Mainz / Weidenthal
Dieser Pfälzer Ortsbürgermeister rückt in den Landtag nach
In der Politik gibt es Wahlnächte, in denen alles entschieden scheint. Und es gibt die Zeit danach, in der Mandate in Bewegung geraten, Ämter neu verteilt werden und plötzlich Menschen aus der zweiten Reihe nach vorn rücken. Ralf Kretner (CDU) ist so einer.
Der Weidenthaler Ortsbürgermeister und Gymnasiallehrer soll für den CDU-Mann Norbert Herhammer, der das Direktmandat im Wahlkreis 45 knapp gewonnen hat, in den rheinland-pfälzischen Landtag nachrücken. Im Landkreis Bad Dürkheim ist er damit bereits der zweite Lehrer binnen kurzer Zeit, für den es nach Mainz geht: Erst rückte die Haßlocherin Katharina Schuler (CDU) für den neuen Staatssekretär Dirk Herber (CDU) nach.
Grund für den Wechsel ist eine Kettenreaktion personeller Veränderungen. Herhammer bekommt als Nachrücker die Möglichkeit, ins Europaparlament zu wechseln – für den Otterberger, der bereits viermal für Brüssel kandidiert hat, ein lange verfolgtes Ziel. Möglich wird das, weil Christine Schneider in Rheinland-Pfalz Landwirtschaftsministerin geworden ist und damit ihr EU-Mandat frei wird. Die auf der CDU-Liste vor Herhammer platzierte Carolin Hostert-Hack verzichtet nach seinen Angaben. Damit ist der Weg nach Brüssel frei und für Kretner der nach Mainz.
Herhammer schließt Doppelmandat aus
Den Spagat zwischen Brüssel und Mainz schließt Herhammer inzwischen aus. „Ich habe nicht vor, ein Doppelmandat zu führen“, sagt er gegenüber der RHEINPFALZ. Bis spätestens Ende kommender Woche rechne er mit der offiziellen Nachricht aus Brüssel. Danach wolle er die Übergabe mit seinem Nachrücker Ralf Kretner klären. Eine längere Doppelrolle soll es nicht geben, allenfalls eine kurze Überschneidung.
Dabei nimmt Herhammer auch den Kalender seines Nachfolgers in den Blick. Kretner soll seinen Schuldienst noch bis zu den Ferien leisten können. Zugleich beginnt mit den Schulferien in Rheinland-Pfalz die parlamentarische Sommerpause. Deshalb, so Herhammer, werde es also lediglich zu einer kurzen Überlappung der Mandate kommen. „Eine Woche, vielleicht zehn Tage, eventuell gar keinen Tag.“
Kretner selbst rechnet ebenfalls mit einem geordneten Wechsel in der Sommerpause. „Wir warten jetzt ab, bis die Formalien geklärt sind“, sagt er. Dann könne die Übergabe erfolgen. Dass aus seiner Ersatzkandidatur tatsächlich ein Mandat werden könnte, habe er nicht kommen sehen. Lange überlegen musste er dennoch nicht. „Wer als B-Kandidat antritt, muss auch damit rechnen, nachzurücken“, erklärt der Weidenthaler.
Neuzuschnitt des Wahlkreises
Kretner hatte diese Rolle erst zur jüngsten Landtagswahl übernommen. B-Kandidat sei er geworden, „weil der Wahlkreis neu zugeschnitten wurde und ich aus dem Lambrechter Tal dem Wahlkreis helfen wollte bei der Zusammenführung“. Mit Herhammer sei er „schon seit Studienzeiten gut bekannt“, deshalb habe er sich „relativ schnell“ entschieden, ihn zu unterstützen.
Der Wahlkreis 45 umfasst Teile der Stadt Kaiserslautern, die Verbandsgemeinden Enkenbach-Alsenborn und Otterbach-Otterberg sowie die Verbandsgemeinde Lambrecht. Stadt und Land, Westpfalz und Pfälzerwald, Kreis Kaiserslautern und Bad Dürkheim – politisch gehört hier zusammen, was im Alltag nicht selbstverständlich zusammengehört. Künftig wird der Weidenthaler auch Kaiserslauterer Stadtteile wie Dansenberg, Einsiedlerhof, Erfenbach, Erlenbach, Mölschbach, Morlautern, Siegelbach, Betzenberg, Lämmchesberg und das Uni-Gebiet vertreten. „Ich sehe darin primär kein Problem“, sagt Kretner und verweist auf seine Verbindungen in den Wahlkreis: „Ich habe 18 Jahre an der IGS in Enkenbach-Alsenborn gearbeitet und bin dort gut bekannt.“ Außerdem habe er einen Lehrauftrag an der Universität Kaiserslautern. „Ich halte es für eine machbare Aufgabe, sich innerhalb von vier Jahren auch dort bekannt zu machen, wo man noch nicht bekannt ist“, sagt Kretner. Konkrete landespolitische Schwerpunkte nennt er noch nicht. Dafür sei die Entscheidung noch zu frisch.
Abschied von der Schule, Rathaus bleibt
Beruflich ist der Wechsel nach Mainz ein Einschnitt. Kretner ist Gymnasiallehrer für Physik und Chemie. In den Schuldienst kam er erst mit Mitte 30. Zuvor arbeitete er als Medizinphysiker und war an Forschungsprojekten in der Strahlentherapie beteiligt. Der Abschied von der Schule falle ihm „schwer“, sagt er. „Ich habe den Beruf gerne ausgeübt.“
Sein Amt als Ortsbürgermeister von Weidenthal will Kretner behalten. „Ich wechsle den Hauptberuf vom Gymnasiallehrer zum Landtagsabgeordneten“, sagt er. „Mein Ehrenamt als Ortsbürgermeister werde ich beibehalten.“ In der Kommunalpolitik ist Kretner seit mehr als 25 Jahren aktiv, in Gremien auf Orts-, Verbandsgemeinde- und Kreisebene. Seit 2019 ist er Ortsbürgermeister von Weidenthal. Bereits 2006 trat er erstmals als B-Kandidat bei einer Landtagswahl an.