Neustadt
Nach Amokalarm: Große Unruhe am Käthe-Kollwitz-Gymnasium
Dienstag, 9. Januar. Der zweite Schultag im neuen Jahr. Am Käthe-Kollwitz-Gymnasium in der Neustadter Innenstadt steht die erste Pause bevor. Zeit zum Durchatmen. Doch dann gibt es einen Amokalarm. Ein Fall, der nie eintreten sollte und der bei vielen schreckliche Bilder hervorruft. Auch die Neustadter Polizei fackelt bei der Einsatzmeldung nicht lange und rückt mit allen in die Villenstraße aus, die in der Inspektion greifbar sind. Der Schreckmoment dauert zum Glück nicht allzu lange, da sowohl Schulleiter Stefan Vogt als auch die Polizei schnell wissen: Es gibt keine Gefahrensituation, es war ein Fehlalarm. Ein technischer Defekt wird als Ursache vermutet.
Auch bei der Stadt sorgt der Amok-Fehlalarm für Aufsehen, weshalb noch am 9. Januar verantwortliche Mitarbeiter in die Schule kommen, um sich ein Bild zu machen. Eine Fachfirma wird mit der genauen Ursachenforschung beauftragt. Inzwischen steht fest, so informiert Stadtsprecher Tobias Grauheding auf Anfrage, dass „der Fehlalarm am 9. Januar auf eine Alarmierungsleitung zurückzuführen ist, die bei den Umbaumaßnahmen von Handwerkern versehentlich beschädigt wurde. In der Folge wurde die Alarmierung ausgelöst“. Die Fachfirma war am Montag im „Käthe“ und hat laut Grauheding die defekte Leitung umgehend repariert. Allerdings mit Folgen: „Dabei wurde leider erneut ein Fehlalarm ausgelöst. Es folgte umgehend eine Entwarnungsdurchsage. Die Anlage funktioniert nun wieder.“
Monatelanges Warten auf Reparatur
Für Schulelternsprecherin Mandy Schiefner-Rohs passen die Erklärungen und Probleme ins Bild – und sie erklären ihrer Meinung nach auch den Frust an der Schule. Die Stadtverwaltung bemühe sich ja und gehe die Sanierungsaufgaben an. Aber in Gesprächen klinge alles „eher technisch“. So auch jetzt beim Thema Amokalarm. Aber der Zwischenfall vom 9. Januar sowie die erneute kurze Störung und die häufigen Feuer-Fehlalarme „machen etwas mit Schülern und Lehrern“, sagt sie. So sei es am Montag nur Schulleiter Vogt zu verdanken gewesen, dass die Polizei nicht erneut ausgerückt sei, so Schiefner-Rohs. Der Frust sei so groß, dass sie in einem Schreiben an Oberbürgermeister Marc Weigel verschiedene Missstände an der Schule klar benennt.
Im RHEINPFALZ-Gespräch betont Schiefner-Rohs, dass es darum gehen müsse, „dass man aus den Dingen, die schief gelaufen sind, lernt“. Am „Käthe“ bestehe die Gefahr, dass aufgrund der häufigen Fehlalarme „diese niemand mehr ernst nimmt“. Daher müssten Mängel beseitigt werden. Aber man warte seit Monaten vergeblich auf eine Reparatur: Denn zwei Feuer-Fehlalarme seien 2023 dadurch passiert, dass in der Turnhalle ein Ball auf den Warnknopf geflogen sei. „Obwohl das bekannt ist, konnte bisher keine Abdeckung angebracht werden“, bemängelt Schiefner-Rohs.
„Nicht auf Technik reduzieren“
Der Amok-Fehlalarm habe dazu geführt, dass einige Lehrer und Schüler noch Redebedarf hätten und psychologische Hilfe bräuchten. Daher sei es nicht in Ordnung, das Thema nur auf die Technik zu reduzieren. „Ich habe Eltern gesehen, die unter Tränen vor dem Gebäude standen“, sagt die Elternsprecherin. Andere Eltern hätten von Schülern, die sich wie vorgeschrieben in Klassenzimmern unter die Tische gesetzt hatten, die Nachricht bekommen: „Hab’ dich lieb.“ Das mache etwas mit allen Betroffenen. Und das sei eben auch die Folge technischer Mängel, auf die der Schulelternbeirat ebenso wie die Schulleitung schon lange hinweisen, sagt Schiefner-Rohs. Aber vieles passiere zu langsam – und das frustriere.
In der Schule selbst wolle man die Ereignisse rund um den Amok-Fehlalarm auch noch aufarbeiten, heißt es in einem Elternbrief von Schulleitung und Schulelternbeirat. Einmal im Jahr wolle man künftig über das richtige Verhalten bei Gefahrenlagen sprechen.
Turnhalle kann wieder genutzt werden
Die Stadt wiederum wird laut Grauheding auf den Brief des Schulelternbeirats mit einem Besuch von Oberbürgermeister Marc Weigel und Baudezernent Bernhard Adams und persönlichen Gesprächen vor Ort reagieren: „Gemeinsam mit verschiedenen Fachabteilungen sollen dabei alle Fragen beantwortet werden.“
Grauheding räumt ein, dass es 2023 zu Verzögerungen gekommen sei. Doch in der ersten Jahreshälfte 2024 werde das „Käthe“ komplett mit moderner Präsentationstechnik ausgestattet. Die Mitte Dezember wegen einer beschädigten Wandverkleidung und der Gefahr, dass giftige Stoffe aus der Wärmedämmung freigesetzt werden könnten, gesperrte Turnhalle sei repariert und könne seit Dienstag wieder genutzt werden, so Grauheding. Auch bei den anderen Baustellen nennt er Termine: Die Toiletten sollen bis Ende April fertig sein. Bei der Sanierung der Nawi-Räume gehe es voran: Die ersten sollen bis Anfang März, die anderen ab dem neuen Schuljahr genutzt werden können. Laut Schiefner-Rohs hat sich die SPD-Stadtratsfraktion beim Schulelternbeirat gemeldet und will im Stadtrat über die technische Ausstattung am „Käthe“ sprechen.
