Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Warum die Großprojekte am Hauptbahnhof Flexibilität erfordern

Der Platz zwischen Ex-Bahnkantine und Bundespolizei wird ab Herbst eine wichtige Rolle spielen.
Der Platz zwischen Ex-Bahnkantine und Bundespolizei wird ab Herbst eine wichtige Rolle spielen.

Rund um den Neustadter Hauptbahnhof geht es in den nächsten Jahren rund. Und das bei laufendem Betrieb. Was Stadt und Bahn koordinieren, und welche Chance das Bahnhofsgebäude hat, saniert zu werden.

Ein großes Feld direkt hinter dem Gebäude der Bundespolizei am Hauptbahnhof ist gähnend leer. Wo immer mal wieder Busse standen, wartet der alte Asphalt nun darauf, dass eine Abstellanlage für Fahrräder aufgebaut wird. Jene Anlage, die über Fördermittel der Bahn mitfinanziert wird, und bei der im Stadtrat viel politisch darüber diskutiert wurde, ob sie überdacht sein muss und wer das bezahlen würde. Sie wird nicht überdacht sein.

Standort der Abstellanlage für Fahrräder: die Fläche direkt hinter der Bundespolizei.
Standort der Abstellanlage für Fahrräder: die Fläche direkt hinter der Bundespolizei.

Dass die Anlage endlich kommt, ist wichtig. Denn nach dem Weinlesefest soll der Umbau des Bahnhofsvorplatzes starten, begonnen wird laut Stadtplanerin Martina Pauly in der Bahnhofstraße. Das Gelände hinter der Bundespolizei Richtung ehemalige Bahnkantine wird als Ausweichfläche dienen – je nachdem, in welchem der zahlreichen Bauabschnitte der Bahnhofsvorplatz gerade ist.

Parkdruck gestiegen

Es dient zum einen als „Umleitung“ für Fußgänger, die auf die Bahnsteige wollen, und zum anderen als Parkplatz für Fahrräder und auch für Autos. DB-Tagestickets für 4,50 Euro sind dort zu haben, ebenso wie auf den Parkplätzen, die Richtung Osten anschließen. Dass der Parkdruck schon höher geworden ist, weil wegen des Neubaus Hotel/Parkhaus auf dem alten Postgelände seit Juli Stellflächen weggefallen sind, ist deutlich zu sehen. Über Tag sind fast alle Plätze belegt, immer wieder fahren Autos ein.

Der Zugang beziehungsweise die Zufahrt zum Parkplatz hinter der Bundespolizei bleiben so weit wie möglich offen, sagt Pauly. Zum einen wegen der Polizei, zum anderen, weil im hinteren Bereich mit dem Bahn-Stellwerk die „Schaltzentrale für den Regionalverkehr“ liegt, wie es Bahnhofsmanager Martin Büchle beschreibt. Sein Blick fällt aber auch auf das Stichgleis 1a im Hauptbahnhof. Dieses ist sozusagen das Ass im Ärmel der Bahn in Sachen klimafreundliche Verkehrswende. Sprich: Dort, wo die Schiene schon gut ausgelastet ist, aber noch mehr auf die Schiene gesetzt werden soll, braucht es Ausbaureserven. Und Neustadt als ein Knotenpunkt gehört auf jeden Fall dazu.

Die Machbarkeitsstudie

Der hinter dem Areal Esso-Tankstelle liegende Parkplatz der Deutschen Bahn.
Der hinter dem Areal Esso-Tankstelle liegende Parkplatz der Deutschen Bahn.

Diese Ausbaureserve spielt dann eine Rolle, wenn es um ein anderes Zukunftsprojekt geht, den Umbau des Geländes östlich des Hauptbahnhofs, im Prinzip die Fläche ab Bundespolizei über die Esso-Tankstelle bis zum dahinter liegenden Parkplatz, alles entlang der Landauer Straße. Dafür wird im Auftrag der Projektpartner Bahn, Wohnungsbaugesellschaft und Stadt bis Ende 2023 eine Machbarkeitsstudie erstellt. Angedacht sind Wohnen, Büroflächen, ein Parkhaus für Autos und Fahrräder. Bereits gesetzt ist, dass dabei Fläche abgegeben wird, um bei Bedarf das Stichgleis 1a in ein voll funktionsfähiges Gleis umbauen zu können.

Stimmen sich regelmäßig ab: Bahnhofsmanager Martin Büchle (links), Martina Pauly (Zweite von links) und Carmen Wunn von der Stad
Stimmen sich regelmäßig ab: Bahnhofsmanager Martin Büchle (links), Martina Pauly (Zweite von links) und Carmen Wunn von der Stadtplanung sowie Jan Rauschkolb, Wohnungsbaugesellschaft.

Zunächst aber heißt es, bis zur Landesgartenschau 2027 den Bahnhofsvorplatz hinzubekommen, ergänzt durch das neue Hotel samt Parkhaus des Investors Hans Sachs. Abgerundet würde dieses Ensemble durch ein saniertes Hauptbahnhofsgebäude. Dass es mit dem frischen Gesicht für den denkmalgeschützten Komplex klappt, dafür will sich auch Bahnchef Richard Lutz einsetzen, wie er bei einem Ortstermin in Neustadt im September 2022 versprochen hatte.

„Komplexe Förderlandschaft“

Das Zauberwort dafür ist laut Bahnhofsmanager Büchle „Komponentenansatz“. Denn Fördermittel seien derzeit nur für die öffentlichen Bereiche von Bahnhofsgebäuden zu bekommen, im Neustadter Fall also für den Mittelteil des langgestreckten Ensembles. Für alles andere werde versucht, Geld aus anderen Programmen locker zu machen, als erstes zum Beispiel für die Dachsanierung. „Wir bewegen uns mit unseren Projekten in einer komplexen Förder- und Finanzierungslandschaft“, sagt Büchle. Allerdings ist er zuversichtlich, das Ziel Landesgartenschau 2027 einhalten zu können: „Es ist eine herausfordernde Situation, aber wir arbeiten mit hoher Intensität daran.“

Neue DB-Mitfahrerbank vor dem Hauptbahnhof.
Neue DB-Mitfahrerbank vor dem Hauptbahnhof.
x