Neustadt
Realschule plus: Brandschutz wird deutlich teurer
Die Stadt Neustadt wird auf dem Gelände der Georg-von-Neumayer-Realschule plus im Böbig ein neues Schulgebäude bauen. Das hat der Stadtrat Mitte Dezember 2020 beschlossen. Das alte Gebäude wird abgerissen. Die Investitionskosten liegen laut aktuellen Verwaltungsangaben bei rund 27 Millionen Euro. Sowohl Teilabriss als auch Sanierung wären teurer gekommen. Die neue Schule ist auf Vierzügigkeit ausgelegt. Im März 2021 hat die Aufsichtsbehörde das Raumprogramm bewilligt, im Juli 2021 folgte die Freigabe für den Architektenwettbewerb. Die Verwaltung hat dafür bereits im Vorjahr Kontakt zur Architektenkammer aufgenommen. Jetzt im Oktober sollen Bauausschuss sowie Schulträgerausschuss und Stadtrat über den konkreten Ablauf des Architektenwettbewerbs informiert werden. Dann soll es auch Angaben zum weiteren zeitlichen Ablauf des Großprojekts geben.
Dass seit den Weichenstellungen vor einem Jahr nicht mehr viel in Richtung Architektenwettbewerb passiert ist, sorgte bei den Mitgliedern im Schulträgerausschuss am Mittwochabend für Unmut. Noch kritischer wurde die Stimmung im Gremium, als Nina Heeskens, Leiterin der städtischen Abteilung Bauprojekte, und Katharina Bender, Fachbereichsleiterin Gebäudemanagement, über den aktuellen Stand beim Thema Brandschutzsanierung informierten. Denn die Schule wird zwar abgerissen, soll bis dahin aber noch genutzt werden. Dies ist nur möglich, wenn aktuelle Brandschutzauflagen erfüllt werden, denn die aktuelle Genehmigung läuft Ende 2023 aus.
Lüftungsanlage muss weg
Laut Heeskens muss die Lüftungsanlage in der Realschule entfernt werden, da sie wegen fehlender Klappen nicht automatisch schließe, wenn die Brandmeldeanlage einen Alarm meldet. Der Einbau einer neuen Lüftungsanlage sei wegen des absehbaren Abrisses des Gebäudes nicht wirtschaftlich. Daher soll die Lüftung künftig durch geöffnete Fenster sowie eine „Einzelraumlüftung“ erfolgen. Weitere Brandschutzarbeiten betreffen Einrichtungen im Keller des Schulgebäudes. Die Gesamtkosten mit Blick auf den Brandschutz bezifferte Bender mit 1,8 Millionen Euro.
Diese Zahl rief Hans-Christoph Stolleis (CDU) auf den Plan. Er fragte nach der Summe und wie es im Vergleich zur früheren Kalkulation zu „einer Verzehnfachung der Kosten“ kommen konnte. Bender betonte, dass man bis vor einem Jahr nur eine allgemeine Planung habe vorlegen können: „Jetzt im Umsetzungsprozess erleben wir erhebliche Kostensteigerungen, außerdem sind weitere Arbeiten nötig geworden.“ Ein Beispiel sei die Lüftungsanlage.
Keine Zeitangaben
Noch keine genauen Angaben gibt es, bis wann die neue Schule fertig sein wird. Die Verwaltung geht davon aus, dass der Architektenwettbewerb im Sommer 2023 abgeschlossen sein wird. Danach müsse mit etwa vier Jahren bis zum Abschluss der Bauarbeiten gerechnet werden.
Andreas Böhringer (SPD) nahm diesen vagen Ausblick aufs Ende des Jahrzehnts und die hohen Summen beim Brandschutz zum Anlass für die Frage: „Müssen wir damit rechnen, dass die Schule Ende 2023 geschlossen werden muss?“ Oberbürgermeister und Schuldezernent Marc Weigel (FWG) entgegnete entschieden: „Nein, da besteht keine Unsicherheit. Die Schule wird nicht geschlossen.“ Man habe sich ja mit allen Brandschutzinvestitionen mit den zuständigen Stellen abgestimmt. Auf einen konkreten Termin für die Fertigstellung der neuen Realschule wollte sich der OB nicht einlassen: Das wäre angesichts der „aktuellen Probleme in der Baubranche unseriös“. Matthias Frey (FDP) merkte schließlich an: „Dass der Brandschutz teurer wird, ist ärgerlich, aber es sollte bis zum Neubau reichen. Es wäre aber wichtig, mehr Fahrt aufzunehmen.“
