Neustadt
Falscher Amokalarm am „Käthe“: Stadtrat will Hintergründe wissen
Schockiert sei seine Fraktion gewesen, als sie von den Vorfällen am Käthe-Kollwitz-Gymnasium erfahren habe, begründete Stadtratsmitglied Andreas Böhringer den Antrag der SPD, die Genaueres wissen wollte und der Stadtverwaltung deshalb einen Fragenkatalog vorgelegt hatte. „Es muss für uns als Schulträger selbstverständlich sein, dass die Alarmsysteme funktionieren“, betont die Fraktion.
Am Vormittag des 9. Januar war an dem Gymnasium der Amokalarm angegangen, was auch die Polizei dazu brachte, mit allen greifbaren Kräften auszurücken. Es stellte sich zwar heraus, dass es sich um einen Fehlalarm handelte, Eltern berichteten aber, dass ihre Kinder bis dahin Ängste auszustehen hatten. Schulelternsprecherin Mandy Schiefner-Rohs sprach gegenüber der RHEINPFALZ von großem Frust an der Schule.
Baudezernent Bernhard Adams (parteilos) bestätigte am Dienstagabend im Stadtrat, dass ein technischer Defekt Ursache des Alarms gewesen sei. Zunächst sei man fälschlicherweise davon ausgegangen, dass der Hintergrund eine Störung des Telefon- und Internetanschlusses gewesen sei. Doch das zeitgleiche Auftreten der beiden Ereignisse stehe in keinem Zusammenhang und müsse als Verkettung unglücklicher Umstände betrachtet werden. Der Ausfall von Telefon und Internet gehe auf eine Störung bei den Geschäftskundenanschlüssen der Telekom zurück.
Alarm nicht überall verständlich
Der Amokalarm wurde der Stadtverwaltung zufolge hingegen ausgelöst, weil eine Elektrofirma während der Sanierung der Naturwissenschaftsräume „eine offensichtliche Alarmierungsleitung durchtrennt“ hat. So konnte es zu einem Fehlkontakt kommen, der dann bei der Reparatur am 15. Januar einen zweiten Fehlalarm ausgelöst habe. Da sei dann aber direkt eine Entwarnungsdurchsage erfolgt.
Ein weiteres Problem: Der Amokalarm war laut Verwaltung im Ober- und Untergeschoss des Altbaus sowie auf dem Außengelände nur schwer zu verstehen. Adams bestätigte damit entsprechende Informationen der Sozialdemokraten. Eine Fachfirma habe festgestellt, dass „die Amokalarmierung im Gegensatz zu den Sprachdurchsagen deutlich runterreguliert war“. Diese Anpassung sei mutmaßlich kurz nach Inbetriebnahme des Amokkonzeptes 2011 wegen Anwohnerbeschwerden erfolgt.
Die SPD-Ratsfraktion wollte auch wissen, ob es größere Probleme bei der technischen Infrastruktur der Schule gebe. Denn ihren Informationen zufolge soll Tage nach dem Fehlalarm über eine längere Zeit der Strom ausgefallen sein. Davon wisse die Verwaltung nichts, antwortete Adams. Wegen des Umbaus müssten lediglich einzelne Räume manchmal kurzfristig vom Netz genommen werden.
Neues Brandschutzkonzept in zwei Schulen
Details zur Amokalarmierung am „Käthe“ und den anderen Neustadter Schulen wollte der Stadtrat am Dienstag auch besprechen, allerdings in nicht öffentlicher Sitzung. Oberbürgermeister Marc Weigel (FWG) begründete dies damit, dass solche Details aus Sicherheitsgründen nicht öffentlich werden dürften, ansonsten müsse man gleich wieder ein neues Konzept erarbeiten.
Zur Situation der Brandalarmierung gab Baudezernent Adams hingegen Auskunft. Demnach haben 17 von 19 Neustadter Schulen eine Brandmeldeanlage. Gesetzlich vorgeschrieben sei diese Art der Vorkehrung nicht, wenn es etwa ausreichend Flucht- und Rettungswege und übersichtliche Sichtverhältnisse gebe. Ohne Brandmeldeanlage sind die Grundschule Mußbach und die Schubert-Schule. In beiden Schulen werde derzeit ein neues Brandschutzkonzept erarbeitet, weil der technische Brandschutz dort beanstandet werde. Der bauliche Brandschutz in Hinblick auf die Fluchtwege sei indes in allen Schulen gewährleistet.
„Lebendiges Gespräch“ mit Schulleiter
Der Oberbürgermeister machte deutlich, dass die Geschehnisse am Käthe-Kollwitz-Gymnasium eine „riesige Zumutung für Schüler und Lehrer“ gewesen seien. Er richtete am Ende im Stadtrat das Wort noch an Stefan Vogt, den Schulleiter des Gymnasiums, der im Publikum die Sitzung verfolgte. Weigel sagte, er habe „großen Respekt“, wie die Aufarbeitung des Fehlalarms von Schulseite erfolgt sei, auch wenn er nach dem Vorfall mit Vogt ein „lebendiges Gespräch“ geführt habe, in dem man sich gegenseitig die Meinung gesagt habe. Das sei so aber auch in Ordnung.
