Neustadt
Neue Realschule: Diese Akzente setzt der Siegerentwurf
Glückliche Gesichter am frühen Dienstagnachmittag im Saalbau. Eineinhalb Tage lang hatte eine Jury aus Mitgliedern der Verwaltung und Vertretern der Kommunalpolitik sich mit 24 Entwürfen beschäftigt. Architekturbüros aus ganz Deutschland hatten sich Gedanken gemacht, wie die neue Georg-von-Neumayer-Realschule plus aussehen könnte – 100 Bewerbungen waren auf die Ausschreibung der Stadt insgesamt eingegangen. Oberbürgermeister Marc Weigel: „Es ist nicht selbstverständlich, dass eine Stadt bei einem Schulbau statt auf das reguläre Vergabeverfahren auf einen Wettbewerb setzt.“ Er sei aber davon überzeugt, „weil die Qualität der Ergebnisse steigt“.
Zudem sei ein solch ausführliches Verfahren wichtig, „da dies unser erster Schulneubau seit den 70er-Jahren ist“. Die Stadt gehe bewusst transparent vor und binde viele Köpfe dabei ein. So habe die Jury während der Beratung nur die anonymisierten Entwürfe gesehen, aber keine Hinweise zu den Büros gehabt. „Wir haben nun ein tolles Ergebnis, und das ist umso besser“, so Weigel.
Weigel telefoniert mit Sieger
Mitte Dezember 2020 hatte der Stadtrat beschlossen, dass auf dem Gelände der Georg-von-Neumayer-Realschule plus im Böbig ein neues Schulgebäude gebaut wird. Die Investitionskosten liegen bei rund 27 Millionen Euro, die neue Schule ist auf Vierzügigkeit ausgelegt. Grund für den Abrissbeschluss: Die alte Realschule plus kann die aktuellen Brandschutzanforderungen nicht mehr erfüllen. Da sie aber noch genutzt werden soll, bis der Neubau errichtet ist und die aktuelle Brandschutzgenehmigung Ende 2023 ausläuft, muss beim Brandschutz noch für 1,8 Millionen Euro nachgebessert werden.
210.000 Euro gab es für den Architektenwettbewerb an Preisgeld. Der Sieger ist das Büro Löhle Neubauer Architekten aus Augsburg. Weigel telefonierte mit den Architekten gleich am Dienstagmittag: „Sie haben sich sehr gefreut, auch als sie die Namen der Wettbewerber gehört hatten.“ Das weitere Verfahren sieht so aus, dass der Sieger nun den Auftrag für eine genaue Bauplanung bekommt. Läuft alles nach Plan, könnte Anfang 2025 der erste Spatenstich sein. Für die Bauzeit wird mit zwei Jahren kalkuliert. Außerdem muss die Stadt noch Fördermittel beantragen.
„Riesige Chance“
Weigel zeigte sich vom Siegerentwurf überzeugt: „Unsere Priorität ist, eine moderne Schule zu bauen, die alle Anforderungen an moderne Pädagogik erfüllt.“ Das Neubau-Modell sehe viel Licht und Grün vor. Flächen seien klug verteilt, somit sehe der Entwurf „Funktionalität und Flexibilität“ vor. Zudem sei Barrierefreiheit und die Betreuung von Kindern mit Einschränkungen vorgesehen. „Für uns bietet der Neubau eine riesige Chance“, betonte Weigel.
Baudezernent Bernhard Adams verwies insbesondere auf die städtebaulichen Perspektiven, die sich durch den Wettbewerb ebenfalls ergeben. Denn durch den Schulneubau werde zwischen Landwehrstraße und Martin-Luther-Kirche auch eine öffentlich zugängliche Promenade entstehen. Rund ums Schulgebäude sieht der Siegerentwurf zudem weitere Gebäude vor – etwa ein Jugendzentrum, eine Kita oder ein Umweltbildungszentrum. „Da ist noch vieles offen, bei dem auch die Finanzierung noch zu klären ist“, sagte Adams zu diesen Ideen. Wichtig sei aber die Neugestaltung des Stadtteils. So bekomme auch der Speyerbach mehr Platz.
Vorsitzender der Jury war Marcus Hille, Architekt aus Ingelheim. Er lobte den dreigeschossigen Siegerentwurf als „klar als Quadrat akzentuiert“. Es werde einen großen grünen Innenhof, einen überdachten Pausenbereich sowie große, aneinandergrenzende Bereiche für Foyer und Mensa geben. „Wir haben kurze Wege und viel Licht“, so Hille. Auch mit Blick auf möglichst geringe Betriebs- und Unterhaltungskosten seien zentrale Kriterien erfüllt. Adams kündigte an, dass alle Modelle des Wettbewerbs demnächst noch öffentlich ausgestellt werden.
