Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Weingut streicht Guts- und Ortsweine aus Sortiment

Steffen und Tochter Sophie Christmann untersuchen die Trauben in der Lage Idig.
Steffen und Tochter Sophie Christmann untersuchen die Trauben in der Lage Idig.

Sophie Christmann und ihr Vater Steffen haben die üblichen Guts- und Ortsweine aus dem Sortiment gestrichen. Ein Novum im pfälzischen und auch deutschen Weinbau.

Die aktuelle Witterung lässt auf eine erfolgreiche Weinlese, aber auch einen frühen Start hoffen. Sophie Christmann und ihr Vater sind derzeit in ihren Weinbergen unterwegs. Genauer in der Lage Idig, dort, wo sie auf einer Fläche von vier Hektar sowohl Riesling- als auch Spätburgunder-Trauben am Rebstock hängen haben. Der Blick und die Vorfreude sind natürlich auf den nächsten Herbst gerichtet.

Aber auch in den vergangenen Monaten hat sich vieles getan. Vater und Tochter, die seit 2018 gemeinsam das seit 1798 bestehende Weingut führen, haben sich entschieden, ihren Fokus konsequenter auf die Stärken von Rebsorten zu legen, „die die feinsten Weine der Region hervorbringen“, erläutert Steffen Christmann, frisch wiedergewählter Bundesvorsitzender des Verbands der deutschen Prädikatsweingüter (VDP). Der 56-Jährige sieht gemeinsam mit Tochter Sophie, die Rebsorten Riesling und Spätburgunder „auf Augenhöhe mit den besten Weinen der Welt“. 97 Prozent der Rebflächen sind mit diesen Trauben beim Weingut A. Christmann bestockt. Nur ein Anteil von drei Prozent Weißburgunder wird noch bewirtschaftet.

Drei Sorten als „Unterbau“

Rebsorten, wie Grauburgunder, Muskateller, Saint Laurent und Gewürztraminer sind hingegen aus dem Sortiment verschwunden. „Man muss nicht alles selbst machen, was man selbst trinkt“, bringt Steffen Christmann die Umstrukturierung auf den Punkt. Es war ein langer Prozess, der seinen Ursprung im Einstieg von Sophie in den elterlichen Betrieb, aber auch im Besuch eines Schweizer Betriebs hat. Und der dazu führte, dass die Christmanns jetzt „schon etwas als revolutionär“ betrachtet werden. „Wir wollen noch fokussierter arbeiten, uns auf das konzentrieren, was uns ausmacht. Deshalb haben wir uns intensiv mit der Frage auseinandergesetzt, wofür wir unsere Kraft aufwenden wollen“, sagt Sophie Christmann und ergänzt: „Wir leben in einer Zeit, in der man sich entscheiden muss.“ Die Entscheidung der Christmanns fiel auf drei Weine aus der Serie „Aus den Lagen“ als Unterbau des Sortiments: Riesling, Weißburgunder und Spätburgunder. Statt jeweils einer Guts- und Ortsweinlinie. Sie entstehen aus den Trauben aus den Ersten und Großen Lagen des Weinguts und finden im Sinne eines Zweitweins Verwendung in der neuen Sortimentsreihe.

Alle Weine des Weinguts stammen künftig ausschließlich aus klassifizierten VDP-Lagen. Dies sind im Weingut A. Christmann beim Großen Gewächs die Meerspinne, Ölberg-Hart, Vogelsang und Idig, bei den Weißweinen aus Ersten Lagen der Gimmeldinger Kapellenberg und der Ruppertsberger Reiterpfad. Die Spätburgunder stammen aus den Lagen Gimmeldinger Schlössel, Königsbacher Ölberg und Gimmeldinger Biengarten stammen.

Weniger Hektar, weniger Weine

„Nur wenige Weinberge bringen große Weine hervor. So wollen wir unsere besten Lagen noch mehr in den Mittelpunkt stellen“, sagt Sophie Christmann. „Deshalb haben wir auch nach und nach Flächen an andere Winzer abgegeben.“ Der Fokus liege jetzt ausschließlich auf Riesling und Spätburgunder. Damit gehe nicht nur eine Sortimentsreduzierung von 22 auf 14 Weine einher. Auch die Betriebsfläche wurde um knapp fünf Hektar auf 19 Hektar reduziert. Die ideale Größe, wie Sophie Christmann erklärt, um mit ihrem Team die entscheidenden Momente der Produktion persönlich begleiten zu können: „Es ist jetzt ein Sortiment, mit dem wir selbst noch mehr Spaß haben, um uns mit dem zu beschäftigen, was am Ende das Label Christmann trägt.“

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