Neustadt Smartphone-Kurse für Senioren: So wird das Handy zum Türöffner ins Familienleben
Frau Kern, Sie bringen als ehrenamtliche Digitalbotschafterin älteren Menschen den Umgang mit den neuen Medien nahe. Welchen Stellenwert hat aus Ihrer Erfahrung die digitale Teilhabe im Alter?
Die digitale Teilhabe für alle Menschen ist inzwischen so notwendig wie Strom, Straßen oder medizinische Versorgung, also sozusagen ein Grundrecht. Wegen der schnellen technologischen Entwicklung fühlt sich die ältere Generation jedoch schnell abgehängt, obwohl bis Mitte 80 heute fast jeder ein Handy hat.
In Ihrem nächsten Kurs „Digital.Senioren.Hambach“ am 27. Februar geht es um Messenger-Dienste wie WhatsApp oder Signal, mit denen man Textnachrichten, Bilder und Videos in Echtzeit verschicken kann. Welche Rolle spielen diese Apps bereits jetzt im Alltag von Senioren?
Messengerdienste haben eine enorme Bedeutung für Ältere. Mit WhatsApp können sie Nachrichten empfangen, Fotos von ihren Kindern und Enkelkindern sehen und – das lernen viele erst in meinen Kursen – auch selbst Nachrichten oder Bilder verschicken. Für viele ist das der einfachste Weg, wieder Teil des Familienlebens zu sein.
Was fällt Älteren beim Einstieg in die digitale Kommunikation besonders schwer? Gibt es typische Ängste oder Vorbehalte, die in Ihren Kursen zur Sprache kommen?
Die größte Hürde ist oft die Angst, etwas kaputt zu machen. Jede Berührung auf dem Bildschirm kann zu einer Veränderung führen, die sie nicht verstehen oder rückgängig machen können. Deshalb beginne ich in meinen Kursen oft damit, zu erklären, wie man da wieder herauskommt – etwa, wenn man versehentlich etwas vergrößert hat oder in einer App feststeckt. Auch die Bedienung ohne physische Tasten ist anfangs ungewohnt. Manche nutzen deshalb Eingabestifte, die ihnen die Navigation erleichtern. Manche Smartphones, wie die von Apple, bieten zudem reduzierte Ansichten, die weniger Funktionen anzeigen. Langfristig wird sich dieses Problem durch sprachgesteuerte Befehle erübrigen. Wichtig ist, Hemmschwellen abzubauen, damit die Senioren sicher im Umgang mit dem Gerät werden.
Wie sieht es beim Thema Datenschutz rund um die Messenger aus?
Das Thema Datenschutz bewegt viele Senioren. Viele haben Angst, dass ihre persönlichen Daten missbraucht werden könnten. Gerade bei Diensten wie WhatsApp sind diese Bedenken berechtigt, da die App zum Facebook-Konzern Meta gehört. Ich erkläre den Teilnehmern daher, welche Sicherheitsvorkehrungen sie treffen können, etwa regelmäßige Updates, Zwei-Faktor-Authentifizierung oder Privatsphäre-Einstellungen. Wir empfehlen, aus diesen Gründen alternative Messenger wie Signal zu bevorzugen, die datensparsam laufen und als sicherer gelten. Allerdings sind diese Alternativen nicht immer praktikabel, da WhatsApp in den meisten Familien und Freundeskreisen der Standard ist.
Betrugsversuche und Kettennachrichten über Messenger oder SMS sind immer wieder Thema. Welche Sicherheitstipps geben Sie den Teilnehmern mit auf den Weg?
Ich rate meinen Teilnehmern, niemals auf Nachrichten von unbekannten Absendern zu reagieren, insbesondere wenn es um angebliche Paketzustellungen, Schocknachrichten oder Bankanfragen geht. Kontakte sollten im Zweifel blockiert werden. In meinen Kursen üben wir, wie man solche Nachrichten erkennt, sicher löscht und Absender blockiert. Außerdem ist es hilfreich, sich bewusst zu machen, dass seriöse Unternehmen niemals über WhatsApp kommunizieren.
Welche Veränderungen beobachten Sie bei den Teilnehmern nach den Kursen?
Die Veränderungen sind enorm, und das motiviert mich persönlich ungemein. Viele Senioren berichten, dass sie sich wieder mehr eingebunden fühlen, sei es durch den Kontakt zu ihren Familien oder die Nutzung praktischer Apps. Einige kaufen inzwischen Bahntickets online, nutzen Navigationsfunktionen oder informieren sich digital über Veranstaltungen. Besonders stolz sind sie, wenn sie lernen, Nachrichten zu diktieren oder Fotos zu versenden. Es geht nicht darum, Experten zu werden – sondern darum, das Smartphone als hilfreiches Werkzeug zu begreifen.
Ersetzen digitale Geräte künftig Telefonate oder persönliche Treffen?
Nein, persönliche Begegnungen und Gespräche bleiben unverzichtbar. Allerdings helfen Smartphones dabei, den Kontakt zu halten, gerade wenn man weit entfernt voneinander lebt. Senioren sagen oft, dass sie ihre Kinder oder Enkel nicht durch spontane Anrufe stören wollen. Durch WhatsApp können sie vorher anfragen, wann ein Telefonat passt. So entstehen weniger Missverständnisse. Zudem fördern Videotelefonate über Messenger die Nähe, weil man sich sieht. Dennoch können diese Technologien keinen gemeinsamen Nachmittag bei Kaffee und Kuchen, keine Umarmung ersetzen.
Was möchten Sie Senioren mitgeben, die sich noch nicht ans Smartphone herantrauen?
Ich lade jeden ein, sich das einfach mal anzusehen. In unseren Kursen treffen sie Gleichgesinnte, die ähnliche Ängste und Fragen haben. Und sie erleben, dass sie nicht allein sind, dass wir immer mehrere Ansprechpartner vor Ort haben, die bei Problemen zur Seite stehen. Viele sagen am Ende: „Das hätte ich mir nie zugetraut.“ Es geht nicht darum, alles perfekt zu können. Aber wer den Mut hat, sich einzulassen, wird schnell merken, wie viel leichter der Alltag mit einem Smartphone werden kann.
Info
Die Digitalbotschafter in Neustadt helfen kostenlos in verschiedenen Formaten im Umgang mit digitalen Geräten: Jeden ersten Dienstag des Monats, 14 bis 16 Uhr, beim offenen Treff in der Stadtbücherei; jeden ersten Freitag ab 15 Uhr beim Apple-Kurs im GDA Wohnstift; jeden zweiten Montag, 14 bis 16 Uhr, im der „Alten Eisdiele“ des Bistums in der Heinrichstraße 44 in Lachen-Speyerdorf beim offenen Treff; jeden dritten Donnerstag, 15 bis 17 Uhr, im MGH beim offenen Treff; jeden dritten Freitag ab 15 Uhr im GDA Wohnstift beim Digitalkurs; jeden letzten Freitag ab 15 Uhr im GDA im Iphone-Anfängerkurs sowie im Bürgersaal Hambach bei „Digital.Senioren.Hambach“ mit Schwerpunktthemen.
Brigitte Kern steht für Fragen unter Telefon 0176 84728342 oder per E-Mail an Di-Bo.Kern.Neustadt@posteo.de bereit.


