Neustadt
Auf Harmonie bedacht
Die neuen Bürgermeister (1): Sechs neue Bürgermeister gibt es in der Region seit der Kommunalwahl im Mai. Wie haben sie sich in ihren neuen Ämtern eingefunden? Darüber berichten sie im RHEINPFALZ-Gespräch. Heute: Heiner Weisbrodt aus Ruppertsberg.
Als Heiner Weisbrodt (FWG) begann, sich in der Kommunalpolitik zu engagieren, war er Mitte 40. „Das ist eigentlich ein typisches Alter dafür“, sagt er. „Man ist etabliert und hat den Blick frei für das Umfeld.“
20 Jahre ist das nun her, jetzt steht der selbstständige Architekt und Vater zweier Kinder in Ruppertsberg selbst an der Spitze der Dorfführung. Zur Kandidatur hat er sich entschlossen, weil nach dem Rückzug seiner Vorgängerin Ursula Knoll die Karten ohnehin neu gemischt wurden. Gegen Knoll anzutreten wäre ihm nie in den Sinn gekommen. „Warum auch? Sie hat das gut gemacht“, sagt Weisbrodt. Was ihm besonders gefallen hat: „Sie hat großen Wert darauf gelegt, alle mitzunehmen.“
Genauso will er selbst jetzt das Dorf führen. Die Partei- beziehungsweise Gruppenzugehörigkeit sollte da keine Rolle spielen, findet er. In aller Regel funktioniere das auch. „Wir setzen uns vor den Sitzungen zusammen und schauen, dass wir Lösungen finden, mit denen jeder leben kann.“ Anders sei es auch nicht möglich, die Bürger mit in die Arbeit einzubeziehen.
Dass das gelingt, davon ist Weisbrodt überzeugt. Dabei hilft ihm auch, dass er über die Vereine gut vernetzt ist. Er sei in „fast allen“ Vereinen Mitglied, erzählt er, doch sein besonderes Faible gilt der Musik. Weisbrodt spielt Tenorhorn und ist zweiter Vorsitzender der Blaskapelle. In seiner Familie ist er mit dieser Leidenschaft nicht allein. Ehefrau, Sohn und Tochter sind ebenfalls Musiker. Was die Stilrichtung angeht, ist Weisbrodt offen. Jazz, Klassik, Rock – alles ist möglich. Es muss nur gut gemacht sein.
Wichtig ist dem 65-Jährigen, dass auch die jungen Leute bei der Weiterentwicklung des Dorfes mit an Bord sind. Bereits vor der Wahl hat er zu einer Informationsveranstaltung eingeladen und war überrascht, wie viele gekommen sind. Zwei von ihnen beteiligten sich jetzt auch an der Ausschussarbeit. Nachdem er nun ein knappes halbes Jahr im Amt sei, wolle er zu einer zweiten Informationsveranstaltung einladen und berichten, was nun so alles ansteht im Dorf.
Da geht es zum einen um die Dorfmoderation, die dazu dienen soll, Ideen für die Weiterentwicklung des Ortes zu sammeln. Wobei dabei nicht nur Bauprojekte gemeint sind. „Jeder hat Möglichkeiten, sich irgendwie einzubringen“, sagt Weisbrodt. So bemühe die Gemeinde sich derzeit Bürger zu finden, die Grünflächen pflegen. „Das Gemeindebudget gibt es nicht mehr her, das in Auftrag zu geben.“ Ruppertsberg habe ein strukturelles Defizit, was dazu führe, dass „freiwillige“ Leistungen nicht in dem Umfang möglich seien, in dem sie eigentlich gebraucht werden. Denn zu den freiwilligen Leistungen gehöre beispielsweise auch die Grünflächenpflege.
Ein Dauerthema sei außerdem – wie überall – der Verkehr, der fließende wie der ruhende. „Es gibt einfach zu viele Autos“, sagt Weisbrodt. Dafür müssten Konzepte entwickelt werden. Bislang allerdings ist auch Weisbrodt selbst viel mit dem Auto unterwegs. Sein Büro ist in Mannheim, fast täglich kämpft er sich durchs Verkehrschaos durch auf die andere Rheinseite. Sein Glück: „Ich bin ein bisschen flexibel mit den Arbeitszeiten.“ So legt er sich Termine im Rathaus gerne auf den frühen Morgen. Dann tritt er die Fahrt über die Brücke erst an, wenn die Masse der Pendler bereits am Arbeitsplatz angekommen ist.