Südpfalz
Hightech auf Queichwiesen: Digitale Technik soll Touristen locken
Bei den Queichwiesen, die sich über einen 15 Kilometer langen Abschnitt zwischen Landau und Germersheim erstrecken und dabei eine Fläche von etwa 450 Hektar umfassen, handelt es sich um das größte zusammenhängende Wiesenbewässerungssystem in Deutschland, das noch aktiv betrieben wird.
Nun sollen digitale Möglichkeiten genutzt werden, um mehr Interessierten diese jahrhundertealte Technik näherzubringen. Geplant sind 17 digitale Erlebnisstationen, an denen spielerisch erklärt werden soll, wie das ausgeklügelte System funktioniert. Es wird auf handgemachte Konstruktionen wie Kanäle und Gräben sowie auf die Schwerkraft gesetzt, um Wasser aus verschiedenen natürlich vorkommenden Quellen in die Felder zu leiten. Zweimal im Jahr, zwischen Mitte April und Mitte Mai sowie von Mitte Juli bis Mitte August, ist dieses Naturschauspiel zu beobachten.
Bestehende Infrastruktur wird genutzt
Die jahrhundertealte Technik, die in Offenbach und Ottersheim stets bewahrt, vor 30 Jahren aber stellenweise wieder reaktiviert wurde, hilft primär den Bauern. Denn mithilfe der Bewässerung erzielen sie trotz weitgehenden Verzichts auf Düngung einen guten Heuertrag. Der positive Nebeneffekt der Gemeinschaftsaktion der Landwirte, Naturschützer und Kommunen war, dass sich das Areal zu einem idealen Brutgebiet für Störche entwickelte.
Die Erlebnisstationen sollen auf den bestehenden Rad- und Wanderwegen verteilt werden. An den Queichwiesen verlaufen neben dem Queichtalradweg der Queichwiesen-Rundwanderweg und der 2025 eröffnete Klimawanderweg, auf dem man auf die Folgen des Klimawandels hingewiesen wird.
Herzstück bildet eine App
Geplant sind Virtual- und Augmented-Reality-Anwendungen, Audio- und Videostationen sowie 360-Grad-Angebote. Des Weiteren soll bei Offenbach eine neue Aussichtsplattform entstehen, auch Infosäulen und Sitzbänke sollen aufgestellt werden. Mit diesen und weiteren Angeboten soll es gelingen, Besuchern ganzjährig die Bedeutung dieses Gebiets näherzubringen. Sie ergänzen damit die Führungen der Interessengemeinschaft Queichwiesen, die Pirmin Hilsendegen und seine Mitstreiter regelmäßig anbieten.
Herzstück dieser digitalen Angebote wird eine eigene App sein, die erst noch entwickelt werden muss. Denn bei dem Digitalisierungsprojekt handelt es sich um einen Prozess, der jetzt durch eine großzügige finanzielle Förderung angestoßen und erst möglich gemacht wurde. Etwas mehr als eine halbe Million Euro werden investiert, um die Queichwiesen auf neue Weise erlebbar zu machen. 432.000 Euro stellen das Land und die EU durch Zuschüsse bereit. Den Rest tragen anteilig die Kommunen. Beteiligt sind neben den Verbandsgemeinden Offenbach und Bellheim die Städte Germersheim und Landau sowie die beiden Landkreise Germersheim und Südliche Weinstraße.
Wie es zur Idee kam
Bis Ende 2028 soll das Projekt abgeschlossen sein. Womöglich schon im Frühjahr desselben Jahres könnten die Angebote aber schon genutzt werden, schätzt Uta Holz vom Verein SÜW, der diese touristischen Angebote besonders im Blick hat und betreut. Holz und Kollegin Silke Wiedrig von der Südpfalz-Tourismus Landkreis Germersheim hatten im Austausch mit den lokalen Akteuren die Idee entwickelt, die Queichwiesen digital erlebbar zu machen, nachdem die Unesco die Queichwiesen als Immaterielles Kulturerbe der Menschheit anerkannt hatte. Das war Ende 2023. Seither haben sie diesen besonderen Status.
Von dem Projekt erhofft man sich, den Tourismus in der Region zu fördern. Dies betonte zum Beispiel Wirtschaftsministerin Daniela Schmitt (FDP). „Wenn wir es schaffen, zusätzliche Urlaubsgäste in die Region zu holen, profitieren Gastronomie, Hotellerie und Einzelhandel unmittelbar. Das schafft Arbeitsplätze und Perspektiven – gerade auch für kleinere und mittlere Unternehmen.“
Landrat äußert Bedenken
Allerdings hat man die leise Befürchtung, dass ein unkontrollierter Tourismus auch einen gegenteiligen Effekt haben könnte: nämlich dass das Naturschutzgebiet beeinträchtigt wird. Diese Bedenken äußerte unter anderem Landrat Dietmar Seefeldt (CDU) bei der Übergabe des Förderbescheids, da er als Offenbacher eine besondere emotionale Verbindung zu diesem Projekt hat.
Genau das aber soll durch die Erlebnisstationen vermieden werden. Die Verantwortlichen versprechen sich nämlich eine bessere Besucherlenkung. Durch die Infotafeln und anderen Angebote soll es gelingen, die Ausflügler von sensiblen Bereichen fernzuhalten, um damit Flora und Fauna zu schützen. Durch Sensoren wird man sich auch einen Überblick über die genaue Anzahl der Besucher verschaffen.


