Neustadt „Keine Merkel-muss-weg-Stimmung“

Als Vorsitzender der Jungen Union Rheinland-Pfalz sieht der Bad Dürkheimer Bundestagsabgeordnete Johannes Steiniger – hier bei e
Als Vorsitzender der Jungen Union Rheinland-Pfalz sieht der Bad Dürkheimer Bundestagsabgeordnete Johannes Steiniger – hier bei einem Wahlkampftermin mit der CDU-Landesvorsitzenden Julia Klöckner – das Sondierungspapier zur großen Koalition positiv.

In den Reihen der SPD erleben die Jungsozialisten (Jusos) gerade Sternstunden. Brav und konservativ gibt sich dagegen die Junge Union (JU). Man sei mit dem Sondierungspapier recht zufrieden, sagt Johannes Steiniger als JU-Landesvorsitzender. Wir haben mit dem Bad Dürkheimer Bundestagsabgeordneten für den Wahlkreis Speyer-Neustadt außerdem über Trägheit und Angela Merkel gesprochen.

Herr Steiniger, auf der SPD wird viel herumgehackt im Augenblick. Man könnte aber auch sagen, dass dort beispielhaft innerparteilich um den richtigen Weg gerungen wird. Das machen die Jusos ganz gut, oder?

Was Kevin Kühnert da als Juso-Vorsitzender in den letzten Monaten gemacht hat, finde ich absolut respektabel. Ich weiß ja als Vorsitzender der Jungen Union in Rheinland-Pfalz, wie hart das Ringen mit der Parteiführung sein kann. Andererseits hat sich die SPD ein Stück weit selbst in die Lage manövriert, indem Martin Schulz am 24. September gesagt hat, sie machen auf keinen Fall eine große Koalition mehr. Was man bei der SPD aber gut sehen kann: Es scheint Führungskräfte für die Zukunft zu geben. Kühnert hat leidenschaftlich gestritten für seine Position. Was macht die CDU in ihrer innerparteilichen Auseinandersetzung im Gegensatz dazu so träge? Ich war auf vielen innerparteilichen Veranstaltungen im Wahlkreis seit der Bundestagswahl. Und natürlich wird vor Ort ganz intensiv unter den Mitgliedern diskutiert. Was man dabei kaum wahrnimmt, sind die Stimmen der jungen Leute in der CDU. Ja, gut, weil wir tatsächlich mit den Dingen, die im Sondierungspapier festgelegt wurden, recht zufrieden sind. Sowohl beim Thema Familiennachzug als auch bei Bildung und Schuldenpolitik. Das sind für uns als Junge Union wichtige Themen. Auch die kalte Progression und die Abschaffung der doppelten Staatsbürgerschaft. Es ist ja nicht die Rolle der Jugend, einfach nur dagegen zu sein. Aber kalte Progression und doppelte Staatsbürgerschaft sind nicht per se Themen, die junge Leute als allererstes nennen würden. Man könnte entgegnen, dass die Jusos für junge Leute auch nichts zu bieten haben, weil die derzeit nur sagen: Wir wollen keine große Koalition. Geht es den Jusos insgesamt nicht eher um die Frage der Erneuerung? Und ob man das innerhalb oder außerhalb einer Regierung schafft? Aber das ist ja kein junges inhaltliches Thema. Kühnert hat gesagt, er möchte, dass von dem „Laden“ noch etwas übrig bleibt, wenn seine Generation mal dran ist. Eine egoistische, nach innen gerichtete Diskussion. Wir wollen die Themen gestalten. Möglicherweise fehlt der Jungen Union diese egoistische Sicht. Berlin erlebt derzeit eine recht schwache Kanzlerin, und niemand weiß, was passiert, wenn Frau Merkel mal nicht mehr da ist. Diese Diskussion gibt es in der CDU öffentlich gar nicht. Wird das unter dem Deckel gehalten, oder gibt es einfach niemanden? Nur weil es nicht vor Kameras diskutiert wird, heißt das ja nicht, dass man sich nicht Gedanken macht, wie es weitergeht. Also wird es unterm Deckel gehalten? Nein, das hieße ja, dass da eine aggressive Merkel-muss-weg-Stimmung wäre. Das ist nicht der Fall. Wenn man sich aus Sondierungskreisen anhört, wie das abgelaufen ist, dann ist von einer schwachen Kanzlerin tatsächlich nichts zu sehen. Sie hat nämlich gut verhandelt. Wir fordern als Junge Union, dass möglichst viele aus der jüngeren Generation in entsprechende Positionen kommen – in der Partei, in der Fraktion und in der Regierung. Wer könnte das denn sein? Bei Jens Spahn angefangen, den wir als Junge Union gegen den Willen der Fraktionsführung vor drei Jahren ins Präsidium gewählt haben, über Julia Klöckner und andere Abgeordnete, die auch eine Perspektive haben. Die Junge Union steht oft für die Forderung nach mehr Konservatismus in der CDU, während die Kanzlerin mitunter als SPD-Vorsitzende wahrgenommen wird. Die CDU muss in den Koalitionsgesprächen vielleicht noch mal auf die SPD zugehen. Ein Widerspruch zu den Positionen der Jungen Union, oder? Das hängt davon ab, wie man konservativ definiert. Uns war wichtig, dass man beim Thema Migration eine neue Ordnung hinbekommt, dass es weiter eine Haushaltskonsolidierung gibt und dass wir einen Spielraum für die Zukunft wahren können. Ob das alles konservativ ist, weiß ich nicht. Die SPD will ihre Mitglieder befragen. Warum gibt es eigentlich keine Mitgliederabstimmung zum Koalitionsvertrag in der CDU? Wir haben heute als Junge Union schon gesagt, dass die Nein-Sager gerne zu den Jusos gehen können. Diejenigen, die etwas gestalten wollen, sind bei der Jungen Union herzlich willkommen. Wir haben einen Bundesparteitag, der den Koalitionsvertrag abstimmen wird. Das ist im Übrigen eine Forderung der Jungen Union gewesen. Das ist für uns ein gutes Verfahren. Es gibt Verfassungsrechtler, die sagen, dass man das auch kritisch sehen kann, diesen Mitgliederentscheid, weil jetzt 450.000 SPD-Mitglieder eine doppelte Stimme haben – einmal bei der Bundestagswahl und jetzt noch mal bei der Frage, ob es eine Regierung gibt oder nicht. Die CDU könnte ihren Mitglieder diese zweite Stimme ja auch geben. Ja, aber was ist das Nächste? Ich weiß nicht, ob das in einem repräsentativen System das geeignete Mittel ist. Wenn man auf die Zeit nach Merkel blickt: Wo sehen Sie da Ihre Position als junger CDU-Politiker? Im Moment wird die Ausschussbesetzung beraten. Da würde ich mir eine neue Position wünschen. Dazu kommt die Frage, wie wir uns als junge Abgeordnete insgesamt ausrichten: Wer wird Chef der Jungen Gruppe im Bundestag? Ich werde dort meinen Platz mit Sicherheit finden.

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