Fragen und Antworten
Können Kitas vor Einbrechern geschützt werden?
Sind Kita-Einbrüche ein neues Phänomen?
Nein, sagt Joachim Bossek. „Es gibt sie schon immer, wir haben immer mal wieder mit Einbruch-Serien in Kitas zu tun.“ Bossek blickt dabei auf seine über 40-jährige Polizeierfahrung zurück. Der Kriminalhauptkommissar ist Leiter der Zentralen Prävention in Ludwigshafen und geht in wenigen Wochen in den Ruhestand. Aktuelle Zahlen aus Neustadt bestätigen Bosseks Eindruck: So ist in die städtische Kita in Mußbach innerhalb von wenigen Tagen gleich zweimal eingebrochen worden. Außerdem schlugen die unbekannten Täter in der katholischen Kita in Königsbach sowie in der integrativen Kita der Lebenshilfe und in der städtischen Kita in Lachen-Speyerdorf zu. Auch in der Südpfalz hatten sich Einbrecher zuletzt in Kitas zu schaffen gemacht, etwa in St. Martin und Gommersheim.
Was weiß die Polizei über den möglichen Täterkreis?
Zu den aktuellen Fällen arbeitet die Polizei aus Neustadt, Edenkoben und Landau eng zusammen, um gemeinsame Ermittlungsansätze zu finden und abzustimmen. Generell sagt Bossek: „Für Kita-Einbrüche habe ich kein Verständnis.“ Denn es sei aufgrund der Einrichtungen von vorneherein klar, dass die Beute dort eher gering sei – „maximal Kaffeetassen, die Kaffeekasse oder Laptops“. Aufgrund dieser Aussichten handele es sich bei Kita-Einbrechern in der Regeln nicht um dieselben Täter, die in Häuser oder Wohnungen einbrechen. „Eben weil die Gewinnspanne nicht so hoch ist.“
Ein Blick auf die jüngsten Einbrüche zeigt, dass dort vor allem Sachschäden entstanden sind – jeweils über 2000 Euro in Mußbach, Königsbach und Lachen-Speyerdorf. Erbeutet wurden zudem vier Laptops, ein Drucker, eine Musikbox, ein Schlüsselbund und eine kleinere Menge Bargeld. Aber nicht in allen Fällen nahmen die Täter Diebesgut mit.
Was kann in Kitas in Sachen Prävention getan werden?
Joachim Bossek rät mit Blick auf die meist offene Bauweise in Kitas, „weil es ja helle Räume sein sollen“, dass Wertsachen wie die Kaffeekasse oder Laptops nicht offen herumstehen. Die Fenster um das Büro der Kita-Leitung sollten zudem mit Sichtschutzfolie beklebt werden, sodass man nicht von außen erkennen könne, ob sich dort Wertgegenstände befinden. Richtig gemacht hat es zum Beispiel die Kita in Königsbach. Dort wurde laut Polizei nichts gestohlen, eben weil keine Wertgegenstände in den Räumen waren. Außerdem empfiehlt der Hauptkommissar, dass sich die Kita-Betreiber Gedanken über Schutzsysteme machen sollten. Das könnten entweder Alarmanlagen oder Lichtsysteme, aber auch spezielle Sicherungen für Fenster und Türen sein. „Am besten ist es, wenn sich die Einrichtungen bei uns melden. Wir kommen dann mit Experten für eine Beratung vor Ort und können bei der Begehung Schwachstellen direkt erkennen“, sagt Bossek.
Was ist mit Hinweisen?
Bossek empfiehlt allen Eltern, Mitarbeitern und Bürgern, auch rund um eine Kita aufmerksam zu sein. „Melden Sie immer auch kleinste Verdachtsmomente.“ Wer etwa eine Person immer mal wieder in einem Kita-Umfeld beobachtet, ohne dass von dieser Person ein Kita-Bezug bekannt sei, sollte dies der Polizei melden, so Bossek.
Wie gehen Kinder mit diesen Situationen um?
Laut Bossek sollten Kinder eher nicht in das Thema Einbruchsprävention eingebunden werden. „Wir wollen die Kinder ja nicht in Angst versetzen.“ Und wenn es doch zu einem Einbruch gekommen ist, seien Gespräche wichtig. Dabei sollte aber immer die kindliche Perspektive beachtet werden, betont Bossek. Er rät daher, das Thema Einbruch behutsam anzusprechen.
Das ist auch der Ansatz, den die städtische Kita in Mußbach verfolgt, wie die stellvertretende Leiterin Michaela Kaiser sagt. Vor allem die zweite Tat hätten viele mitbekommen, weil die Kinder solange draußen spielten, bis die Spurensicherung fertig war. „Wir sagen offen, was passiert ist und beantworten Fragen. Wenn ein Kind sagt, dass es Angst habe, gehen wir darauf dann ein“, sagt Kaiser. Wichtig sei, die Kinder vorsichtig einzubeziehen. Einige würden sich den Tatort ansehen wollen. Bei den Einbrüchen werde zudem betont: „Das macht man nicht, das darf man nicht.“ Klar sei aber auch, so Kaiser: „Das hinterlässt auch bei uns Mitarbeitern ein komisches Bauchgefühl, wenn man morgens im Dunkeln zur Kita kommt und sich fragt, was einen denn dieses Mal erwartet.“
Info
Hinweise von Zeugen an die Polizei Neustadt unter Telefon 06321 8540.