Neustadt Geriatrie-Chefärztin erklärt: So kann man Demenz vorbeugen
Fast jeder hat das schon mal erlebt oder mitbekommen: Etwas wird verlegt und dann stundenlang gesucht, Namen fallen nicht mehr ein oder es wird ein Termin vergessen. Vor allem bei älteren Menschen fragen sich die Angehörigen dann oft: Ist das Demenz? Fachleute wie Silke Kapper, Geriatrie-Chefärztin am Marienhaus Klinikum Hetzelstift in Neustadt, betonen, dass Demenz ein Sammelbegriff für verschiedene neurologische Erkrankungen ist, die zum Verlust von Gedächtnis und Denkvermögen führen. Die bekannteste Form ist Alzheimer. „Aber nicht alles, was wir beobachten, ist tatsächlich Demenz“, sagt Kapper. Und nicht immer müssten Angehörige und Freunde hilflos zusehen, wie die Fähigkeiten des Betroffenen immer weiter nachlassen.
Daher hat sie einen Vortrag mit praktischem Ansatz ausgearbeitet. Man müsse wissen und verstehen, was aus medizinischer Sicht rund um Demenz passiert. Denn nur dann könne man mit den Betroffenen richtig umgehen und ihnen auch helfen. Daher sei ein Blick aufs Gehirn wichtig, betont Kapper. „Wir haben es mit unumkehrbaren Prozessen zu tun, aber auch mit Dingen, die wir beeinflussen können.“ Auf diese solle man sich im Alltag konzentrieren. Sie nennt die Stichworte Vitaminmangel, dem man entgegenwirken könne, und Depression. „Das kommt im Alter häufig vor, weil die Menschen einsamer sind und viele Bekannte sterben, womit sie sich auseinandersetzen“, so Kapper. Aber auch Flüssigkeitsmangel oder Verwirrtheitszustände nach Operationen (Delir) könnten dazu beitragen, dass Menschen sich schlechter erinnern und orientieren können. „Da sind die Ausprägungen sehr ähnlich, aber es ist keine Demenz. Daher ist die Ursachensuche so wichtig“, erläutert die Chefärztin.
Vortrag am 10. Juni
Ihr Team setze bei der Demenz-Diagnose auf Bluttests, Gedächtnistests, aber auch Bildgebungsverfahren wie Computertomographie und Kernspin. Zeichne sich Alzheimer-Demenz durch Eiweißablagerungen im Gehirn aus, liege die Ursache vaskulärer Demenz in Durchblutungsstörungen im Gehirn. „Dafür kann Vorhofflimmern ein Auslöser sein“, so Kapper.
Wichtig sei, dass auch ältere Menschen soziale Kontakte hätten, sich gesund ernährten, sich bewegten und neugierig bleiben und so ihr Gehirn trainieren: Wer etwa Gesellschaftsspiele spiele und Neues aufnehme und lerne, trainiere sein Gehirn. „Das ist wichtig, denn das Gehirn ist ja auch ein Muskel“, so Kapper. Aber auch der Einsatz von Hörgeräten und Sehhilfen sei elementar. „Sonst sind die Menschen ja von allen anderen abgeschnitten und bekommen nichts mit.“
Halten Symptome über ein halbes Jahr an, müsse man tatsächlich von einer Demenzerkrankung ausgehen. Auch wer diese Diagnose bekomme, könne etwas tun, sagt die Chefärztin: „Es gibt Hilfsangebote wie in Neustadt über das Netzwerk Demenz. Da bekommt man Unterstützung. Wichtig ist auch, Demenzerkrankte weiter zu integrieren, dann können die immer noch gut zurechtkommen.“
Silke Kapper spricht über das Thema Gedächtnis – Demenz vorbeugen am Mittwoch, 10. Juni, ab 16 Uhr im GDA Wohnstift in der Haardter Straße. Dabei führt sie ihre Informationen näher aus und geht auf konkrete Tipps und Fragestellungen ein. Die Veranstaltung ist Teil der Vortragsreihe, die der Hetzelstift-Förderverein organisiert. Die Teilnahme ist kostenlos, der Förderverein freut sich aber über Spenden für seine Arbeit.