Neustadt Unverpackt-Laden: Foi setzt auf Solidarität
„Die Idee fanden viele super, aber es sind nicht alle Stammkunden geworden.“ Mara Theisen berichtet an diesem schwülen Sommerabend, wie sich das Geschäft in der Hauptstraße 86 seit der Eröffnung vor zweieinhalb Jahren entwickelt hat. So habe es durchaus viele Unterstützer gegeben, als das Foi mittels Crowdfunding ins Leben gerufen worden sei. Regelmäßig zum Einkaufen kämen aber auch von jenen zu wenige.
Gemeinsam mit ihrer Geschäftspartnerin Stephanie Selig hat Theisen zu einem Info-Abend ins Foi eingeladen, um rund 20 Interessierten ihr neues Unternehmenskonzept für den Unverpackt-Laden nahezubringen. Die ganzen Krisen hätten die Branche schwer getroffen, und „viele mussten schon schließen“, sagt Selig. Bemerkbar mache sich dies vor allem in steigenden Betriebskosten und schwankenden Umsätzen.
Über 200 Unterstützer
Faktoren, die nur sehr schwer abgepuffert werden könnten, so Selig, da die angebotenen Produkte „keine extrem hohen Margen haben“. Denn das Foi setze auf erstklassige Qualität und Nachhaltigkeit – mit der Vision, das Sortiment zu erweitern oder auch das Café ein wenig zu vergrößern. Die Rückmeldungen von Kunden seien auch durchgehend positiv. „Der Wunsch nach so einem Ort ist da“, sagt Selig, wie auch über 200 Unterstützer zeigten. „Nur tragen wir aktuell die finanzielle Verantwortung allein.“
Genau dort setzt das Konzept an, mit dem Theisen und Selig das Foi ab August weiterführen: die Verantwortung mit der Gemeinschaft zu teilen. Sie wollen eine langfristige Lösung für das Geschäft, und „das gemeinschaftsbasierte Wirtschaften gibt uns Sicherheit“, so Theisen. Bereits Erfahrung in diesem Metier hat Sophie Etzkorn vom „Kaufladen“ in Speyer. Darüber berichtet die Unternehmerin im Foi.
Beispiel aus Speyer
Im Januar 2023 hatten sie und ihre Kollegin sich das Konzept für ihren Speyerer Unverpackt-Laden auf die Fahne geschrieben. Konkret vertritt Etzkorn an diesem Abend das „Myzelium, ein Netzwerk gemeinschaftsbasierter Konzepte“. Wie ein Ökosystem fördere Myzelium diese Art des Wirtschaftens, indem es berate und die Entwicklung begleite.
Seit diesem Jahr tragen laut Etzkorn 70 Mitglieder den „Kaufladen“, „die Anteile an unseren Betriebskosten übernehmen“. Damit seien die Betriebskosten jetzt fast zur Hälfte finanziert. Das sei beruhigend und biete eine gewisse Planungssicherheit. Die Beiträge der Mitglieder würden bei der sogenannten Beitragsrunde festgelegt – anonym, wohlbemerkt. Anhand der offengelegten Betriebskosten könnten die Mitglieder bestimmen, wie viel sie davon übernehmen möchten.
Drei Gutschein-Modelle
Für ihren Unverpackt-Laden haben sich Theisen und Selig für drei Gutscheine entschieden, mit deren Erwerb die Kosten für den Betrieb gemeinschaftlich getragen werden sollen: den Mini-Gutschein für 60 Euro, den Midi für 120 Euro und den Maxi für 180 Euro im Monat. Im Gegenzug erhält das Mitglied Einkaufsgutscheine für denselben Wert. Dieser könne auch im Café oder für Yogastunden, die im Foi angeboten werden, eingelöst werden, erklären die beiden.
Wird das Kontingent nicht aufgebraucht, kann der Restbetrag in den nächsten Monat mitgenommen werden. Die Gemeinschaft, die das Konzept mit sich bringt, hat für Theisen und Selig dabei eine große Bedeutung: „Uns geht es auch darum, ein Nachhaltigkeitszentrum zu schaffen, bei dem sich jeder einbringen kann.“
Info
Die Beitragsrunde für das Gemeinschaftsbasierte Wirtschaften findet am 12. Juli um 19 Uhr im Foi statt. Internet: https://unverpackt-neustadt.de/
