Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Diedesfeld: Angst vor weiterem Abriss in Weinstraße

Gilt dem Ortsbeirat als warnendes Beispiel: Der Abriss des alten Gebäudes Weinstraße 513.
Gilt dem Ortsbeirat als warnendes Beispiel: Der Abriss des alten Gebäudes Weinstraße 513.

Der Ortsbeirat Diedesfeld ist sich absolut einig: Entlang der Weinstraße sollen Investoren gebremst werden, wenn sie weitere historische Anwesen abreißen möchten, um Platz für moderne Wohnanlagen zu schaffen. Kurios dabei: Noch weiß niemand, ob wieder ein solches Vorhaben geplant ist. Der Beirat will dennoch handeln.

Die Diedesfelder können auch kurz und streben bei der Sitzungslänge nicht immer wieder Weltrekorde an. Ein leichtes Grinsen konnte sich Ortsvorsteher Volker Lechner (FWG) daher am Dienstag gegen 19 Uhr nicht verkneifen. Der Ortsbeirat hatte es geschafft, in gut einer Stunde zwei Anträge zu diskutieren und sich einstimmig zu positionieren. Das war Lechner bei aller Freude über die Kürze der Beratungen ebenfalls wichtig.

Die Sitzung war kurzfristig angesetzt worden. Lechner wollte nicht bis zum nächsten regulären Termin Mitte Juni warten. Der Grund? Es gehe um den „vermutlichen Verkauf“ des Gebäudes Weinstraße 507, in dem das Restaurant Grünwedel beheimatet war. „Viele wollen wissen, was da hinkommt“, umriss Lechner das Leitthema für den Abend.

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Die entsprechenden Anträge hatte die FWG eingereicht – und der Ortsbeirat stellte sich dann auch geschlossen hinter die Anliegen, weil alle die Sorgen und Befürchtungen teilten. Für die Freien Wähler erläuterte Margarete Hoffmann, dass man bei den Arbeiten in der Weinstraße 513 gesehen habe, dass der für das Gebiet gültige Bebauungsplan Dr.-Nieder-Straße aus dem Jahr 1981 „nicht mehr den heutigen Standards entspricht“. Dort ist ein historisches Gebäude abgerissen worden, um Platz zu schaffen für vier Mehrfamilienhäuser mit insgesamt 22 Wohnungen.

Daher solle die Stadtverwaltung prüfen, ob und wie dieser Bebauungsplan verändert werden kann, um ein weiteres Vorhaben dieser Art an der Weinstraße zu verhindern. Aktuell sei man hier „machtlos“, da außer dem alten Bebauungsplan noch die Landesbauverordnung aus den 70er-Jahren gelte und ein Investor sich letztlich nur an die darin formulierten Vorgaben halte. Aber diese seien eben nicht mehr zeitgemäß, betonte Hoffmann.

„Kein weiterer Klotz“

Darüber hinaus formulierte der Ortsbeirat auf Initiative von Patrick Henigin (CDU) hin noch ein zweites Ansinnen: Dabei geht es konkret um den Erhalt der Villa Weinstraße 507. Es soll ergänzend geprüft werden, ob die Villa unter Denkmalschutz gestellt oder in die Ortsbildsatzung aufgenommen werden kann.

Ferner soll auf Wunsch der FWG die Verwaltung den Ortsbeirat frühzeitig informieren, falls in der Behörde Baupläne für das Gebäude bekannt werden. „Wir wollen den Charakter des Dorfs bewahren und umgehend informiert werden, damit wir noch reagieren können“, so Hoffmann. Der Trend, dass „Weingüter abgerissen und durch Wohnbebauung ersetzt werden, schadet dem Dorf, es verliert an Anziehungskraft“, warnte Hoffmann.

Henigin, der auch im Stadtrat sitzt, bekräftigte: „Wir wollen nicht, dass da wieder ein Block hinkommt. Wir wollen eine ähnliche Nutzung wie bisher.“ Sabine Baßler (CDU) schloss sich diesem Wunsch an: „Wir wollen, dass dort wieder Gastronomie hinkommt. Diedesfeld braucht Gastronomie.“ Zugleich warnte Baßler vor einer ausufernden Diskussion. Ihren Informationen zufolge stehe nicht die Villa in der Weinstraße 507 zum Verkauf, sondern die Gebäude Weinstraße 507a, in denen der gastronomische Betrieb war, sollen verkauft werden, so Baßler. Obwohl sie hinter den Beschlüssen des Ortsbeirats stehe, warnte sie davor, „unnötige Wellen“ zu machen, denn „wir wissen ja noch nicht mal, wer der Käufer sein soll“.

Rund 50 Zuschauer

Für Henigin überwogen bei allen noch offenen Fragen aber die seiner Meinung nach berechtigten Anliegen des Ortsbeirats: „Wir wollen uns das Ortsbild nicht von Bauträgern gestalten lassen. Daher ist es gut, wenn wir frühzeitig versuchen, die Planung auf sichere Beine zu stellen.“

Dass der Ortsbeirat mit seinen Überlegungen nicht alleine dasteht, zeigte am Dienstagabend bei der Youtube-Übertragung ein Blick auf die Zuschauerzahlangabe: Rund 50 Diedesfelder waren die ganze Stunde über dabei und wollten wissen, welche Überlegungen der Ortsbeirat in Sachen Dorfcharakter anstellt.

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