Armes Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Fragen und Antworten: Wie sicher ist es in Branchweiler-West?

Polizeiaufgebot im Januar, nachdem Zeugen angeblich einen Mann mit Axt in der Kurt-Schumacher-Straße gesehen hatten. Eine Waffe
Polizeiaufgebot im Januar, nachdem Zeugen angeblich einen Mann mit Axt in der Kurt-Schumacher-Straße gesehen hatten. Eine Waffe konnte nicht gefunden werden.

In der Kurt-Schumacher-Straße und angrenzenden Gebieten in Branchweiler-West konzentrieren sich Armutslagen. Wirkt sich das auf die Sicherheit im Viertel aus? Die Neustadter Polizeidirektorin Katja Weickert und Polizeioberkommissar Daniel Henrich geben Antworten.

Werden im Westen von Branchweiler mehr Straftaten registriert als anderswo?
Auf die Straße genau wird das in der Kriminalstatistik für Neustadt nicht aufgeschlüsselt. Für den gesamten Stadtteil Branchweiler zeigt sich laut Polizei kein signifikant höheres Aufkommen von Straftaten im Vergleich zu Gesamt-Neustadt. Die erfassten Delikte, die von Beleidigungen, Bedrohungen über Körperverletzungen und Betrug bis zu Wohnungseinbrüchen reichen, kommen demnach „in sämtlichen Bereichen Neustadts vor“.

Gibt es Straftatbestände, die sich in dem Bereich häufen?
Etwas häufiger komme es zu Tankbetrug an der nahen Aral-Tankstelle, ebenso wie zu Betäubungsmitteldelikten. „Das ist dem Umstand geschuldet, dass dort viele Menschen auf engem Raum wohnen“, erklärt Weickert, die darin auch die Ursache für ein höheres Konfliktpotenzial zwischen Nachbarn sieht. Daniel Henrich betont: „Wir haben kein Problem in diesem Bereich mit Drogenhandel.“ Unabhängig vom Einsatzgebiet habe die Polizei mit Menschen zu tun, die Sucht- oder psychische Probleme haben. Es sei Teil der Polizeiausbildung, damit angemessen umzugehen.

Wie hat sich die Zahl der Straftaten entwickelt?
„Die Zahlen während einer Pandemie sind wenig aussagekräftig“, sagt Weickert. Deshalb zieht die Polizei das Jahr 2018 zum Vergleich mit den aktuellen Daten aus 2022 heran. Das Ergebnis: Insgesamt ist die Zahl der Straftaten in Branchweiler zurückgegangen, in der Sparte Körperverletzung um ein Drittel (2018: 35, 2022: zehn), bei Betäubungsmitteln hat sie sich mehr als halbiert (14/sechs). Es gibt Henrich zufolge aber auch immer wieder Schwerpunkte mit einzelnen Delikten, etwa an der Tankstelle, „wo es 2022 deutlich mehr Straftaten gab“. Was man als Polizei laut Weickert nicht verkennen darf: „Die Kriminalstatistik ist der objektive Befund, den wir haben, das Hellfeld. Dazu gibt es noch ein Dunkelfeld – und das subjektive Sicherheitsgefühl der Bevölkerung.“ Für Letzteres spielten oft ganz andere Faktoren eine Rolle, zum Beispiel die Beleuchtung.

Inwiefern sorgt die Polizei für Sicherheit in Branchweiler-West?
„Wir fahren Streife, auch wenn wir keinen Auftrag haben, kontrollieren und achten auf Verdächtiges“, sagt Henrich. Die Beamten müssten allerdings zum richtigen Zeitpunkt vor Ort sein, um beispielsweise Drogenhandel zu ahnden. Eine Herausforderung im Viertel sei die Beziehungs- und Vertrauensarbeit. „Wir haben die Entwicklung vor Augen und begleiten sie eng mit unserem Bezirksbeamten, der vor Ort präsent ist und Kontakt zu den Bürgern hält“, sagt Weickert. Im Bereich Neustadt-Ost, der die Kurt-Schumacher- und umliegende Straßen einschließt, ist das Polizeioberkommissar Stephan Wendel-Hartwig. „Wir wollen den Bürgern vermitteln: Wenn es Probleme gibt, ist die Polizei als Ansprechpartner da“, erklärt Henrich. Daneben sei die Zusammenarbeit mit Stadt, Ordnungsamt und Kommunalem Vollzugsdienst „ganz wichtig“, wie Weickert unterstreicht. Die Polizeidirektorin bildet mit Bürgermeister Stefan Ulrich die Doppelspitze des kriminalpräventiven Rats der Stadt, der auf mögliche Brennpunkte in der Stadt schaut und unter anderem Nachtbegehungen anbietet. „Wir sind im regelmäßigen Austausch über Problemstellungen, um Situationen früh zu entschärfen.“

Die Serie

In der Serie „Armes Neustadt“ wollen wir den Westen von Branchweiler, in dem sich sozialer Wohnungsbau und Unterkünfte für polizeiliche Einweisungen konzentrieren, verstehen. Wie ist das Leben im Viertel? Wieso reproduziert sich dort Armut? Und wer versucht wie, Probleme vor Ort anzugehen? Das wollen wir aus verschiedenen Perspektiven beleuchten.

Die weiteren Serienteile:

Leben im Brennpunkt: „Man muss kämpfen“

WBG-Chef: Strategie gegen Müll „hoffnungslos“

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