Neustadt
Aktionswoche Demenz: Hetzelstift-Chefärztin klärt über Krankheit auf
Worum geht es nächste Woche?
In Neustadt kümmert sich ein Netzwerk Demenz um Informationen über die Krankheit und unterstützt Angehörige bei der Suche nach Hilfsangeboten vor Ort. Unter Koordination der Stadtverwaltung haben sich ganz verschiedene Einrichtungen und Institutionen zusammengetan, um gemeinsam Projekte und Aktionen zum Thema zu planen. Dazu zählen ab Mittwoch Angebote rund um den Weltalzheimertag. Das genaue Programm ist auf der Homepage der Stadt (www.neustadt.eu) zu finden. Silke Kapper, Chefärztin der Geriatrie am Neustadter Marienhaus Klinikum Hetzelstift, beteiligt sich mit einem Vortrag an der Aktionswoche. Sie findet die Arbeit des Netzwerks auch aus medizinischer Sicht sehr wertvoll, da Betroffene hier über die Versorgung im Krankenhaus hinaus Informationen und Unterstützung bekommen können. In ihrem Vortrag sei es ihr daher vor allem wichtig, genau zu erklären, was Demenz überhaupt ist und wie sich diese Erkrankung auf den Alltag auswirkt. „Ich wollte unbedingt dabei sein und hatte mich bei Antritt meiner Stelle vor gut zwei Jahren unmittelbar mit Netzwerk-Vertretern getroffen“, so Kapper.
Was versteht die Medizin unter Demenz?
„Nicht jede Einschränkung der Merkfähigkeit ist Demenz“, sagt Silke Kapper. Die Medizin schaue sich Betroffene vielmehr genau an. Formal gelte folgende Regel: „Unter Demenz versteht man eine Veränderung in bestimmten Alltagskompetenzen über einen Zeitraum von sechs Monaten.“ Je nachdem, welche Gehirnregion betroffen sei, wirke sich eine Demenz unterschiedlich aus. Von Alzheimer werde gesprochen, wenn sich zusätzlich zum Gedächtnisverlust auch die Persönlichkeit verändere. Im Krankenhaus und speziell in der Geriatrie würden Befunde mit den Fachdisziplinen besprochen, um alles genau einordnen und entsprechend behandeln zu können. „Für Angehörige ist das oft schwierig zu erkennen, weil die Demenz-Prozesse schleichend passieren.“ In der Geriatrie arbeite man mit entsprechenden Tests wie dem Aufzeichnen einer Uhr und von Uhrzeiten. Der Umgang mit solchen Aufgaben lasse Rückschlüsse auf den Gesundheitszustand zu.
Gibt es Risikofaktoren?
Ja, sagt die Chefärztin. Sie verdeutlicht dazu: „45 Prozent aller Demenzfälle sind vermeidbar.“ Viel lesen sei ein wichtiger Faktor der Prävention. Außerdem sollten Diabetes und Bluthochdruck behandelt werden. Auf der Risikoliste stünden zudem der Konsum von Alkohol und Nikotin. In der Klinik achte sie darauf, dass Patienten immer Zugriff zu ihren Brillen und Hörgeräten haben. Schlechtes Hören und Sehen seien insofern auch Risikofaktoren, „weil die Menschen dann weniger mitbekommen und in ihrer Welt bleiben“.
Wie sollte man mit Betroffenen umgehen?
Je stärker die Krankheit ausgeprägt sei, desto größer sei die Hilfsbedürftigkeit. Liege nur eine leichte Störung vor, könne man mit den Patienten auch noch Themen wie Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung besprechen. Sei die Krankheit weiter fortgeschritten, müsse man sich genau auf die Betroffenen einlassen: „Kurze Sätze, Zeit nehmen, Blickkontakt.“ Je länger Demenz-Patienten in der häuslichen Umgebung betreut werden könnten, desto besser sei dies für sie. „Bekannte Dinge, vertraute Umgebung und vertraute Personen sind sehr wichtig“, sagt Kapper. Auf Station sei das beim Essen oft gut zu beobachten: „Ist bei den Mahlzeiten jemand aus der Familie dabei, ist das sehr wertvoll. Dann klappt das Essen besser.“
Welche Tipps gibt es für Angehörige?
„Ganz wichtig ist, dass alle wissen: Es gibt Unterstützung“, sagt Kapper. Am Rande ihres Vortrags würden sich unter anderem Vertreter aus dem Netzwerk vorstellen. Sie könne jedem Angehörigen nur raten, Unterstützung anzunehmen. Nur wer sich Auszeiten nehme und auch mal etwas für sich persönlich mache, habe ausreichend Kraft zur Pflege und Betreuung von Demenzpatienten. „Es gibt auch finanzielle Unterstützung, die unter anderem über den Pflegegrad geregelt wird“, erklärt Kapper.
Wichtig sei es, Patienten nicht zu korrigieren, wenn sie Falsches sagen, sondern lieber auf die Situation eingehen. Kapper weiß, dass dies viel Geduld bei den Angehörigen erfordert: „Man muss trotzdem der Ruhepol bleiben.“ Zu Ja/Nein-Antworten seien Patienten meist lange in der Lage. Entsprechend sollten Gespräche strukturiert werden.
Gibt es mehr Patienten mit Demenz?
Ganz eindeutig: Ja, da Demenz in der Regel eine Erkrankung im fortgeschrittenen Alter ist (die Ausnahme seien genetisch bedingte Krankheitsfälle) und die Gesellschaft älter wird. Daher rät Silke Kapper dazu, Symptome frühzeitig von Ärzten abklären zu lassen. Anhand von MRT/CT könne im Krankenhaus auch eine frühe Demenz sowie ihre genaue Ausprägung festgestellt werden. In manchen Fällen könne auch noch gut geholfen werden, wenn man Ursachen wie Herz-Rhythmus-Störungen oder Delir-Zustände (Verwirrtheit) beheben könne.
Info
„Wissen Demenz: Prävention, Diagnostik und Therapie“ heißt der Vortragsnachmittag am Mittwoch, 24. September, 17 Uhr, in der Cafetria des Marienhaus Klinikums Hetzelstift. Die Referenten sind Silke Kapper, Chefärztin der Geriatrie, und Andreas Brauer, Leitender Oberarzt.