Neustadt / Kreis DÜW / Kreis SÜW
Pfälzerwald als Endlager für Atommüll?
Weite Teile des Kreises Bad Dürkheim, ein kleiner Teil in Neustadts Westen und ein Streifen bis nach Edenkoben in der Südpfalz haben günstige geologische Voraussetzungen für ein mögliches Atommüll-Endlager. Das steht in einem am Montag erschienenen Zwischenbericht der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE). Das Endlager soll unterirdisch in Salz, Ton oder Kristallin, also vor allem Granit, entstehen. Die in Rheinland-Pfalz aufgeführte Fläche gehört zum Teilgebiet „kristallines Wirtsgestein“. Doch nicht nur der Boden spielt eine Rolle, sondern auch die Bevölkerungsdichte. Was sagen die Politiker in der Region dazu?
Der Bad Dürkheimer Landrat Hans-Ulrich Ihlenfeld (CDU) blickt dem Thema aufmerksam, aber auch gelassen entgegen. Und erklärt das folgendermaßen: Einerseits gehe es zunächst ja nur um die geologischen Formationen. Andererseits „kann ich mir nicht vorstellen, dass der Landkreis tatsächlich in Frage kommt, wegen der hohen Bevölkerungsdichte und der Erschlossenheit der Region“. Für die Zukunft solle Sicherheit auch gegen Klagen geschaffen werden. Damit später niemand sagen könne: „Da habt ihr aber nicht geschaut, ob es möglich wäre“, erklärt Ihlenfeld weiter.
Insgesamt handle es sich um einen sehr komplexen Auswahlprozess, der bis zum Jahr 2031 dauern werde. In der Zeit würden noch viele weitere Kriterien wie die Erdbebengefahr im Rheingraben mit in die Entscheidung einbezogen. Klar sei aber auch: „Niemand wird begeistert davon sein, das Lager zu bekommen. Aber das ist nun mal die Kehrseite der Atomkraft: Die Endlagerfrage muss geklärt werden, und Verursacher müssen dafür einstehen.“ Der Landrat hält weniger dicht besiedelte Regionen in Nord- und Ostdeutschland oder Bayern für wahrscheinlichere Standorte.
Gute Argumente dagegen
Der Dürkheimer CDU-Bundestagsabgeordnete Johannes Steiniger war überrascht, Teile seines Wahlkreises auf der Karte der BGE zu finden: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Endlager in einem derart dicht besiedelten und geologisch aktiven Gebiet installiert wird.“ Es gebe sehr viele gute Argumente gegen einen Standort in der Pfalz. Diese würden im weiteren Prüfverfahren mit Sicherheit berücksichtigt. „Die Wahrscheinlichkeit eines Lagers in unserer Region geht gegen Null“, glaubt Steiniger. Er werde sich die Untersuchung in den kommenden Tagen im Detail anschauen und mit dem BGE-Geschäftsführer Steffen Kanitz Kontakt aufnehmen, den er aus der gemeinsamen Zeit im Bundestag kennt.
„Rund 50 Prozent der Fläche Deutschlands kommen für ein Endlager in Frage, da müssen wir noch nicht in Panik verfallen“, sagt die SPD-Bundestagsabgeordnete Isabel Mackensen aus Meckenheim. Es sei noch eine lange Zeit, bis eine Entscheidung falle. Für sie als waldpolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion sei vor allem zu klären, welche Konsequenzen Atommüll auf den Pfälzerwald habe. Ein Endlager sei zudem in einer Tourismusregion schwierig zu vermitteln. „Die Generationen vor uns haben es sehenden Auges in Kauf genommen, dass wir mit dieser Frage umgehen müssen. Jetzt müssen wir alle dafür sorgen, einen geeigneten Platz zu finden. Da darf es keine Tabus geben“, so Mackensen.
„Irgendwo muss der Müll ja hin“
Ähnlich äußert sich auch Sybille Höchel (CDU), Ortsbürgermeisterin von Neidenfels, die Manfred Kirr als Bürgermeister der Verbandsgemeinde Lambrecht vertritt. Sie beschäftige die Frage, inwieweit sich ein Endlager mit den Anforderungen an ein Biosphärenreservat wie dem Pfälzerwald vertrage. Und inwieweit sich dies auf den Tourismus auswirken könne. „Irgendwo muss der Müll ja hin, aber begeistert ist niemand, wenn er vor der eigenen Haustür gelagert werden soll“, so Höchel.
„Dass die Bundesgesellschaft für Endlagerung bei der Suche nach einem Atommüll-Lager auch den westlichen Teil unseres Stadtgebietes einbezieht, kommt sehr überraschend. Gefreut hat mich diese Nachricht natürlich nicht“, sagt der Neustadter Oberbürgermeister Marc Weigel (FWG). Er werde sich zunächst mit Experten austauschen. Neben geologischen Kriterien spielten auch eine ganze Reihe anderer Parameter eine Rolle. Alleine deshalb dürfte Neustadt „sicherlich nicht zu den Favoriten gehören“. Das ausgewiesene Untersuchungsgebiet umfasse mehr als die Hälfte der Fläche der Bundesrepublik. „Die Pfalz ist also noch lange kein Endlager-Standort“, so Weigel.
Relativ entspannt
„Wir sind sensibilisiert, und ich habe das Thema an die Bürgermeister unserer drei Gemeinden weitergegeben“, sagt Gabriele Flach (CDU), Bürgermeisterin der Verbandsgemeinde Maikammer. Angesichts der Tatsache, dass über 50 Prozent des Bundesgebiets als derzeit mögliche Standorte in Frage kommen, sei sie im Moment jedoch relativ entspannt. „Bis zur endgültigen Entscheidung fließt noch viel Wasser den Rhein runter“, so Flach, die den Verlauf der Entwicklung abwarten will.

