Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Elmstein: Bürgermeister Verdaasdonk will eingefahrene Wege in Frage stellen

René Verdaasdonk in seinem Sembacher Büro.
René Verdaasdonk in seinem Sembacher Büro. Foto: wkr

Der Elmsteiner Ortsbürgermeister ist ein Iggelbacher mit niederländischen Wurzeln. Ein Unternehmer, der voller Vorfreude einen Ausflug in die Politik wagt. Mit dem Einzug von Rene Verdaasdonk ins Elmsteiner Rathaus ist vieles anders geworden.

Sembach bei Kaiserslautern. Auf dem Gelände des ehemaligen US-Flughafens hat der Düngemittelhersteller Lebosol 2007 und 2014 zwei Produktionsstätten aufgebaut. Die Firma mit 90 Mitarbeitern „läuft“. Damit es Inhaber René Verdaasdonk (57) nicht langweilig wird, hat er nach der Kommunalwahl in Mai einen „Betrieb“ mit rund 20 Mitarbeitern übernommen: die Ortsverwaltung von Elmstein.

Der Vergleich ist nicht weit hergeholt. Ortsbürgermeister Verdaasdonk sieht viele Parallelen zwischen Wirtschaft und Verwaltung. „Auch im Unternehmen gibt es unzählige Vorschriften und Regeln, an die wir uns halten müssen. Und ich wäre ein schlechter Chef, wenn ich alles nur einfach anordnen würde“, gehört für den Vorgesetzten Verdaasdonk Menschenführung zu einer Leitungsfunktion.

Dienstage für die Gemeinde

Für die Mitarbeiter der Ortsgemeinde Elmstein heißt das zum Beispiel: Ein neues Arbeitszeitmodell steht vor der Einführung. Und es gibt regelmäßig Mitarbeitergespräche. „Nur wenn wir alle ständig miteinander reden, können wir uns auch verbessern“, beschreibt der gebürtige Niederländer seinen Stil. Mit dem Team des Bauhofes hat er eingeführt, dass der Arbeitsplan für die Woche stets durchgesprochen wird. Dabei geht es ihm nicht um Kontrolle und Überwachung: „Druck erzeugt Gegendruck. Das ist verschwendete Energie. Wer Mitarbeiter ernst nimmt, bekommt motivierte Mitarbeiter.“

Jeder Dienstag gehört der Gemeinde, „von 7 bis 21 Uhr, inklusive der Bürgersprechstunde“. Hinzu kämen in der Regel noch zwei bis drei Abendtermine. Verdaasdonk ist seit zehn Jahren in der Kommunalpolitik, im Orts- und Verbandsgemeinderat. Er wusste, auf was er sich einlässt. Und er mag es, eingefahrene Wege in Frage zu stellen. Wenn ihm die Bauverwaltung mitteilt, dass die Brücke am Ehrenfelsen komplett erneut werden muss, dann sucht Verdaasdonk erst einmal nach Möglichkeiten, wie sie kostengünstig saniert werden kann – und findet sie. Für die Simonswiese in Appenthal will er unbedingt einen erneuten Anlauf nehmen, sie als Gewerbegebiet auszuweisen. Und auch für den Tag X, wenn ein Investor vielleicht nach einem Grundstück für ein Tagungshotel in der Gemeinde nachfragt, müsse der Bebauungsplan bereit stehen.

„Kein Denken in Ortsteilen“

Verdaasdonk will Politik machen für die Bürger, abseits von Orts- und Parteigrenzen. Dem Iggelbacher SPD-Mann ist es wichtig, die Ortsteile besser einzubinden, Appenthalern und Elmsteinern die Hand zu reichen, mit der CDU und der Sozialen Wählergemeinschaft (SWG) an einem Strang zu ziehen: „Wir brauchen kein Denken in Ortsteilen oder Koalitionen, wir brauchen die besten Lösungen für den Ort.“ Als Zugezogener räumt er ein, sich leichter zu tun. „Mein Großvater hatte keinen Krach mit einem anderen Großvater, und ich habe hier nie Fußball gespielt“, sagt er lachend.

Damit die beste Lösung gefunden wird, setzt er auf Transparenz. Er will einen Gemeinde-Nachrichtendienst per Mail auflegen, der einmal die Woche alle Bürger auf den laufenden Stand bringt. Und er erntet schon erste Erfolge: „Je mehr die Bürger eingebunden werden, desto eher sind sie bereit, sich auch ehrenamtlich einzubringen. Das ist die positivste Erfahrung meines ersten halben Jahres im Amt.“

Einkaufsabende und Dorfbüro

Für die Elmsteiner Apotheke hat sich kein Nachfolger gefunden. Damit die zwei Bäckereien, der Metzger und der kleine Lebensmittelladen nicht das gleiche Schicksal erfahren, spricht er mit den Betreibern über die Öffnungszeiten. Ein bis zwei Abende bis 21 Uhr ist sein Vorschlag. „Unser Problem ist doch, dass die Leute mit Kaufkraft erst in den Abendstunden in den Ort zurückkehren“, hat er analysiert und will auch unter den Bürgern aktiv für das Modell werben.

Drei freie Räume im Rathaus will er als Dorfbüro vermieten und sich dabei auch um Fördermittel beim Land bemühen: „Wer zu Hause keinen Platz oder eine zu schlechte Internetverbindung hat, kann sich dort einen Arbeitsplatz einrichten“, ist Verdaasdonk überzeugt.

Sein Ziel nach fünf Jahren: motivierte Bürger und ein ausgeglichener Haushalt. Erst wenn er das erreicht habe, komme vielleicht die Langeweile zurück. „Es macht riesig Spaß“, bereut Verdaasdonk den Schritt ins Ehrenamt nicht.

Die Serie: Die neuen Bürgermeister

In den Verbandsgemeinden Lambrecht, Deidesheim und Maikammer gibt es seit der Kommunalwahl 2019 sechs neue Ortsbürgermeister. Wie haben sie sich in ihrem neuen Amt eingefunden? Darüber berichten sie im RHEINPFALZ-Gespräch. Bisher erschienen: Heiner Weisbrodt, Ruppertsberg (27. Dezember), Marco Fränzel, Frankeneck (2. Januar).

Zur Sache: Das Projekt Dorfbüro

Dorfbüro ist ein Projekt des rheinland-pfälzischen Innenministeriums, das unter anderem dazu beitragen soll, den Verkehr zu reduzieren. Elmstein will sich in diesem Jahr dafür bewerben.

Die Idee: Nicht mehr benötigte Flächen in den Rathäusern werden an Freiberufler oder Arbeitnehmer, die von zu Hause arbeiten können, vermietet. Sie profitieren dabei von der technischen Infrastruktur der Gemeindeverwaltungen, zum Beispiel beim Internetanschluss, und müssen zu Hause keinen Platz zusätzlich schaffen. Der Elmsteiner Ortsbürgermeister René Verdaasdonk glaubt fest an einen solchen Bedarf in seiner Gemeinde.

Drei Räume im Rathaus würden sich seiner Meinung nach dafür anbieten und könnten auch von mehreren Interessenten genutzt werden. Verdaasdonk hat den Lambrechter Verbandsbürgermeister Manfred Kirr für die Idee gewinnen können. Über ein Förderprogramm des Landes könnte auch die Finanzierung auf sichere Beine gestellt werden.

Für das Projekt ist die Entwicklungsagentur des Landes zuständig. 2019 gab es nur eine Bewerbung von Wasserbilligbrück bei Trier, die auch berücksichtigt wurde. Schon seit 2017 gibt es ein Modellbüro in Prüm in der Eifel. Dieses Jahr sollen drei Gemeinden zum Zug kommen. Der mögliche Landeszuschuss beträgt bis zu 100.000 Euro über drei Jahre. Nach Angaben der Entwicklungsagentur gibt es landesweit rund 20 Interessenten. „Wenn wir das mit Überzeugung angehen, haben wir sicherlich gute Chancen“, glaubt René Verdaasdonk. wkr

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