich sehe mich als Sprachmagier. Es gibt viele Sparten in der Zauberei, von großen Illusionen bis zur Tischmagie. Mein Schwerpunkt liegt auf Sprache, Humor und Geschichten. Der Trick ist bei mir immer Teil einer Erzählung und nie Selbstzweck. Es geht mir darum, Menschen mitzunehmen, sie zum Lachen zu bringen und zum Staunen. Manchmal erinnert das an Stand-up, aber es bleibt immer Zauberei.
Als Hausmeister „Herr Uffbasse“ treten Sie als Pfälzer auf. Spielen Sie dabei eine Rolle oder ist das längst Teil von Ihnen?
Es ist beides. „Herr Uffbasse“ ist eine Figur, die überspitzt erklärt, kommentiert und manchmal alles besser weiß. Gleichzeitig ist vieles davon hier entstanden. Die Figur ist aus Beobachtungen des Alltags gewachsen, aus Gesprächen, aus Situationen, die ich hier erlebt habe.
Was macht ein Pfälzer Publikum für Sie besonders?
Pfälzer sind direkt, neugierig und reagieren sofort. Sie sind mitten im Geschehen und lassen sich darauf ein. Das macht Auftritte lebendig. Aber grundsätzlich ist Neugier überall gleich. Ob in der Pfalz oder im Saarland, Staunen verbindet Menschen.
Sie waren viele Jahre bei der Berufsfeuerwehr. Ist die Bühne für Sie ein Ausgleich zu diesem Beruf?
Ja, die Bühne war immer mein Ausgleich. Ich habe Feuerwehr und Zauberei aber strikt getrennt. Einsätze habe ich nicht mit nach Hause genommen. Die Zauberei war mein privater Raum, ein Ort für Leichtigkeit und Humor. Jeder Mensch findet seinen eigenen Weg, mit Erlebtem umzugehen. Das war meiner.
Was können Pfälzer und Saarländer voneinander lernen?
Sie sind sich ähnlicher, als man denkt. Die Pfälzer mit ihrer Weinkultur, die Saarländer mit Bier und französischem Einfluss. Am Ende geht es in beiden Regionen um Geselligkeit, Offenheit und das Miteinander.
Zum Abschluss: Lyoner oder Lewwerworschd?
Ganz klar Lyoner. Da kommt der Saarländer dann doch noch durch.
Zur Person
Stefan Bähr (61), bekannt unter seinem Künstlernamen Stefanus, wurde im Saarbrücker Stadtteil Brebach-Fechingen geboren und wuchs im saarländischen Kleinblittersdorf auf. Mitte der 1980er-Jahre verließ er seine Heimat, lebte zunächst in Mannheim und später in Mutterstadt, bevor er 1991 endgültig in Haßloch ankam. Seitdem ist er Pfälzer aus Überzeugung. Beruflich war Bähr viele Jahre als Feuerwehrmann tätig, parallel zog es ihn immer wieder auf die Bühne. Als Sprachmagier verbindet er Zauberei mit Humor und Alltagsbeobachtungen, unter anderem in seiner Figur „Herr Uffbasse“. Aktuell arbeitet Stefan Bähr an seinem Buch „Mein Weg vom Saarland in eine neue Welt“, in dem er persönliche Erlebnisse und Geschichten eines Saarländers in der Pfalz festhält.
Die Serie
Sie stammen nicht von hier und haben doch in der Pfalz ein Stück Heimat gefunden. In unserer Serie „Wahlpfälzer“ erzählen Zugezogene, was sie in die Region geführt hat und was sie hier hält.



