Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Förderverein NS-Gedenkstätte: Werner folgt auf Dittus

Kurt Werner (links) und Gerhard Hofsäß (rechts) überreichten Eberhard Dittus zum Abschied eine Janosch-Zeichnung.
Kurt Werner (links) und Gerhard Hofsäß (rechts) überreichten Eberhard Dittus zum Abschied eine Janosch-Zeichnung.

Einschnitt beim Förderverein Gedenkstätte für NS-Opfer in Neustadt: Nach zwölf Jahren an der Spitze hat Eberhard Dittus den Vorsitz abgegeben. Sein Nachfolger ist der bisherige Vize: Kurt Werner. Er hat schon eine konkrete Idee für ein Projekt.

Der Förderverein wurde 2009 gegründet, und seither stand Eberhard Dittus (67) an der Spitze der aktuell 186 Mitglieder. Doch „irgendwann muss ein Punkt gesetzt werden“, sagte Dittus am Dienstagabend bei der Mitgliederversammlung in der Martin-Luther-Kirche. „Zwölf Jahre sind genug“, betonte Dittus, fügte aber auch an, dass der Abschied ein „komisches Gefühl“ auslöse.

Der Abend, zu dem gut 40 Mitglieder gekommen waren, verdeutlichte, dass der geplante Wechsel an der Spitze des Vereins nicht nur für Dittus ein außergewöhnliches Ereignis war. Zu spüren war dies an zwei Reden, die das Wirken von Dittus hervorhoben. Werner Schineller, früherer Oberbürgermeister von Speyer und Vorsitzender des Kuratoriums des Fördervereins, sprach von einer Ära, die nun ende. Vorgetragen wurde die Rede von Kurt Werner, bis dahin Zweiter Vorsitzender und nun neuer Vereinschef, denn Schineller musste erkrankt absagen. Der Kuratoriumsvorsitzende bezeichnetet Dittus als „guten Netzwerker“, der es über Jahre verstanden habe, andere Menschen von seinen Projekten und Ideen zu begeistern.

„Dunkelstes Kapitel der Geschichte“

Seinem Engagement sei auch die 2013 eröffnete Gedenkstätte im Quartier Hornbach zu verdanken. Die Arbeit von Dittus stehe für eine „Form des Erinnerns, die in die Zukunft wirkt“. In der ehemaligen Turenne-Kaserne im Neustadter Osten (heute Quartier Hornbach) eröffneten die Nationalsozialisten im März 1933 ein sogenanntes Schutz- und Arbeitslager, in dem nahezu 500 politische Gegner gefangen gehalten und misshandelt wurden.

Beigeordnete Waltraud Blarr betonte aus Sicht der Stadt Neustadt, dass es Dittus mit dem Förderverein gelungen sei, „das dunkelste Kapitel der Geschichte“ im Blickfeld zu behalten: „Wir müssen die Erinnerung an die Opfer wach halten und zugleich das Lernen für die Zukunft ermöglichen.“ Angesichts des Erstarkens rechter Kräfte in Deutschland sei diese „Erinnerungs- und Aufklärungsarbeit weiter bitter nötig“, sagte Blarr.

Zeichnung von Janosch

Um 19.17 Uhr war die Vorstandszeit von Dittus beendet – von den Vereinsmitgliedern gab es langen Applaus. Dittus freute sich zwar über die Komplimente, betonte aber auch: „Ohne die Mitarbeit von ganz vielen hätte ich das alles gar nicht schaffen können.“ Als Dankeschön für sein jahrelanges Engagement übergaben ihm Kurt Werner und Gerhard Hofsäß eine von dem bekannten Künstler Janosch handsignierte und auf 199 Exemplare limitierte Farbradierung mit dem Titel „Hinauf, hinauf zum Schloss“.

Oberbürgermeister Marc Weigel übernahm die Leitung bei den Neuwahlen und sprach Dittus „ein großes Dankeschön für eine herausragende Leistung“ aus. Mehr sagte Weigel am Dienstagabend nicht, da er Laudator sei, wenn der Förderverein am Sonntag, 7. November, 11 Uhr, im Mußbacher Herrenhof mit dem Kulturpreis des Neustadter Stadtverbands für Kultur ausgezeichnet wird. „Dann erfahren Sie alles, was ich über Herrn Dittus denke“, meinte Weigel augenzwinkernd.

Werner ein „Garant für Kontinuität“

Da der scheidende Vorstand für alle Positionen Vorschläge vorbereitet hatte, gingen die Wahlen schnell über die Bühne. Neuer Vorsitzender ist der bisherige Vize Kurt Werner (62). Er wurde ebenso einstimmig gewählt wie alle anderen Bewerber. Werner – seit 2009 stellvertretender Vorsitzender – sei ein „Garant für Kontinuität“, so Weigel. Er freue sich auf die Zusammenarbeit, da das Miteinander von Förderverein Gedenkstätte und Stadtverwaltung sehr wichtig sei, betonte Weigel. Grünen-Stadtratsmitglied Werner sagte, dass er auch schon eine Idee für ein Projekt habe: „Die Aufarbeitung der Kulturarbeit im Dritten Reich.“ Neue stellvertretende Vorsitzende ist Anja-Maria Bassimir, Schatzmeisterin bleibt Katja Wodausch.

Einen Einblick in den Neustadter Lager-Alltag nach 1933 ermöglichte die Masterarbeit von Benjamin Grünenwald mit dem Titel „Die Täter von Neustadt – Das frühe Konzentrationslager Neustadt“. Da auch Grünenwald erkrankt war, übernahm sein Patenonkel Josef Bodes den Vortrag. Demnach erlebten die Häftlinge regelmäßig „Misshandlung, Diskriminierung und Demütigung“. Die Wärter wiederum hätten „keine klaren Aufträge“ gehabt, aber aus „vorauseilendem Gehorsam“ sowie aufgrund eigener Motivation und Weltanschauung gehandelt.

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