Neustadt
Stadt plant neue Grundschule
Wer einen Eindruck bekommen möchte, was die Stadt in Sachen Schulen alles tun muss, kann den Hauptausschuss besuchen, der einmal im Monat tagt. Allein im Mai ging es dort fünfmal um das Käthe-Kollwitz-Gymnasium. Dort werden die naturwissenschaftlichen Unterrichtsräume saniert. Was lapidar klingt, bedeutet für die Verwaltung jede Menge Kleinarbeit. Denn für das Projekt sind viele kleine Schritte zu planen und alle Gewerke einzeln auszuschreiben und zu vergeben. Und für jeden Auftrag müssen Handwerker gefunden werden. In der Regel gehen die Beschlüsse rasend schnell, weil sich die Kommunalpolitik bei dem Thema einig ist. Aber wer die jeweiligen Aufträge addiert, kommt schnell auf sechsstellige Summen. Und das nur für dieses eine Vorhaben.
Oberbürgermeister Marc Weigel beschreibt die Aufgabenstellung bei den Schulen so: „Wir haben einen Sanierungsstau von vielen Jahren.“ Man habe die Aufgabe aber angenommen: „Wir sind gut unterwegs , auch wenn es vielen nicht schnell genug geht.“ In Sachen Bauen stehen der Stadt neben den Sanierungen als Daueraufgabe zudem zwei Großprojekte ins Haus. Beim ersten davon stehen in einigen Tagen Schlüsselentscheidungen an: Denn am 19. und 20. Juni wird die Jury zum Architektenwettbewerb für den Neubau der Georg-von-Neumayer-Realschule plus tagen. 27 Millionen Euro werden in den Abriss der bestehenden Schule und den Bau des neuen Gebäudes investiert. OB Weigel und Andreas Gröschel, Abteilungsleiter Schule und Sport, sowie Rolf Müller, Fachbereichsleiter Bildung, Kultur und Sport, bedauern das schon vor Jahren auf den Weg gebrachte Projekt fast ein bisschen. Eigentlich mögen sie die bestehende Realschule. Aber dort sei „der Brandschutz nicht mehr zu erfüllen gewesen“, so Weigel. Und bei der Abwägung aller Optionen sei klar geworden: „Ein Neubau ist günstiger als die Sanierung.“
120 Interessenten
Für die Verwaltung ergibt sich dadurch nun eine arbeitsreiche und spannende Situation: „Wir haben noch nie so groß und umfassend geplant“, meint Gröschel. Laut Weigel hat das einen Grund: „Die neue Schule soll mehr sein als ein Funktionsgebäude. Der Neubau soll alle Anforderungen an moderne pädagogische Konzepte erfüllen.“ Daher freuen sich die Planer in der Verwaltung, dass sich auf den Architektenwettbewerb 120 Interessenten gemeldet haben. In einem ersten Schritt seien 25 Büros ausgewählt worden, die nun Entwürfe ausgearbeitet haben, mit denen sich die Jury in ein paar Tagen befassen wird. Müller präzisiert: Es gehe nicht nur um einen Schulbau, sondern um einen städtebaulichen Wettbewerb, „da wir auch das Gelände um die Schule herum neu gestalten werden“.
An Preisgeld beim Wettbewerb stehen 210.000 Euro zur Verfügung. Der Sieger wird laut Gröschel dann denn Auftrag für eine genaue Bauplanung bekommen. „Wir hoffen, dass bis Mitte 2024 alle Genehmigungen vorliegen und wir dann ausschreiben können“, so Gröschel. Spatenstich soll Anfang 2025 sein. Weigel rechnet mit einer Bauzeit von zwei Jahren. Danach kommt eine weitere Besonderheit des Projekts zum Tragen: Denn die alte Schule wird noch solange genutzt, bis der Neubau bezogen werden kann. Und weil dann das Jahr 2027 erreicht ist und Neustadt Gastgeber der Landesgartenschau sein wird, „werden wir mit dem Abriss der alten Realschule erst nach der Gartenschau beginnen“, erläutert Gröschel.
Bedarf im Osten der Stadt
Derweil zeichnet sich noch ein zweiter Schulneubau ab. Aber nicht bei einer weiterführenden Schule. Vielmehr besteht im Osten der Stadt aufgrund der Neubaugebiete (etwa Sulo- und Fütterer-Gelände) Handlungsbedarf, bekräftigt Weigel. Die dortige Eichendorff-Schule zähle nun über 400 Kinder und sei am Limit. „Wir werden daher eine Grundschule im Bereich Branchweiler bauen müssen“, sagt Weigel. In nächster Zeit solle alles in die Wege geleitet werden. Der Oberbürgermeister betont aber auch, dass das Vorhaben noch ganz am Anfang steht: „Standortwahl und Finanzierung haben wir noch vor der Brust.“ Klar sei nur, „dass wir auf die bauliche Entwicklung des Stadtteils reagieren und für mehr Schulraum sorgen müssen“.
Zur Sache: Barrierefreies Gymnasium
Zwar kein Neubau, aber ein neues Angebot wird laut Oberbürgermeister Marc Weigel für das Kurfürst-Ruprecht-Gymnasium (KRG) angestrebt: „Wir wollen ein komplett barrierefreies Gymnasium.“ Die Wahl sei dafür auf das KRG gefallen, „weil es dort baulich am besten geht“. Die Bedingungen am Käthe-Kollwitz-Gymnasium und am Leibniz-Gymnasium seien wegen der dortigen Altbauten deutlich schwieriger. Dennoch sei das Signal, ein komplett barrierefreies Gymnasium anbieten zu können, sehr wichtig, so Weigel. Zumal dieser Wunsch immer öfter geäußert werde. Ein weiterer Baustein in Sachen Attraktivität sind Investitionen in die Digitalisierung der Schulen. Weigel ist froh über den jüngst beschlossenen Medienentwicklungsplan. Nun laufe die Umsetzung mit der Anschaffung von Bildschirmen und Tafeln.