Neustadt
Wie ein Wuppertaler die Pfalz erlebt: „Man kann viel Spaß haben“
Herr Bramenkamp, Sie sind in Wuppertal im Bergischen Land aufgewachsen. Was sind das denn für Menschen?
Sie sind grundsätzlich etwas verschlossener als die Pfälzer. Wobei sich die Region Bergisches Land aufteilt. Richtung Rhein findet man schon eher Frohnaturen, aber die andere Seite geht ins Westfälische, und die Menschen dort sind schon sehr zurückhaltend.
Sie kommen mit den Pfälzern klar?
Absolut, ich bin hier heimisch. Man kann die Pfälzer immer gut anhand der Hütten- und Festkultur beschreiben: Mit Schorle und Bratwurst bekommt man an jedem Tisch einen Platz und kommt sofort ins Gespräch. Die Pfälzer sind sehr offen und redselig.
Und das gefällt Ihnen? Bei Förstern denkt man doch vielleicht eher, sie suchen das Grüne und die Ruhe …
Als Stadtwaldförster ist bei mir die Verbindung zwischen Wald und Bürgern stark ausgeprägt. Das mag ich an meinem Job in der Kommunalverwaltung. In meinem Berufsleben geht es darum, den Wald zu pflegen und zu bewirtschaften und auch die Interessen der Bürger mitzudenken. Gerade in der Pfalz sind Wälder da extrem wichtig, sei es für die Hüttentouren oder seien es die Mountainbiker, die die Waldstrecken lieben. Natürlich habe ich dabei auch mit Beschwerden zu tun. Aber das gehört dazu. Man muss da immer einen Ausgleich finden zwischen den Waldinteressen und denen der Menschen, die hier ihre Freizeit verbringen. Kurzum: Für mich ist die Stelle in Neustadt ein Traum. Es hat sich alles hier zum Positiven für mich entwickelt.
Und Sie haben in Ihrem Leben bestimmt mehr gesehen als Wuppertal und Neustadt?
Ja. Ich bin bestimmt zehnmal umgezogen, ehe ich in Neustadt heimisch wurde. Überwiegend war ich bei Kommunen im Forst und in der Umweltbildung tätig. Direkt nach dem Abi als Zivi, dann zur Lehre in Solingen, danach das Studium in Göttingen und eine erste Anstellung im Harz. Als ich mit dem Studium fertig war, vor rund 25 Jahren, war das mit den Jobs gar nicht so einfach, es gab kaum feste Stellen. Ich hatte anfangs nur befristete Jobs. Solche Zeiten kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen. 2011 hatte ich dann die Wahl, nach Koblenz oder Neustadt zu gehen. Die Wahl fiel auf Neustadt. Rückblickend war das auf jeden Fall die bessere Wahl.
Warum?
Die zentrale Lage mit viel Natur drumherum, aber auch größeren Städten in der Nähe ist schon super. Und auch der Wald rund um Neustadt hat große Reize. Dazu die Menschen. Das Einleben hat damals sehr schnell funktioniert. Ich hatte immer nette Nachbarn und bald gemerkt, wenn man ankommen möchte, geht das in der Pfalz sehr schnell. In meiner Zeit in der Pfalz habe ich nur sehr wenige unangenehme Menschen kennengelernt. Die Regel ist: Man kommt schnell an und kann viel Spaß haben.
Hat sich diese Begeisterung auch auf die Pfälzer Küche übertragen?
Mir ist Vielfalt beim Essen wichtig. Die finde ich hier. Ein Lieblingsessen habe ich aber nicht. Da ich kein Schweinefleisch esse, ist es mit den Pfälzer Klassikern bei mir aber schwierig. Dafür mag ich Wildfleisch gerne – und das bekommen wir ja im Pfälzerwald.
In Neustadt muss die Frage sein: Wie sehr hat sich ein Wuppertaler mit dem Wein angefreundet?
Ich bin ehrlich gesagt kein typischer Weintrinker. Inzwischen habe ich den Alkoholkonsum ohnehin stark reduziert. Ich trinke und genieße schon gerne mal ein Glas Wein, aber eben selten. An mir wird kein Winzer reich.
Gibt es denn einen Lieblingsplatz?
Ja, das Finstertal und dort dann die Woogwiesen. Da öffnet sich das Tal und der Blick ist frei. Dort zu stehen und die abwechslungsreiche Landschaft auf sich wirken zu lassen, ist für mich immer wie Urlaub.
Also zieht Sie nichts mehr weg?
Nein, ich mag es sehr hier. Ich mag auch die Wertschätzung durch meinen Arbeitgeber. Da ein gutes Verhältnis zu haben, ist für mich sehr wichtig. Und der Job ist unverändert vielfältig, weil im Wald immer viel zu tun ist. Wir decken da auch die ganze Bandbreite ab. Vom Ordenswald in der Rheinebene bis hoch zur Hohen Loog auf 600 Metern Höhe. Zudem bin ich gespannt, wie wir uns über Landesforsten bei der Landesgartenschau einbringen können und wie diese Veranstaltung Neustadt verändern wird.
Braucht man als Förster auch Entspannung oder hat man die ohnehin im Wald?
Entspannung braucht man. Ich genieße die Zeit, wenn ich dreimal die Woche mit meinem Hund zum Joggen im Wald unterwegs bin. Da ich dann aber im meinem Revier laufe, muss ich schon aufpassen, dass ich nicht immer an die Arbeit denke, weil ich dann auch mal einen umgestürzten Baum oder eine Bank sehe, die mal wieder Pflege braucht. Aber in der Regel kann ich abschalten. Außerdem genieße ich Wanderungen und Radtouren in der Pfalz. Beides brauche ich als Freizeitbeschäftigungen, genauso wie Fitnesstraining im Studio.
Zum Schluss: der Pfälzer Dialekt.
Für mich kein Problem. Den verstehe ich gut. Ich merke sogar, dass mir in Gesprächen mit Pfälzern auch mal das eine oder andere pfälzische Wort rausrutscht.
Zur Person
Jens Bramenkamp (53) kam in Wuppertal zur Welt. Der Förster ist seit dem Abi in der Forstwirtschaft tätig, absolvierte zunächst eine Lehre und studierte danach Forstwissenschaft und -wirtschaft. In Neustadt wohnt er im Schöntal am Waldrand und ist seit 2011 als Revierförster im Stadtwald tätig. Sein Revier ist die Hohe Loog.


